Ada-Fernlehrgänge: Zwei Lehrgänge „mangelhaft“

Ausbildung der Ausbilder Test

Fernunterricht stellt nicht nur an Lernende hohe Anforderungen, sondern auch an Lehrgangsanbieter. Von den zwölf auf dem Markt befindlichen Kursen zur Ausbildung der Ausbilder werden gleich zwei diesen Maßstäben nicht gerecht.

Fernlernen – das bedeutet auch Büffeln wider den inneren Schweinehund. Bei dieser Lehrform, die von Zeit und Ort unabhängiges Lernen verspricht, brauchen Lernende viel Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen, um ans Ziel, sprich den erfolgreichen Abschluss eines Lehrgangs zu kommen. Deshalb sind bei dieser Lernform die Unterstützungs- und Austauschmöglichkeiten so wichtig. Sie halten die Lernenden bei der Stange, wenn es mal nicht so gut läuft: etwa mit tutorieller Betreuung, Chats, Internetforen, Lernplattformen, ergänzenden Unterstützungsmaterialien oder Präsenzphasen.

Theoretisch ist das alles bekannt, in der Praxis aber halten sich nicht alle Fernlehranbieter daran – zum Leidwesen vieler Lerner. Diese Erkenntnis ist eines der zentralen Ergebnisse unserer Untersuchung zu Ada-Fernlehrgängen. Wir haben alle zwölf Lehrgänge getestet, die derzeit auf dem Weiterbildungsmarkt präsent sind (siehe Tabelle). Unter anderem ließen wir dafür die Lehrbriefe der Anbieter durch unabhängige Experten prüfen und nahmen jedes Angebot durch einen verdeckten Tester in Anspruch (siehe „So sind wir vorgegangen“).

Ergebnis: Zwei Kurse wurden den Maßstäben nicht gerecht und absolvierten die Untersuchung mit „mangelhaft“. Darüber hinaus gilt: Die Inhalte der Ada-Fernlehrgänge sind vergleichbar, da sie sich in hohem Maße am Rahmenstoffplan für die Ausbildung der Ausbilder orientieren, doch die Unterschiede bezüglich der Dauer, des Preises und der Anzahl der Präsenztage sind zum Teil erheblich. Ähnliches zeigte sich auch bei unserer Erhebung zu den Ada-Präsenzlehrgängen.

Betreuung ließ oft zu wünschen übrig

Prägender als diese Unterschiede sind allerdings die Mängel der Fernlehrinstitute bei der Betreuung ihrer Kunden. Fernlerner sind zum Beispiel darauf angewiesen, bei Problemen schnell und leicht einen Ansprechpartner im Lehrinstitut zu erreichen. Ist das nicht der Fall, muss der Teilnehmer das Lernen womöglich unterbrechen, bis ein Kontakt zustande kommt. Jeder Fernlerner sollte möglichst sogar einen festen Ansprechpartner zugeteilt bekommen, der seine Wünsche und Eigenarten kennt und sich darauf eingestellt hat.

Unsere Tester kamen jedoch häufig nicht in den Genuss einer zufrieden stellenden Betreuung: Feste Ansprechpartner waren Mangelware, und das Warten auf einen Rückruf war an der Tagesordnung. In einem Fall führte die Servicenummer eines Anbieters direkt in die Leitungen eines Call Centers, das mit der Frage des Weiterbildungs-Teilnehmers nichts anfangen konnte. Unter dem Strich kam auch wegen dieses Serviceverhaltens ein Drittel der Anbieter im Test bei der Bewertung der Lehrgangsorganisation nicht über „ausreichend“ hinaus oder wurde sogar noch schlechter bewertet.

Präsenzphasen von der ZFU vorgeschrieben

Eine der wichtigsten Austauschmöglichkeiten im Fernunterricht sind die Präsenzphasen. Die physische Anwesenheit des Dozenten und der anderen Kursteilnehmer ist eine der wenigen Möglichkeiten, wichtige Fragen an den Lehrenden loszuwerden oder sich mit anderen Kursteilnehmern auszutauschen.

Für Ada-Fernlehrgänge schreibt die Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) eine Präsenzphase vor. Das dürfte zum Beispiel damit zusammenhängen, dass beim Fernunterricht gerade praktische Inhalte schwer zu vermitteln sind. Bei Ada-Fernlehrgängen betrifft das zum Beispiel die Vorbereitung auf die „Unterweisungsprobe“, die Bestandteil des mündlichen Teils der Ausbilder-Eignungsprüfung sein kann.

Die angehenden Ausbilder müssen dann in 15 bis 20 Minuten anhand eines Beispiels demonstrieren, wie sie Azubis in konkrete Arbeitsabläufe einweisen, zum Beispiel einen Azubi in einer kaufmännischen Ausbildung in die Praxis der Wareneingangskontrolle.

Doch trotz der Bedeutung der Präsenzphasen bei der Vermittlung praktischer Inhalte haben nicht alle Ada-Fernunterrichtslehrgänge solche Phasen tatsächlich veranstaltet. Das Institut Lernen & Mehr zum Beispiel hatte zwar eine viertägige Präsenzphase angekündigt, die dann aber nicht stattfand.

Die Fernakademie für Erwachsenenbildung hatte eine Präsenzphase als kostenpflichtiges Zusatzangebot im Programm. Die Akademie informierte die Lehrgangsteilnehmer allerdings nicht darüber, dass eine Präsenzphase zur Vorbereitung auf die Ausbilder-Eignungsprüfung gehört. Deshalb mussten wir die Angebote mit der Note „mangelhaft“ bewerten.

Testsieger glänzt mit Lehrbriefen

Das Institut für Lernsysteme (ILS) informierte seine Teilnehmer vor dem Kurs darüber, dass die Präsenzphase für diejenigen verbindlich ist, die später die Eignungsprüfung ablegen wollen. Bei den anderen Anbietern fanden die vorgeschriebenen Präsenzphasen statt, jedoch in stark unterschiedlicher Länge und Dauer. Die Spanne lag zwischen einem und sieben Präsenztagen.

Wer auf eine ausführliche Präsenzphase Wert legt, sollte sich also vor Buchung des Lehrgangs über die Dauer und das Thema der Lehrgangsabschnitte informieren. Zudem sollten Weiterbildungs-Interessierte auf die zeitliche Staffelung der anstehenden Präsenzphasen achten. So terminierte das Bildungswerk Sachsen-Anhalt mehrere Präsenztage an direkt aufeinander folgenden Wochenenden. Das ist zwar für Fernlerner, die ihren Lehrgang so schnell wie möglich abschließen möchten, durchaus attraktiv, kann aber auch gerade für diejenigen Teilnehmer, die berufsbegleitend büffeln, eine hohe Belastung bedeuten.

Der Testsieger, das IHK-Bildungshaus Schwaben, sieht mit zwei voneinander getrennten Kurstagen eine vergleichsweise kurze Präsenzphase vor. Ihre Meriten als Sieger verdienten sich die Süddeutschen unter anderem mit der vorzüglichen Qualität ihrer Lehrmaterialien. Das Bildungshaus Schwaben war deshalb der einzige Anbieter im Test, der für die fachliche Qualität seines Lehrgangs die Note „sehr gut“ einheimste.

Doppelungen bei Klett-Lehrmaterialien

Tonangebend auf dem Markt für Lehrmaterialien ist ansonsten der Stuttgarter Klett Verlag: Außer dem Testsieger und der HWK Aachen, der Akademie der Wirtschaft der IHK Nordrhein-Westfalen, dem Fernlehrinstitut Dr. Robert Eckert und dem Institut Lernen & Mehr verwendeten alle Ada-Lehrgangsanbieter Klett-Unterlagen. Dieses Lehrmaterial konnten wir durchweg positiv bewerten. Ein Schwachpunkt war die lückenhafte Vernetzung der einzelnen Lehrbriefe untereinander, weshalb sie zum Teil überflüssige inhaltliche Doppelungen aufwiesen.

Brauchbare oder gute Lehrmaterialien sind aber nicht selbstverständlich. So schnitt das Fernlehrinstitut Dr. Robert Eckert mit „mangelhaft“ ab, da es seine Kursteilnehmer mit völlig veraltetem Lehrmaterial ausstattete. Es passte das Material zum Beispiel nicht dem Ada-Rahmenstoffplan an, der 1999 in einer neuen Version erschien, sondern tauschte offenbar nur die Deckblätter aus. Einige Inhalte, zum Beispiel zu gesetzlichen Regelungen, waren deshalb nicht mehr aktuell. Zudem waren viele Punkte nicht mehr zeitgemäß, zum Beispiel die Forderung an die Ausbilder, den Azubi mit einer Schreibmaschine vertraut zu machen.

Unter dem Stichwort „Fachliche Qualität“ prüften wir neben den Lehrmaterialien auch, ob die Anbieter Vorkenntnisse und Einstiegsvoraussetzungen der späteren Teilnehmer erfassten. In einem Fall prüfte ein Anbieter die Einstiegsvoraussetzungen seiner Kursteilnehmer nicht, was ein Physiotherapeut im Kurs zu spüren bekam: Erst am dritten Präsenztag wurde ihm mitgeteilt, dass er als Absolvent einer schulischen Ausbildung einen Ada-Schein gar nicht benötigt.

Zwischen 335 und 985 Euro für Fernlehrangebote

Interessierte sollten neben der Länge der Präsenzphasen und der Qualität der Lehrmaterialien auch auf die preislichen Differenzen achten: Die zwölf Fernlehrgänge im Test kosteten zwischen 335 und 985 Euro. Das IHK-Bildungshaus Schwaben liegt als Testsieger mit einer Lehrgangsgebühr von 490 Euro preislich im Mittelfeld. Was die Kosten angeht, gibt es bei den Ada-Fernlehrgängen also erheblichen Gestaltungsspielraum – zumal sie im Unterschied zu den Ada-Präsenzseminaren bundesweit gültig und somit für jedermann zugänglich sind.

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