Aus- und Fortbildungskosten Meldung

Wer sich weiterbildet, muss gut aufpassen – auch bei der Steuer. Während Finanzbeamte knausern, liefern Gerichte viele neue Argumente, die Kosten steuerlich anzuerkennen.

In Sachen Bildung sind Finanzbeamte penibel: Es gibt Fortbildung und es gibt Ausbildung. Das eine erhält den Steuersegen, das andere nicht. Da wird sauber getrennt. Erwirbt der Steuerzahler Kenntnisse, die ihm in seinem jetzigen Beruf nützen, darf er die Kosten absetzen. Ist der Kurs für den Job aber nicht so wichtig, gilt er als bloße Ausbildung.

Und ob etwas wichtig ist, entscheiden die Finanzbeamten. Studium, Auslandssprachkurs, Umschulung von Arbeitslosen – alles Privatsache der Steuerzahler. Solche Ausbildungskosten werden nur bis 920 Euro jährlich anerkannt, bei auswärtiger Unterkunft bis 1 227 Euro. Jeder weitere Cent interessiert nicht.

Damit ist nun Schluss. Während die Finanzämter die Begriffe Fortbildung und Ausbildung eng auslegen, haben die Finanzgerichte in zahlreichen Urteilen Bewegung in die rigide Praxis gebracht. Es lohnt sich, mit den neuen Urteilen zu argumentieren: Schon eine geschickte Begründung kann über das steuerliche Wohl oder Wehe entscheiden.

Dabei kommt es darauf an, den Zusammenhang zwischen dem Kurs und dem Beruf deutlich zu machen. Dann bleibt wenig Spielraum, die Anerkennung zu verweigern. Wer zusätzlich eine Bescheinigung vom Arbeitgeber vorlegen kann, liefert handfeste Argumente.

Sprachkurs im Ausland

Aus- und Fortbildungskosten Meldung

Zum Beispiel Sprachkurs: Da besuchte eine Exportkauffrau ein Englischseminar, mit dem sie sich besser für ihren Beruf qualifizierte – eigentlich ein klarer Fall von Fortbildung. Doch gerade bei Sprachkursen prüfen die Ämter genau, ob sie für den Beruf erforderlich sind. Findet der Kurs auch noch an beliebten Urlaubsorten im Ausland statt, setzen die staatlichen Kassenhüter den Rotstift an.

Anders die Finanzgerichte: Die Brandenburger Richter konnten keinen Ausschlussgrund darin sehen, dass ein Lehrgang im britischen Seebad Brighton gewesen war. Nicht die noble Adresse sei entscheidend, sondern dass ein ähnlicher Sprachkurs in Deutschland auch anerkannt worden wäre.

Studium

Ähnlich sieht es bei einem Studium aus. Ein Erststudium zählte bisher zu den klassischen Ausbildungskosten, die nur begrenzt als Sonderausgaben abzugsfähig waren. Doch auch hier entscheiden die Gerichte zunehmend für Studenten, auch wenn sie bereits eine Berufsausbildung haben. So bewertete das Niedersächsische Finanzgericht das Erststudium einer Bankkauffrau zur Betriebswirtin als Fortbildung (BFH, Az. VI R 106/01).

Auch wer mit einem Aufbaustudium seine Karrierechancen verbessert, hat jetzt bessere Karten. Die Kosten können selbst dann als Fortbildung gelten, wenn der Student zuvor eine Ausbildung abgeschlossen, den Beruf aber gar nicht ausgeübt hat. Das Studium muss aber einen Bezug zum späteren Job haben.

So stritt sich eine Kölner Rechtsreferendarin mit dem Finanzamt, weil sie nach dem ersten juristischen Staatsexamen ein Auslandsstudium zum Master of Law absolvierte. Das Amt sah darin ein Privatvergnügen, das Finanzgericht eine Fortbildung. Gerade in Sachen Studium liegen zahlreiche Fälle zur Entscheidung beim Bundesfinanzhof.

Tipp: Betroffene können mit Hinweis auf das jeweilige Aktenzeichen gegen den Steuerbescheid Einspruch einlegen. Entscheidet der BFH später positiv, wird der Bescheid zu ihren Gunsten geändert.

In die Zwickmühle geraten Berufstätige, die sich in einem Job weitergebildet haben, in dem sie noch gar nicht arbeiten. Wer sich für einen nicht ausgeübten Beruf aus- oder fortbildet, kann maximal 920 Euro, bei auswärtiger Unterkunft 1 227 Euro absetzen. Das gilt für Schulzeiten, meist auch fürs Erststudium und für Promotionen. Auch wer bereits eine qualifizierte Berufsausbildung hat, mehrere Jahre im Job war und einen Berufswechsel plant, kann meist nur Ausbildungskosten bis zu dieser Grenze absetzen. Das gilt zum Beispiel, wenn sich eine Verkäuferin zur Bürokauffrau oder ein Kellner zum Programmierer ausbildet.

Ähnlich geht es Eltern, die wegen ihrer Kinder eine Berufspause einlegten: Machten sie eine Weiterbildung, um ins Arbeitsleben zurückzukehren, wurden die Kosten nicht anerkannt, wenn ein Jobwechsel damit verbunden war. Doch jetzt kommt es in solchen Fällen auf einen Versuch an. Angesichts der schlechten Arbeitsmarktlage helfen viele Richter Arbeitnehmern aus der Patsche, die beruflich umsatteln. So lehnte das Düsseldorfer Finanzamt ab, als eine Buchhalterin, die auf Heilpraktikerin umgeschult hatte, ihre Fortbildungskosten geltend machte. Das Finanzgericht hingegen gab ihr Recht. Nun bleibt abzuwarten, ob sich der Bundesfinanzhof dem anschließt.

Die Aussichten dafür stehen nicht schlecht. So entschied der BFH für einen Gesellen, der nach der Lehre kurz als Verkäufer gejobbt und erst danach seinen Meister gemacht hatte. Das Finanzamt sah im Meisterkurs keine im ausgeübten Beruf nötigen Kenntnisse. Doch der BFH erkannte die Kosten an (Az. VI R 75/95).

Auch Arbeitslose können Fortbildungen, die der Stellensuche dienen, absetzen, und zwar als vorab entstandene Werbungskosten oder Betriebsausgaben. Ob Kursinhalt und späterer Beruf identisch sind, spielt keine Rolle.

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