Auszubildende lernen nicht nur einen neuen Beruf. Sie müssen sich auch damit beschäftigen, was in Sachen ­Finanzen und Vorsorge zum Erwachsensein gehört.

Diesen Herbst werden wieder eine halbe Million Jugendliche eine Ausbildung beginnen. Viele verdienen dann zum ersten Mal ihr eigenes Geld.

Sie sind dann unabhängiger, tragen aber auch eine größere Verantwortung. Nun müssen sie zum Beispiel selbst eine Krankenkasse wählen oder sich gegen den Chef wehren, wenn er sie als Putzhilfe missbrauchen will, statt sie ordentlich auszubilden.

Steffen Tron ist seit einem Jahr dabei. Er macht eine Ausbildung zum Mediengestalter Bild/Ton bei der Firma „Pictorion Das Werk“ in Frankfurt am Main. „Wir machen hier hauptsächlich Werbefilme“, erklärt er. „Also den Schnitt, digitale Nachbearbeitung und Effektbau.“ Der 24 -Jährige hat sich nach dem Zivildienst und einem einjährigen Praktikum bei Pictorion zu der zweieinhalbjährigen Ausbildung entschlossen.

Viele Gedanken über die richtige Krankenkasse hat er sich aber zum Beispiel nicht gemacht. Er ist einfach in der DAK geblieben, weil er in dieser Kasse vorher auch schon über seine Mutter versichert war.

Günstige Versicherung suchen

Für seine Finanzen ist die DAK nicht so günstig. Ihr Beitragssatz ist mit 14,7 Prozent vergleichsweise hoch. Hätte er zum Beispiel die BKK Anker-Lynen-Prym gewählt, gingen nur 12,6 Prozent von seinem Bruttogehalt ab.

Bei einem Bruttogehalt von 800 Euro würden sowohl der Auszubildende als auch sein Arbeitgeber durch den Wechsel zur BKK Anker-Lynen-Prym über 100 Euro im Jahr sparen.

Die Krankenversicherung ist gesetzliche Pflicht. Fast genauso wichtig ist der Schutz gegen Berufsunfähigkeit. Doch jeder kann selbst entscheiden, ob er auch für diesen Fall vorsorgt.

Viele Auszubildende tun dies nicht, auch Steffen nicht. Denn die Verträge sind teuer. Um die 500 Euro im Jahr müsste er für einen Vertrag mit einer Laufzeit bis zum Rentenalter und einer monatlichen Rente von 1 000 Euro mindestens investieren. Sie wären sinnvoll angelegt. Denn Auszubildende, die berufsunfähig werden, bekommen nur wenig Hilfe vom Staat.

Die meisten Versicherer bieten Auszubildenden zunächst nur einen eingeschränkten Schutz. Das nennt sich dann Berufsunfähigkeitsschutz mit Erwerbsunfähigkeitsklausel: Auszubildende, die zu Beginn ihrer Ausbildung berufsunfähig werden, bekommen nur dann eine Rente, wenn sie wirklich auch keinen anderen Beruf ausüben können.

Zum Ende der Ausbildung bekommen sie aber den vollen Berufsunfähigkeitsschutz. Wenn Steffen zum Beispiel nicht mehr als Mediengestalter arbeiten könnte, weil sich seine Sehkraft stark verschlechtert hätte, bekäme er die Berufsunfähigkeitsrente. Er müsste dann keinen anderen Job annehmen, bei dem die Sehkraft nicht so wichtig ist.

Neben der Berufsunfähigkeitsversiche­rung braucht jeder Auszubildende auf jeden Fall eine Privathaftpflichtversicherung. Die meisten sind allerdings noch über ihre Eltern versichert – sofern diese einen Vertrag haben.

Erst wenn diese so genannten existenziellen Risiken abgesichert sind, sollten sie überlegen, wie viel Geld noch übrig bleibt, um auf ein Auto oder einen teuren Urlaub zu sparen.

Sparen für später

Beim Sparen für später hilft oft der ­Arbeitgeber, indem er zusätzlich zum Gehalt vermögenswirksame Leistungen zahlt (siehe Tabelle „Mit staatlicher Hilfe zum Vermögen“). Steffen hat allerdings Pech. Er bekommt dieses Geld von seiner Firma nicht. „Ich habe mich da aber auch nie wirklich drum gekümmert“, sagt er entschuldigend.

André Jedamski, zuständig für die Finanzen bei Pictorion Frankfurt, erklärt: „Wir regeln das individuell. Manche bekommen welche, manche nicht. Grundsätzlich sind wir natürlich offen für Verhandlungen.“

Immerhin hat die Sparkasse Groß Gerau, bei der Steffen sein Girokonto hat, ihn kürzlich darauf hingewiesen, dass er als Auszubildender ein kostenloses Konto bekommen kann.

Konten für junge Leute sind bei fast allen Banken kostenlos. Wer über 18 ist, muss aber nachweisen, dass er Schüler, Student oder eben Auszubildender ist. In der Regel gibt es die kostenlosen Konten bis zum Alter von 27 Jahren, bei manchen Banken sogar bis 30.

Rechte und Pflichten im Job

Neu für die Berufsanfänger ist auch der Arbeitsalltag selbst. Was darf der Chef alles verlangen? Muss der Azubi Überstunden machen? Kann er fristlos gekündigt werden? Welche Pflichten hat er und welche Rechte?

Den meisten Azubis hilft ein Ausbilder, den Beruf zu lernen. Dieser muss fachlich geeignet sein. Bei Handwerksberufen genügt dazu beispielsweise die Meisterprüfung. Der Azubi muss seine Weisungen befolgen, wenn sie der Ausbildung dienen.

Er muss dem Ausbilder aber nicht das Essen holen oder andere private Aufträge erledigen. Er muss auch nicht einspringen, wenn eine Putzfrau oder ein Lagerarbeiter ausfällt. Bei solchen Anweisungen darf sich der Azubi weigern.

Besondere Regeln gelten für die Arbeitszeit von Auszubildenden. Akkordarbeit und Fließbandarbeit mit vorgeschriebenem Arbeitstempo sind für Azubis unter 18 Jahren tabu. Nachtarbeit ist den 16- bis 18-Jährigen nur in besonderen Branchen erlaubt, etwa im Hotel- und Gaststättengewerbe.

Den 24-jährigen Steffen betrifft das nicht. Seine Arbeitszeiten sind flexibel, was ihm auch gefällt. „Normalerweise arbeite ich von 9 bis 18 Uhr. Aber wenn nötig, bin ich auch 12 oder 13 Stunden im Büro. Dafür kann ich am nächsten Tag dann später anfangen.“ Das ist in Ordnung so, denn Überstunden von Azubis soll der Chef bezahlen oder mit Freizeit ausgleichen.

Steffen geht auch in die Berufsschule. „Ich bin immer etwa vier Wochen in der Agentur und habe dann zwei Wochen Blockunterricht.“ Die Arbeitgeber müssen ihre Auszubildenden für die Unterrichtszeit freistellen.

Die Probezeit von drei Monaten war für Steffen kein Problem. Er hatte ja bereits ein erfolgreiches Praktikum bei Pictorion hinter sich. In der Probezeit, die zwischen einem Monat und höchstens drei Monaten dauern darf, können Chef und Azubi jederzeit ohne Begründung und ohne Frist kündigen.

Nach Ablauf der Probezeit genießt der Azubi einen stärkeren Kündigungsschutz als andere Arbeitnehmer. Nur wenn er dem Chef einen wichtigen Grund liefert, kann dieser ihm innerhalb von einer Woche nach Bekanntwerden der Gründe fristlos kündigen. So geschah es beispielsweise einem angehenden Industriemechaniker, der einen türkischen Azubi-Kollegen mit rassistischen Sprüchen traktierte.

Am Ende der Ausbildung haben die Berufsanfänger einen Anspruch auf ein Zeugnis. Darin müssen Art, Dauer und Ziel der Berufsausbildung sowie die erworbenen Fertigkeiten und Kenntnisse stehen. Außerdem können sie vom Ausbilder ein „qualifiziertes Zeugnis“ mit Angaben über Führung, Leistung und besondere Fähigkeiten verlangen.

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