Ausbildung der Ausbilder Test

Auszubildende benötigen auch im Betrieb Ansprechpartner, die ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Ausbilder, die in Betrieben Azubis mit Rat und Tat zur Seite stehen sollen, müssen bald wieder mit einer Prüfung ihre Eignung für diese Tätigkeit nachweisen. Denn die nun fünf Jahre währende Aussetzung der Ausbilder-Eignungsverordnung brachte nicht die erwünschten Effekte. test.de hat Kurse und Fernlehrgänge zur Ausbildung der Ausbilder unter die Lupe genommen.

Für Schulabgänger war 2007 kein schlechtes Jahr. Rund 625 000 Azubis konnten ihre Unterschrift unter einen Ausbildungsvertrag setzen – so viel wie seit acht Jahren nicht mehr. Die steigende Zahl an Ausbildungsplätzen ist auch das Resultat des Ausbildungspaktes zwischen Bundesregierung und Wirtschaft. Er bündelt Förderungen, Qualifizierungen und Maßnahmen, die helfen sollen, Ausbildungswilligen eine Stelle als Azubi bereit zu stellen.

Eine dieser Maßnahmen, die Aussetzung der Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO), wird allerdings nicht mehr Bestandteil des Ausbildungspaktes sein. Denn der nun fünf Jahre währende Versuch, betriebliche Ausbilder von der Pflicht zu entbinden, ihre fachliche und persönliche Eignung für diese Tätigkeit nachzuweisen, brachte nicht die erhofften Effekte. Ursprünglich sollte er zur Entbürokratisierung der Ausbildung beitragen und so mehr Betriebe animieren, Azubis einzustellen. Doch die angepeilten 20 000 zusätzlichen Ausbildungsstellen wurden nicht geschaffen. Zudem gibt es laut einer Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (Bibb) Anzeichen dafür, dass sich die Aussetzung der AEVO negativ auf die Qualität der Ausbildungen ausgewirkt hat. So gibt es mehr Ausbildungsabbrecher in Betrieben, die auf qualifiziertes Ausbildungspersonal verzichten, als in Unternehmen, die über solches Personal verfügen.

Verordnung tritt wieder in Kraft

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Ausbilder müssen ab August 2009 wieder ihre fachliche und persönliche Eignung per Prüfung ablegen.

Die Folge: Die AEVO soll zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres am 1. August 2009 in modifizierter Form wieder in Kraft treten, wie Katrin Hagedorn, Sprecherin des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), gegenüber test.de bestätigte. Ursprünglich war die Aussetzung zum 31. Juli 2008 befristet. Es wird nun ergänzend geregelt, dass diese Aussetzung auch für die Ausbildungsverhältnisse gilt, die nach dem 31. Juli geschlossen werden, aber vor dem August 2009 beginnen. Selbstverständlich werde sichergestellt, dass alle Qualifizierungszeugnisse, die nach der jetzigen AEVO erbracht wurden oder jetzt noch abgelegt werden, auch in Zukunft weiterhin gültig bleiben, sagte Hagedorn.

Sicher ist damit, dass ab August 2009 wieder alle Betriebe und Verwaltungen, die in den rund 350 anerkannten Ausbildungsberufen Azubis einstellen wollen, über betriebliche Ausbilder mit Eignungsprüfung verfügen müssen. Diese Prüfung wird überwiegend von den Industrie- und Handelskammern (IHKs) abgenommen. Sie soll die fachliche und persönliche Eignung der Ausbilder sicherstellen.

Hoher Stellenwert der Prüfungen

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Trotz der zwischenzeitlichen Aussetzung der AEVO legen laut Bibb jährlich rund 44 000 Ausbilder in spe die Prüfung ab. Die Ausbilder-Eignungsprüfung besitzt also auch ohne Verbindlichkeit einen hohen Stellenwert – sowohl in den Betrieben als auch bei den Ausbildern selbst, etwa zur Förderung der Karriere. Grund genug, sich auf dem Markt der Ada-Angebote umzusehen, die Qualität zu prüfen und zu bewerten (siehe „So sind wir vorgegangen“). Dafür haben wir zunächst Weiterbildungsanbieter hinsichtlich der inhaltlichen Konzeption, des Aufbaus, der Dauer und des Preises ihrer Lehrgänge befragt und die Daten von 123 Weiterbildungsanbietern ausgewertet. Damit konnten wir den Ada-Markt zu etwa 80 Prozent erfassen.

Außerdem haben wir exemplarisch vier Lehrgänge unter die Lupe genommen, die jeweils einmal von einem Tester besucht und anschließend auf ihre inhaltliche, didaktische und organisatorische Gestaltung hin analysiert wurden. Ada-Seminare werden größtenteils von den IHKs sowie Handwerkskammern (HWKs) angeboten. Da sie immer regional begrenzte Angebote sind, haben wir zusätzlich sämtliche Fernlehrangebote zum Thema – insgesamt zwölf – untersucht und test-Qualitätsurteile zwischen „gut“ und „mangelhaft“ vergeben (siehe Text und Tabelle zu Fernlehrangeboten). Sie sind für Weiterbildungs-Interessierte bundesweit verfügbar und machen sie – abgesehen von den Präsenzphasen – unabhängig von festen Zeiten und Orten.

Rolle der Ausbilder aufgewertet

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Mit der Wiedereinsetzung der AEVO wird die Rolle der betrieblichen Ausbilder, im dualen System der Berufsausbildung das Pendant zum Berufsschullehrer, wieder aufgewertet. Und wie wichtig wiederum das duale Berufsausbildungssystem für den Arbeitsmarkt ist, zeigt allein die Tatsache, dass 60 Prozent aller Jugendlichen in diesem System ausgebildet werden.

Die Voraussetzungen für eine Teilnahme an einem Ada-Kurs orientieren sich am Berufsbildungsgesetz (BBiG), das von den Ausbildern berufliche sowie berufs- und arbeitspädagogische Kenntnisse und Fertigkeiten verlangt. Das Ticket zur Prüfungszulassung ist vor allem Berufspraxis und eine abgeschlossene Berufsausbildung beziehungsweise ein Gesellenbrief in handwerklichen Betrieben. Da ein Ada-Lehrgang obligatorischer Teil eines Meisterbriefes ist, ergibt das auch Sinn.

Hinzu kommt, dass Ada-Lehrgänge auch auf bestimmte Zielgruppen zugeschnitten sein können. So gibt es zum Beispiel Seminare für Immobilien-, Bank- und Versicherungsfachwirte oder für Metall- und Elektrofachwirte. Die Handwerkskammer Münster bietet sogar Ada-Kurse an, die eigens für Soldaten oder Frauen (Fachwirtinnen für kaufmännische Betriebsführung im Handwerk) entwickelt worden sind.

Ada-Lehrgänge in Industrie und Handel sowie im Handwerk dominieren den Markt. Im Jahr 2005 wurden 94 Prozent aller bestandenen Ausbilder-Eignungsprüfungen in diesen beiden Bereichen abgelegt. Die übrigen Prozente teilten sich der Öffentliche Dienst, die Landwirtschaft und die Städtische Hauswirtschaft.

Den inhaltlichen Rahmen der Seminare diktiert der „Rahmenstoffplan für die Ausbildung der Ausbilder“. Dieser Plan gibt den Dozenten einen detaillierten Überblick über Inhalte und Aufbau eines Ada-Lehrgangs. Er legt sieben Handlungsfelder fest, die von der Einstellung der Azubis und der Planung der Ausbildung über die Unterweisung am Arbeitsplatz selbst bis zum Abschluss der Ausbildung reicht.

Trotz der Kritik einiger Seminaranbieter, dass der Rahmenstoffplan sehr theoretisch angelegt sei und zum Teil an den Bedürfnissen der Teilnehmer vorbeigehe, verschafft die weitgehende Orientierung an diesem Plan potenziellen Teilnehmern Vergleichsmöglichkeiten bei der Wahl eines Kurses. Dass die didaktische Gestaltung der Seminare in der Regel eher traditionell und von einem frontalem Unterrichtsstil geprägt ist, ist dem Plan allerdings nicht anzulasten: Obwohl er methodische Empfehlungen für einzelne Handlungsfelder gibt, bleibt es doch Aufgabe des Dozenten, den Unterrichtsstoff in einer optimalen Form zu vermitteln. Das ist gerade deshalb wichtig, weil Ada-Lehrgänge in der Regel viele Teilnehmer haben. Im Schnitt saßen jeweils 18 Personen in den Kursen – solch eine große Gruppe muss ein Dozent erst einmal dauerhaft bei Laune halten.

Die deutlichsten Unterschiede zum Rahmenstoffplan zeigten sich in den vielen Prüfungssimulationen und Probeklausuren in den Seminaren. Bei der IHK Dortmund machten diese vorbereitenden Tests große Teile des Lehrgangs aus. Das ist nur konsequent: Die Mehrheit der Teilnehmer absolviert ein Ada-Seminar als Vorbereitung auf die anschließende Eignungsprüfung – und will die Prüfung dann natürlich auch bestehen.

Form und Dauer der Kurse variieren

Rund zwei Drittel der Anbieter im Test offerieren Ada-Seminare in unterschiedlichen zeitlichen Formaten, am häufigsten Blockseminare in Vollzeit und Teilzeit-Seminare. Im Durchschnitt dauern sie 12 Tage beziehungsweise 22 Abende. Die Zahl der Unterrichtseinheiten schwankt stark zwischen 30 und 130 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten. Der Ada-Rahmenstoffplan geht von 120 Unterrichtseinheiten aus.

Inwieweit der Stoffplan umgesetzt wird, hängt somit auch von der Dauer der Ada-Seminare ab. So boten im Untersuchungszeitraum die IHK Aschaffenburg und die IHK Erfurt einen verkürzten Ada-Lehrgang an, in dem Teile des Unterrichts in Selbstlernphasen ausgegliedert wurden. Ein weiterer Grund für die Kürzung von Unterrichtseinheiten könnte auch die Tatsache sein, dass Teile des Plans für bestimmte Zielgruppen keine große Bedeutung haben. Das Handlungsfeld „Gruppen anleiten“ ist zum Beispiel für Ausbilder in kleinen Unternehmen und mittelständischen handwerklichen Betrieben weniger von Belang als für Ausbilder in großen Betrieben mit vielen Azubis.

Kurswahl auch eine Frage des Preises

Angesichts der unterschiedlichen Kursformate ist die relativ große Preisspanne zwischen den Ada-Lehrgängen nicht überraschend: Sie liegt etwa zwischen 130 und 790 Euro; im Durchschnitt kostet ein Ada-Lehrgang rund 460 Euro. Bei jedem zweiten Kurs im Test kamen noch Kosten für Unterrichtsmaterialien hinzu – was die Teilnehmer in der Regel zusätzlich um die 40 Euro kostete. Die Prüfgebühren belaufen sich in der Regel zwischen 100 und 200 Euro.

Unter dem Strich haben Interessenten für einen Ada-Lehrgang also ein breites Spektrum an Kursen zur Auswahl, deren zeitliche Struktur, Preise und fachliche Ausrichtung sich teilweise stark unterscheiden. Andererseits orientieren sich die Kurse inhaltlich an den Vorgaben des Ada-Rahmenstoffplans und sind damit gut miteinander zu vergleichen. Insofern dürfte die Mehrheit der angehenden Ausbilder keine Probleme haben, einen Ada-Lehrgang zu finden, der ihren Bedürfnissen entspricht. Nicht zuletzt zum Wohle der Azubis.

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