Ausbildung zum Farb-, Stil- und Imageberater Test

Auf gutes Aussehen und gekonntes Auftreten wird heute viel Wert gelegt. Das gibt Raum für neue Dienstleistungen: Farb-, Stil- und Imageprofis beraten nicht nur ihre Kundschaft, sondern bilden auch weitere Berater aus. Doch Kurzkurse, die als Ausbildungen daher kommen, sind mit Vorsicht zu genießen. Das zeigt unser Test.

Ob im Job oder privat: Das äußere Erscheinungsbild ist heutzutage sehr wichtig. Amerikanische Studien belegen schon lange: Kleider machen Karriere. Und auch deutsche Psychologen fanden heraus, dass gutes Aussehen mit Fleiß, Kreativität und Klugheit in Verbindung gebracht wird, so zum Beispiel in der Beautycheck-Studie der Uni Regensburg.

Doch nicht jeder weiß, was zu ihm passt. Wer unsicher ist, kann sich Rat bei Farb-, Stil- oder Imageberatern holen. Längst lassen sich nicht nur Privatpersonen eine optimale Farbpalette erstellen und vorteilhafte Schnitte empfehlen. Auch Firmen und Führungskräfte, die den gepflegten Auftritt als Wettbewerbsvorteil erkannt haben, konsultieren Image-Profis.

In dem Maße, wie Aussehen und Auftreten auch beruflich an Bedeutung gewinnen, bieten nicht nur Kosmetiker und Friseure Farb- und Stilberatung an, auch Unternehmensberater und PR-Agenturen haben insbesondere die umfassende Imageberatung in ihr Repertoire aufgenommen.

Hinzu kommen immer mehr Selbstständige, die ausschließlich in punkto Farbe, Stil oder Image beraten und auch zu dieser Tätigkeit ausbilden: Über 150 Kurse gibt es derzeit in Deutschland; allein 25 Anbieter wollen mit ihren Kursen ausdrücklich auf eine anschließende Selbstständigkeit vorbereiten.Schon in zwei, drei Tagen kann jederman sich ausbilden lassen – auch Quereinsteiger ohne jegliche Vorbildung. Mit Berufsausbildungen haben solche Kurzkurse nichts zu tun; auch mit Fort- oder Weiterbildung nur wenig, da sie selten auf vorhandenen Berufskenntnissen aufbauen.

Die Stiftung Warentest hat bundesweit acht Kurse getestet. Inhalt, Dauer und Preis sind sehr unterschiedlich: Die Handwerkskammer Magdeburg bildet Teilnehmer aus der Mode- oder Kosmetikbranche in zwei Tagen für 330 Euro weiter. Alle anderen Kurse sind offen, dauern zwischen drei Tagen und drei Monaten und wollen auf eine selbstständige Tätigkeit vorbereiten. Kosten: bis zu 2500 Euro für den Kurs, bis zu 900 Euro für die Grundausstattung.

Viele verschweigen Marktrisiken

Die Testergebnisse sind alarmierend: Sieben von acht Ausbildern kündigen zwar an, mit ihren Kursen auf eine selbstständige Tätigkeit vorzubereiten. Aber nur wenige geben eine realistische Markteinschätzung. So rät ImagoBerlin Anfängern von einer ausschließlichen Tätigkeit als Farb-, Stil- oder Imageberater ab. Die Dozenten empfehlen, die Beratung erst einmal als zweites Standbein aufzubauen oder als Zusatzleistung anzubieten.

Obwohl sich die Farb-, Stil- und Imageberatung als ernstzunehmender Geschäftszweig zu etablieren scheint, ist diese Empfehlung angesichts wirtschaftlich schwieriger Zeiten sicherlich angemessen. Denn entgegen anderen Kursanbietern, die auch Quereinsteigern meist gute Chancen vorhersagen, sehen Branchenexperten die Lage eher kritisch: Bis diese Dienstleistung zum Haupterwerb wird, ist es ein langer Weg. Insbesondere, wenn nicht an Vorkenntnisse und damit auch an Kundschaft aus der Kosmetik- oder Modebranche angeknüpft werden kann.

Leider kamen Fragen der Existenzgründung wie Marktchancen, Marketingfragen und Einstiegsmöglichkeiten bei den meisten Anbietern zu kurz oder beschränkten sich gar auf blauäugige Empfehlungen wie, „Farbberatung im Autohaus vorzustellen, während die Männer die Autos betrachten“, so geschehen bei der Schule Anne Weber.

Dafür wollten fast alle Ausbilder noch während des Kurses ihre Grundausstattung verkaufen. Ausnahmen: Die Handwerkskammer Magdeburg, die sich als einzige vorwiegend an Kosmetiker, Friseure oder Optiker richtet, die die Beratung als Zusatzleistung anbieten und die Gesellschaft für Farb und Stil Beratung, bei der die Grundausstattung bereits im Preis inbegriffen war.

Da verschiedene Anbieter verschiedene Farbkonzepte vertreten, die übrigens bei keinem im Vorfeld ausreichend erklärt wurden, sind die Teilnehmer in der Regel auch auf deren Materialien angewiesen. Allein Farbtücher, Beleuchtung und Spiegel für die Grundausstattung können zwischen 600 und 900 Euro kosten. Bei ImagoBerlin und der Typ Akademie war der Kauf dann auch erforderlich, um überhaupt an den integrierten Praxiszeiten teilnehmen zu können.

Nur einer bietet betreute Praxis

Die Ergebnisse sind um so gravierender, als dass für keinen Kurs Berufserfahrung verlangt wurde. Selbst die Handwerkskammer Magdeburg, die sich in ihren verschiedenen Kursbeschreibungen in der Regel an Personen mit Branchenkenntnissen richtete, hat alle Interessenten zugelassen. Idealerweise sollten aber Kenntnisse im Bereich Mode oder Kosmetik oder – für die Imageberatung – Management oder Psychologie mitgebracht werden, um anschließend eine kompetente Beratung leisten zu können.

Auch während der Kurse wurden mangelnde Vorkenntnisse und praktische Erfahrungen kaum ausgeglichen. Die Handwerkskammer Magdeburg ging in ihrem Zweitageskurs weder auf berufsspezifische Fragen ihrer vorgeblichen Zielgruppe ein noch bot sie ausreichend Praxis. Die übrigen Kurse, die zwischen drei und neun Tagen dauerten, hatten ebenfalls nur dürftige Praxisansätze.

Einziges Positivbeispiel: ImagoBerlin. Zwischen dem Basis- und Profimodul der Kurse „Integrativer Farbstylist“ (acht Tage) und „Integrativer Typstylist“ (sechs Tage) gab es jeweils eine betreute Praxisphase von drei Monaten. Ansatzweise wurde nur noch bei der Typ Akademie die selbstständige Beratung geübt: Zwischen der dreimal dreitägigen „Basisausbildung zum Typberater“ sollten die Teilnehmer je drei Farb- und Stilberatungen an Modellen üben.

Alle anderen Anbieter beschränkten die praktischen Übungen auf den Kurs, wobei die Teilnehmer sich meist gegenseitig berieten. Ausbildungsexperten raten dagegen eher zu Übungen an externen Modellen, was die Konzentration auf die Lerninhalte erleichtert, weil die Teilnehmer dann nicht mit ihrem eigenen Farb- oder Stiltyp beschäftigt sind.

Alle haben fachliche Mängel

Auch fachlich kam nur ImagoBerlin unseren Anforderungen an eine gute Ausbildung sehr nah (siehe Ausbildungsinhalte). Trotzdem fehlten auch hier wünschenswerte Inhalte: zum Beispiel, wie eine individuelle Stilmappe zum Nachschlagen für den Kunden erstellt werden kann.

Bei allen anderen kamen das Hintergrundwissen zu Farbe und Stil, bei den beiden Image-Anbietern auch Image zu kurz. Die neue Zielgruppe Männer und das wichtige Themenfeld Beruf wurden meist durchweg vernachlässigt. Dafür wurden in Einzelfällen zweifelhafte Glaubenssätze propagiert wie etwa die Farbe Grün helfe bei Liebesunfähigkeit und Herzbeschwerden, so geschehen bei Indigo.

Groß waren auch die Mängel bei den beiden getesteten Imagekursen: Bei der Schule Anne Weber gingen die Inhalte kaum über Plattitüden wie „Eine Dame trägt echten Schmuck“ oder „Eine Handtasche gehört zum privaten Outfit“ hinaus. Auch der Anbieter Typ und Image hat grundlegende Themen wie Stil und Etikette, Körpersprache und rhetorische Grundlagen weitgehend ausgespart (siehe Beratungsinhalte).

Auch Mode und Stil wurden bei den übrigen Kursen nur lückenhaft behandelt. Die Stilkunde beschränkte sich weitgehend auf die Einteilung in statische Stiltypen wie zum Beispiel den romantischen, sportlichen, klassischen oder extravaganten Typ. DS Colors und die Handwerkskammer Magdeburg ließen den Themenblock Stil entgegen ihrer Seminartitel „Ganzheitliche Farb Typ Stilberatung“ und „Farb- und Stilberatung“ sogar komplett ausfallen.

Die vertretenen Farbkonzepte wurden zwar schlüssig dargestellt, ein Gefühl für Farben, Farbtöne und Farbtypen aber kaum entwickelt. Viele Anbieter vertreten nicht mehr die klassische Vier-Jahreszeiten-Typologie, sondern haben differenziertere Sechser-, Neuner- oder Zwölfer-Farbkonzepte mit Mischtypen und Tendenzen entwickelt. Gerade dafür bedarf es aber einiger Übung und Anwendung.

Auch die wichtige Trennung von Analyse und Beratung wurde vernachlässigt. Idealerweise sollte zuerst der Hautton, die Augenfarbe und die natürliche Haarfarbe erfasst werden. Erst dann sollte es darum gehen, wie der Kunde seinen Farbtyp mit seinen Lieblingsfarben vereinbaren und beruflich wie privat optimal umsetzen kann. Dasselbe gilt für den Stiltyp, der nie statisch ist, sondern je nach Anlass variieren kann.

Die manchmal heikle Kommunikation mit dem Kunden, die besonders bei Schwachstellen viel Feingefühl verlangt, wurde nur bei wenigen Anbietern wie ImagoBerlin oder Typ und Image unter dem Motto „Wie sag ich es meinem Kunden“ thematisert. In diesem Zusammenhang ist es auch wichtig für den Berater, seine Grenzen zu kennen. Bei starken beruflichen wie privaten Problemen sollte der Kunde an einen Coach oder Therapeuten verwiesen werden. Die Farb-, Stil- und Imageberatung hört dort auf, wo es um innere Prozesse geht.

Zertifikate ohne Prüfung

Farb-, Stil- oder Imageberater kann jeder werden. Der Beruf ist nicht rechtlich geschützt, die Ausbildung nicht geregelt. Das machten sich vier von acht Anbietern zunutze und stellten ohne schriftliche oder mündliche Prüfung Zertifikate aus (Schule Anne Weber, Indigo, Typ und Image, Handwerkskammer Magdeburg), so dass die Teilnehmer keinerlei Leistungseinschätzung hatten.

DS Colors verleiht sogar ein „Diplom“, was eigentlich akademischen Ausbildungen vorbehalten ist. Immerhin musste dafür eine schriftliche Prüfung bestanden werden, die sonst nur noch bei der Typ Akademie und der Gesellschaft für Farb und Stil Beratung verlangt wurde.

Ob die Absolventen dieser Kurzkurse ihren künftigen Kunden tatsächlich eine kompetente Beratung bieten können, die über schematische Einteilungen in Farb- und Stiltypen und über überkommene Ratschläge wie „Handtasche in den Aktenkoffer“ hinausgeht, ist eher fraglich. Unsere Testpersonen jedenfalls hätten sich nach ihrer „Ausbildung“ nicht zugetraut, selbstständig einen individuellen Stil mit ihren (künftigen) Kunden zu entwickeln.

Vor einem Crashkurs ohne Praxisphasen kann die Stiftung Warentest also nur warnen. Die einzelnen Themenblöcke Farbe, Stil und Image sollten jeweils mindestens drei Tage dauern. Sonst können weder die theoretischen Grundlagen noch der Ablauf von Analyse und Beratung ausreichend vermittelt werden. Im Idealfall sollte sich eine betreute Praxiszeit an den Kurs anschließen, in der die Teilnehmer die individuelle Kundenberatung üben können.

Dass eine seriöse Qualifizierung möglich ist, zeigt ImagoBerlin – der einzige Anbieter, der keinen Crashkurs, sondern eine Kombination aus Theorie und Praxis über drei Monate anbietet.

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