Ausbildungs­versicherung Special

Familie Durand verlor mit dem Ausstieg aus zwei Kinder-Spar-Policen 5 000 Euro.

Eltern wollen die Zukunft ihrer Spröss­linge optimal absichern. Doch was ist zu tun, wenn sich die gewählte Geld­anlage als Flop erweist?

Die Eheleute Durand hatten die besten Absichten. Um ihren Kindern eine sorglose Zukunft zu ermöglichen, suchten sie früh nach einer passenden Geld­anlage.

Ausbildungs­versicherung Special

Die Grafik zeigt, wie viel Geld Studierende im Schnitt monatlich wofür ausgeben.

Eine gute Idee. Ob Führer­schein, Auslands­auf­enthalt oder die erste eigene Wohnung: Wer für solche Anlässe nichts zurück­legt, stößt schnell an seine Grenzen. Die wohl größte Belastung fürs elterliche Budget ist die aber Ausbildung der Kinder. Fünf Jahre studieren an einer staatlichen Hoch­schule kostet im Durch­schnitt 50 000 Euro (siehe Grafik).

So sinn­voll es ist, beizeiten für die Zukunft des Nach­wuchses zu sparen: Bei der Wahl der Anlageform ist Vorsicht geboten, sonst riskieren Eltern, unterm Strich drauf­zuzahlen. So erging es den Durands.

Die Finanz­branche kennt die Ängste der Eltern und weiß, dass sich mit Spezial­policen für die Jüngsten gut verdienen lässt. Jede Einzahlung lässt ihre Kasse klingeln. Entsprechend groß ist das Angebot sogenannter Ausbildungs­versicherungen.

Je mehr Beitrag in einem solchen Versicherungs­vertrag zusammen­kommt, desto höher sind die Abschluss- und Vertriebs­kosten, die der Kunde in der Anfangs­zeit mit seinen Beiträgen zahlt. Eltern wird geraten, gleich für die Rente eines heute Zweijäh­rigen mitzusparen. Eine Police von der Wiege bis zur Bahre garan­tiert den Anbietern durch die lange Vertrags­lauf­zeit eine extra hohe Beitrags­summe.

Trauriges Schulbei­spiel

Ein solches Produkt empfahl ein Vertreter der Volks­fürsorge der Familie Durand. In die „Best Invest Future“, eine fonds­gebundene Renten­versicherung für Kinder, sollten die Eltern 50 Euro monatlich für die damals dreijäh­rige Meira einzahlen. 56 Jahre lang. Für Alois (6 Monate) wurde der gleiche Beitrag vereinbart. Lauf­zeit: 59 Jahre.

Das Paar unter­schrieb, denn die Policen schienen regelrechte Alleskönner zu sein. Sie enthielten unter anderem eine Invaliditäts–Zusatz­versicherung, eine Nach­versicherungs­garantie und Liquiditäts­optionen ohne Storno­abzug nach Ablauf von zwölf Jahren. Dank dieses Instru­ments, so das Argument des Vertreters, könnten die Eltern einer­seits die Alters­vorsorge der Kinder sichern, aber, und das über­zeugte sie, auch vor Erreichen des Renten­alters Geld für die Ausbildung abzweigen.

„Vieles habe ich damals allerdings nicht richtig verstanden“, sagt Vater Nicki Durand heute. Vor allem, dass ein Ausstieg jenseits der vorgesehenen Zeit­punkte deutliche Verluste bedeuten könne, sei ihnen beiden nicht erklärt worden.

Klangvolle Namen

Eltern, Groß­eltern und Paten, die für den Nach­wuchs sparen wollen, bekommen häufig fonds­gebundene Versicherungen wie die der Durands angeboten. Die Produkte heißen Kinder- oder Enkel-Police, manche auch „Tipp-Top-Tabaluga“ oder „Biene Maja“. Oft sollen sie, wie bei den Durands, nicht nur die Ausbildung finanzieren, sondern die Jüngsten durch eine spätere Rentenzahlung auch vor Alters­armut bewahren. Das klingt erst­mal gut.

Für Eltern verlockend ist auch, wenn eine Police oben­drein Lebens­risiken der Eltern oder Groß­eltern absichert, wie den Tod oder die Berufs­unfähigkeit des Versicherungs­nehmers.

Was allerdings wie ein Rundum-Sorglos-Paket daher­kommt, erweist sich bei genauem Hinsehen als teure Kombination. Ein Teil der Beiträge geht in den Versicherungs­schutz, ein anderer fließt in einen oder mehrere Fonds, deren Güte oft nicht besprochen wird. Das birgt Verlustrisiken, die die fürsorglichen Einzahler bei Vertrags­abschluss nicht unbe­dingt erkennen. Ein ordentlicher Batzen geht ohnehin für Abschluss, Vertrieb und Verwaltung drauf.

Lohnende Alternativen

Andere Spar­produkte sind viel besser geeignet. So drohen keine Abzüge durch Kosten, wenn man statt in eine Versicherung in einen Bank­sparplan investiert. Fonds­anteile lassen sich ebenfalls kostengünstig als Sparplan kaufen. Sparpläne sind in der Regel auch viel flexibler als Versicherungs­policen: Bei Fonds­sparplänen dürfen Kunden die Zahlungen immer kostenfrei unter­brechen oder die Raten ändern, wenn das Geld knapp ist. Viele Bank­sparpläne bieten je nach Lauf­zeit und Kündigungs­recht eine ähnliche Flexibilität.

Ob sicheres Bank­sparen empfehlens­werter ist oder ob Eltern besser auf das riskantere, aber auch chancenreichere Fonds­sparen setzen sollten, hängt unter anderem davon ab, wann das Geld benötigt wird. Ein guter Weg kann es sein, den Sparbeitrag zu splitten: einen Teil in sichere, verzinste Bank­produkte stecken und den anderen weniger konservativ anlegen. Beträgt der gesamte Anlage­zeitraum wenige Jahre, sollte die Sicherheit Vorrang haben.

Kann ein Teil des Guthabens hingegen lange liegenbleiben, empfehlen sich dafür Fonds­sparpläne. Sparer können sie für unterschiedliche Arten von Fonds wie Aktien- oder Rentenfonds abschließen. Ideal sind börsen­gehandelte Indexfonds (ETF), die in der ganzen Welt oder in Europa investieren. Über zehn oder fünf­zehn Jahre hinweg lässt sich das Auf und Ab der Börsen meist gut ausgleichen Vertragsvarianten.

Ob Bank- oder Fonds­sparplan: Über die Jahre summieren sich selbst kleine Monats­beiträge zu ordentlichen Summen. Sparen Groß­eltern zum Beispiel 20 Jahre lang pro Monat 100 Euro und erzielen jeweils 2 Prozent Zinsen, kann sich der Enkel am Ende über 29 423 Euro freuen. Und wenn es Eltern schaffen, das Kinder­geld zurück­zulegen, landen bei einem Zins von 2 Prozent in 20 Jahren mehr als 54 000 Euro auf dem Konto, Tabelle Sparen mit Geld vom Staat. Genug für ein fünf­jähriges Studium.

Verlust­reiche Anlage

Von solchen Erträgen waren die Durands mit ihrer fonds­gebundenen Renten­police weit entfernt. Nach acht Jahren Lauf­zeit zeigten sie die Verträge einem Rechts­anwalt. Der hielt sie für unrentabel. Auch die Durands zweifelten inzwischen, ob die Produkte das Richtige sind, um später die Ausbildung der Kinder zu finanzieren. Sie kündigten die Verträge.

Rund 7 064 Euro hatten sie bis dahin für ihre Tochter einge­zahlt, 6 558 Euro für den Sohn. Von den insgesamt 13 622 Euro sahen sie nur einen Teil wieder, obwohl das Fonds­investment gerade gut stand: Der Versicherer Generali, der die Verträge der Volks­fürsorge weitergeführt hatte, erstattete 8 645 Euro – am Ende ergab sich ein Verlust von insgesamt fast 5 000 Euro.

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