Auskunfteien Meldung

Wie die Schufa machen auch andere Auskunfteien Geschäfte mit Daten zur Kreditwürdigkeit von Millionen Privatkunden. Wer wissen will, was gespeichert ist, kann eine Eigenauskunft anfordern.

„Das war eine raffinierte Idee“, kommentiert Frank-Christian Pauli vom Verbraucherzentrale Bundesverband einen neuen Service der Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (Schufa). „Dadurch werden die Konkurrenten der Schufa aus dem Dickicht geholt, wenn sie schon nicht selbst für Transparenz sorgen.“

Seit Januar 2009 bietet die Schufa an, für Privatleute Eigenauskünfte von fünf weiteren Auskunfteien zu bestellen. Bisher konnten sie nur abfragen, was die Schufa über sie gespeichert hat, zum Beispiel zur Zahl ihrer Girokonten oder zu ihrem Versandhandelskonto. Mit dem neuen Angebot macht die Schufa klar, dass nicht nur sie mit Daten von Privatkunden handelt.

Nicht nur die Schufa sammelt Daten

Die Schufa ist die bekannteste Auskunftei in Deutschland, aber nicht die einzige. Daneben gibt es eine Vielzahl von Unternehmen, die als Handels- und Wirtschaftsauskunftei bekannt sind. Die fünf größten sind accumio finance services, Bürgel Wirtschaftsinformationen, CEG Creditreform Consumer, Deltavista und infoscore Consumer Data (siehe Tabelle). Sie erheben und verarbeiten Daten über das Zahlungsverhalten und die Zahlungsfähigkeit von Firmen, aber auch von Privatpersonen.

Informationen über gerichtliche Mahnverfahren, Privatinsolvenzen oder etwa über bevorstehende Haftbefehle beziehen sie aus öffentlichen Registern, zum Beispiel aus Schuldnerverzeichnissen der Amtsgerichte, Veröffentlichungen der Insolvenzgerichte und dem Handelsregister.

Viele haben durch verbundene Unternehmen auch Informationen über laufende und bereits betriebene Inkassoverfahren. Immerhin gehören vier der sechs größten Auskunfteien zu Konzernverbünden, die auch Inkassofirmen umfassen.

Diese Informationen verkaufen sie an Geschäftskunden, zum Beispiel den Versand- und Einzelhandel, an Mobilfunkunternehmen, Leasingfirmen, Onlinehändler, Autovermieter und Banken.

Das alles sind Unternehmen, die gegenüber ihren Kunden in Vorleistung gehen, zum Beispiel wenn sie Waren gegen Rechnung liefern. Sie wollen mit der Anfrage einschätzen können, ob es sich lohnt, mit dem Kunden Geschäfte zu machen.

Verbraucher zwischen den Fronten

Den neuen Schufa-Service fanden viele Finanztest-Leser interessant. Doch das Ergebnis enttäuschte sie, denn der zentrale Abruf der Eigenauskünfte funktionierte nicht.

„Ich habe gleich Mitte Januar solche Eigenauskünfte über das Portal www.meineschufa.de bestellt. Bisher hat sich lediglich die Firma Deltavista gemeldet“, schreibt Michael Weidner aus Montabaur. „Sie lehnt mein Ersuchen mit der Begründung ab, dass das Verfahren vorab nicht abgestimmt wurde.“ Stattdessen bot sie Weidner an, gegen eine Bearbeitungsgebühr von 5 Euro und eine Kopie des Personalausweises seinen Wunsch direkt zu bearbeiten.

Bei anderen Lesern hat sich neben Deltavista nur noch die Auskunftei Bürgel mit einem ähnlichen Schreiben gemeldet. Allerdings verlangte sie sogar eine Auskunftsgebühr von 11,70 Euro. Creditreform, accumio und infoscore reagierten auch mehrere Wochen nach den Anschreiben gar nicht.

Auskunfteien dürfen Daten sammeln, speichern und auch weitergeben, das regelt das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) im Paragrafen 29. Aber genauso haben Privatpersonen das Recht zu wissen, was über sie gespeichert ist.

„Wir haben mit unserem Service den Verbrauchern die Möglichkeit eröffnet, unkompliziert Transparenz über die bei anderen Auskunfteien über sie gespeicherten Daten zu erlangen“, erläutert Schufa-Pressesprecherin Katrin Haase. „Wir sind überrascht, dass einige Auskunfteien sich so gegen die Transparenz wehren.“

Die Wettbewerber sehen das anders. Die Reaktionen der Auskunfteien reichten von „wir waren überrascht“ (Bürgel) über „es gibt dazu keine Vereinbarung zwischen uns und der Schufa“ (CEG Creditreform Consumer) bis zu „es entspricht nicht unserer Geschäftsphilosophie, mit kostenlosen Leistungen den kostenpflichtigen Service der Schufa zu unterstützen“ (Infoscore).

Einigen Auskunfteien reicht es nicht, dass die Identität der Schufa-Kunden mit dem Postident-Verfahren festgestellt wurde. Sie wollen sich selbst vergewissern.

Eigenauskunft direkt anfordern

Zurzeit ist es offenbar am besten, wenn Verbraucher die Eigenauskunft direkt bei den Firmen anfordern. Das geht in der Regel formlos oder per Internetformular. Deltavista hat den Onlineantrag dafür gerade neu eingeführt.

An welche Adresse die Anforderung der Eigenauskunft geht, steht in der Tabelle. Dort steht auch, was es kostet.

Auch dieser Punkt hatte einige Verbraucher verwirrt. Nur das Verschicken der Anforderung durch die Schufa ist kostenlos. Den Hinweis der Schufa „eventuelle Kosten für die Eigenauskünfte müssen direkt an die anderen Unternehmen bezahlt werden“ hatten einige Nutzer wohl überlesen.

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