Ausbildungsversicherungen sind zwar bequem, aber teuer und unflexibel. Wer die fondsgebundene Form wählt, setzt außerdem seine eingezahlten Beiträge aufs Spiel.

Mareike ist ein aufgewecktes Kind. Obwohl sie gerade erst zwei Jahre alt ist, kann sie schon so viele Wörter, dass sie „plappert wie ein Wasserfall“, sagt ihr Opa Herbert Müller. Er möchte, dass die Kleine auch später alles lernen kann, was sie will. Am Geld sollen ihre Träume nicht scheitern. Daher hat der 61-Jährige sich Anfang des Jahres entschlossen, eine Ausbildungsversicherung für seine Enkelin abzuschließen.

Besonders gut gefallen hat ihm „wegen der guten Renditechancen“ die fondsgebundene Ausbildungsversicherung von Aegon. „Clever sparen“, wirbt die Gesellschaft für „Moneymaxx“.

Doch eine Ausbildungsversicherung ist zwar bequem, aber teuer und unflexibel. Sie ist wie eine Kapitallebensversicherung eine Mischung aus Versicherung und Geldanlage.

Über einen Zeitraum von mindestens zwölf Jahren zahlt der Versicherte regelmäßig Geld ein. Dies wird, abzüglich der Kosten für die Versicherung, angelegt. Die klassische Ausbildungsversicherung investiert vor allem in sichere Geldanlagen wie festverzinsliche Wertpapiere, die von Müller bevorzugte fondsgebundene in einen Aktienfonds.

Am Ende der Laufzeit wird das Guthaben ausgezahlt – für bis Ende 2004 abgeschlossene Verträge steuerfrei.

Vor allem für Ältere unrentabel

Stirbt der Versicherte vor Vertragsende, zahlt der Versicherer die Summe der offenen Beiträge, der Vertrag läuft weiter. Das Risiko, dass jemand stirbt, steigt naturgemäß mit seinem Alter. Je älter er ist, desto mehr Beitrag muss er zahlen.

Herbert Müller durfte – wie alle über 60 Jahre – gar keine Ausbildungsversicherung mehr bei Aegon abschließen. Jetzt hat stattdessen Mareikes 38-jähriger Vater Michael den Vertrag unterschrieben. Ihm hat Aegon 5,4 Prozent Rendite auf seine Einzahlungen von insgesamt 12 000 Euro prognostiziert. Bei der gewählten Laufzeit von 20 Jahren und dem Monatsbeitrag von 50 Euro wären das am Ende rund 21 000 Euro.

Die Beiträge zahlt Opa Herbert Müller. Sie fließen vor allem zu Beginn nur zum Teil in die Geldanlage.

Aegon informiert im Vertrag vorbildlich darüber, was mit dem Geld geschieht: Die Gesellschaft zieht, verteilt über die ersten vier Jahre Laufzeit, 5 Prozent der Beitragssumme von 12 000 Euro ab, um die Abschlusskosten des Vertrags zu decken – also insgesamt 600 Euro. Das entspricht vier Jahre lang monatlich 12,50 Euro. Dazu kommen 4 Euro Verwaltungsgebühr im Monat.

Von den 50 Euro Monatsbeitrag fließen demnach in den ersten vier Jahren nur je 33,50 Euro, danach 46 Euro in den Fonds. Davon zieht Aegon noch Risikobeträge für die Versicherung ab. Diese liegen für Michael Müller derzeit bei 1,90 Euro im Monat – während der Laufzeit ändern sie sich geringfügig. Zudem geht vom Guthaben noch die Fondsverwaltungsgebühr ab. Einen Aus­gabeaufschlag verlangt Aegon nicht.

Die „Nettorendite“ von 5,4 Prozent, die Aegon für Michael Müller errechnet hat, ist alles andere als sicher. Sie basiert – darauf weist die Gesellschaft hin – auf den durchschnittlichen Zuwächsen des Aegon International Sicav Equity Fund in den letzten zwanzig Jahren.

Gerade in der jüngeren Vergangenheit gab der Fonds aber kein erfreuliches Bild ab. Wie der Aktienmarkt ist sein Wert zwischen 2000 und 2002 rapide gesunken, seit Anfang 2003 ist er wieder ganz leicht gestiegen.

Eine Wertgarantie gibt Aegon bei ­dieser Ausbildungsversicherung nicht. Sollte sich der Fonds also in den kommenden Jahren schlecht entwickeln, ist es möglich, dass Mareike nach Ablauf des Vertrags weniger Geld erhält, als ihr Opa über die Jahre eingezahlt hat.

Geld lieber selbst anlegen

So viel Risiko muss für diese Rendite nicht sein. Die 5,4 Prozent, die Aegon dem Vater aus Vergangenheitswerten errechnet hat, wären bei 20 Jahren Laufzeit mit einer risikolosen Geldanlage zu toppen gewesen: Wer seit 1983 monatlich 50 Euro in Bundesschatzbriefe vom Typ B gesteckt hat, kam im Schnitt auf eine Rendite von mehr als 6 Prozent. Typ B sammelt die Zinsen über meh­rere Jahre an und zahlt sie auf einmal aus.

Ob ein jetzt begonnener Sparplan über zwanzig Jahre wieder so viel bringt ist natürlich ungewiss. Zurzeit bieten neue Bundesschatzbriefe vom Typ B nur eine Rendite von gut 3 Prozent.

Eine Alternative zu Bundesschatzbriefen sind Sparpläne mit Euro-Rentenfonds. Diese Fonds investieren in Zinspapiere und bringen zurzeit zwischen 3 und über 4 Prozent Rendite. In der Vergangenheit waren auf lange Sicht 6,5 Prozent Rendite im Jahr möglich.

Wer mehr will und die Risiken nicht scheut, sollte eigenverantwortlich in internationale Aktienfonds investieren. Die Verwaltungskosten sind dann geringer als in Kombination mit einer Versicherung. Damit sind die Chancen höher: In der Vergangenheit waren 9 bis 10 Prozent Rendite im Jahr realistisch.

Eltern müssen auch ans Finanzamt denken, vor allem wenn sie verzinst anlegen. Am besten ist es, wenn die Geldanlage auf den Namen des Kindes läuft. Gewöhnlich reicht der Sparerfreibetrag von derzeit 1 370 Euro. Mit ­einer Nichtveranlagungsbescheinigung vom Finanzamt darf das Kind sogar 9 121 Euro im Jahr steuerfrei kassieren.

Unabhängig von der Art der Geldanlage sollten Eltern für den Fall ihres Todes vorsorgen. Michael Müller will über 20 Jahre insgesamt 12 000 Euro einzahlen. Würde er das Geld auf eigene Faust anlegen, sollte er sicherstellen, dass genug für den Sparplan zur Verfügung steht, wenn er stirbt: Eine Risikolebensversicherung, die bei seinem Tod 12 000 Euro auszahlt, kostet ihn bei KarstadtQuelle nur 2 Euro monatlich.

Trennen sie Geldanlage und Versicherung, bleiben Eltern auf jeden Fall flexibler als mit einer Ausbildungsversicherung. Sie können auch mal ein paar Raten bei der Geldanlage aussetzen.

Teurer Ausstieg

Wer nun aber seine Ausbildungsversicherung kündigen will, um auf eigene Faust vorzusorgen, verliert viel Geld. Meist lohnt sich das nicht. In den ersten beiden Jahren zieht zum Beispiel Aegon vom Guthaben eine Gebühr von 300 Euro ab, im dritten und vierten Jahr noch 150 Euro. Auch wer später kündigt, bekommt nur wenig zurück.

Kunden können die Versicherung auch beitragsfrei stellen. Sie zahlen dann nicht mehr ein und ihr Todesfallschutz erlischt, doch die laufenden Kosten nagen an ihrem Guthaben. Egal ob Müllers kündigen oder beitragsfrei stellen, ihre bisherigen Beiträge von 400 Euro wären weg, weil sie so früh aussteigen.

Der Ausstieg kann sich im Einzelfall trotzdem lohnen. Müllers Vertrag läuft erst seit kurzem. Sie könnten ihn kündigen und in den nächsten gut 19 Jahren monatlich 2 Euro in die Risikolebensversicherung und 48 Euro in einen selbstgewählten Aktienfonds stecken. Seine Rendite müsste im Schnitt 6,5 Prozent betragen, um die angestrebten gut 21 000 Euro zu erreichen.

Dass der Fonds das schafft, ist natürlich nicht sicher, doch mit einem guten Aktienfonds haben sie sogar eine realistische Chance auf mehr.

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