Auskunfteien Schnelltest

Auskunfteien verdienen Geld mit dem Verkauf von gespeicherten Informationen und mit der berechneten Wahrscheinlichkeit von Zahlungsausfällen. Seit April müssen Auskunfteien alle 12 Monate Verbraucher über ihre Daten kostenlos informieren. test.de hat sechs Unternehmen unter die Lupe genommen.

[update: 13.04.2010] Abzocke mit Formularen

Mehrere Internetportale bieten nach Erkenntnis der Verbraucherzentrale Sachsen Formulare für die kostenlose Eigenauskunft gegen Geld an. So verkauft etwa die Internetseite www.meineselbstauskunft.de Antragsformulare bei den Auskunfteien für jeweils 5,60 Euro. Die Anträge gibt es auch ohne Geld. Kostenlose Musterbriefe finden Verbraucher auf der Seite vom Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar.

Eigene Daten von Auskunfteien erfragen

Jeder Verbraucher hat seit dem 1. April das Recht kostenlos zu erfahren, welche persönlichen Daten Auskunfteien über ihn gespeichert haben. Um die Auskunft zu erhalten, muss er einen Brief an das Unternehmen senden, das seine Daten verkauft. test.de hat bei den sechs größten Auskunfteien nachgefragt, von wie vielen Personen sie welche Informationen speichern. Im einzelnen sind das die Schufa, CEG Creditreform, Deltavista, Bürgel Wirtschaftsinformationen, accumio finance service und infoscore Consumer Data, siehe Tabelle.

Was der Verbraucher erfährt

Die Eigenauskunft, die der Verbraucher ein Mal innerhalb von 12 Monaten kostenlos erhält, muss laut Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) über alle gespeicherten Daten informieren. Das können sein: Name, Geburtsdatum und Adresse, frühere Anschriften und die Information, ob Girokonten, Kreditkarten oder Handyverträge vorhanden sind. Informiert wird der Verbraucher über die Unternehmen, die seine Daten der Auskunftei gemeldet haben. Firmen, die die gespeicherten Informationen des Kunden und seinen Scorewert abgerufen haben, benennt die schriftliche Auskunft ebenso. Natürlich erfährt auch der Verbraucher von der Auskunftei den berechneten Scorewert.

Einen Schufa-Score hat fast jeder Erwachsene

Der Scorewert soll eine Prognose etwa über die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls von Kunden liefern. Keinen Scorewert haben nur Kunden, über die negative Merkmale gespeichert sind, zum Beispiel eine eidesstattliche Versicherung oder ein Haftbefehl. Jede Auskunftei berechnet jeweils ihren eigenen Score (englisch für Zahlwert) nach einem wissenschaftlichen mathematisch-statistischen Verfahren, behaupten die Datenhändler. Die Schufa mit 65 Millionen gespeicherten Verbrauchern größte Auskunftei gibt an, dass sie für ihr Scoring-Verfahren alle Daten ihres jeweiligen Kunden nutzt mit Ausnahme von Adressdaten. Das sind etwa die Anzahl der Girokonten, Kreditkarten, Mobilfunk-, Kreditverträge sowie Alter des Kunden. Neben dem Basis-Score berechnet die Schufa noch acht Branchen-Scores für Banken, Sparkassen/Genossenschaftsbanken, Handel, Hypotheken, Telekommunikation, Versandhandel, Kleingewerbe und Freiberufler. Auch der aktuelle Branchen-Score wird in der Auskunft mitgeteilt. Die Auskunftei infoscore Consumer Data berechnet ebenso Branchen-Scores.

Scoring - die geheime Einstufung der Zahlungsfähigkeit

Andere Auskunfteien wie Accumio und Deltavista lassen in den errechneten Score neben den persönlichen Informationen auch Anschriftendaten einfließen. Dabei spielt die Qualität der Wohnlage eine Rolle, ob die Bewohner dort pünktlich ihre Rechnung zahlen und etwa die Arbeitslosenstatistik. Welche Daten wirklich genutzt werden und wie schwer sie ins Gewicht fallen, sagt keine Auskunftei.

Auskünfte im Briefkasten

Wie gut die Auskunfteien auf die neuen kostenlosen Informationsverlangen vorbereitet sind, kann dieser Schnelltest nicht klären. Dazu fehlt noch die Zeit. Standardisierte Musterbögen haben bereits Accumio, CEG Creditreform, infoscore Consumer Data und die Schufa. Deltavista will keine Musterbögen verwenden. Die Auskunftei Bürgel will Online-Formularvordrucke nach einer Aktualisierung ihrer Website anbieten.

Tipps

  • Selbstkontrolle. Die Praxis zeigt, dass nicht alle gespeicherten Daten vollständig und korrekt sind. Mit der kostenlosen Selbstauskunft können Sie die Richtigkeit der Daten kontrollieren. Alle Auskunfteien haben test.de zugesagt, dass sie schriftliche Berichtigungen mit Begründung prüfen und die Daten korrigieren, wenn sie tatsächlich falsch sind.
  • Datengeschenk. Bedenken Sie bei Ihrer Anfrage, dass die jeweilige Auskunftei mit Ihrer Anfrage Ihre Daten wie Name, Geburtsdatum und Adresse erhält.
  • Musterformulare. Auf der Homepage des Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar finden Sie Musterbriefe für das Auskunftsbegehren.

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