Auktionsportale für Zahnersatz Test

Wettbewerb im Internet drückt Preise: Kronen, Brücken oder Implantate sind auch billiger zu haben.

Schöne Zähne zum Bestpreis? Kein Problem. Wir haben Marktplätze im Internet getestet, auf denen sich Zahnärzte dem Preiswettbewerb stellen. Kronen, Brücken, Implantate, Prothesen gibts dort billiger. Sogar zum halben Preis – oder noch weniger.

Volkswagen oder doch lieber Mer­cedes im Mund, was soll es denn sein?“ Geht es nach dem zahnmedizinischen Check ums Fi­nan­ziel­le, dann fragt so mancher Zahnarzt seinen Patienten auch gern einmal direkt.

Nun heißt es aufpassen. Zahntechnisch und finanziell ist die Mundhöhle ein Gebiet der unbegrenzten Möglichkeiten – bis hin zum sprichwörtlichen Rolls Royce läuft beim Zahnersatz alles. Der Zahnarzt will eine zahnmedizinisch und ästhetisch gute Lösung finden. Der Kunde auf dem Zahnarztstuhl wird auf Qualität bedacht sein, aber auch ans Sparen denken – gerade in Zeiten der Gesundheitsreform.

Zahnpatienten schieben Renovierungen des Gebisses zurzeit häufig auf, lassen ihre Heil- und Kostenpläne wegen hoher ­Eigenkosten erst mal liegen. Zahnersatz wird zum Beispiel (noch) teurer als früher, wenn Patienten Wahlmöglichkeiten für eine hochwertige Versorgung nutzen.

Zahn um Zahn im Wettbewerb

Auktionsportale für Zahnersatz Test

Viel Luft gibt es vor allem beiden Material- und Laborpreisen.

Noch nie waren Kronen, Brücken, Implantate so wertvoll wie heute – vor allem, wenn es um „die Teilnahme am zahnmedizinischen Fortschritt“ geht. Wer große Zahnlücken schließen will und Sparlösungen ablehnt, muss tief in die Tasche greifen. Kein Wunder, dass sich Patienten auf die Suche nach bestmöglicher Qualität zum günstigen Preis begeben – und sei es zu Zahnärzten im Ausland (test 6/05: Zähne + Kosten).

Jetzt sind „Preisbrecher“ auch im Inland zu finden, und zwar per Internet. Zahnpatienten können unter Pseudonym in speziellen Portalen ihre Heil- und Kostenpläne präsentieren. Auf den virtuellen Marktplätzen, der Internet-Auktionsplattform ebay ähnlich, wird der Preis für zahnärztliche Leistungen „getestet“: Zahnärzte, die die gleiche Leistung preislich unterbieten, geben innerhalb einer Frist Gebote ab. Einer kann auf den Auktionen den Zuschlag erhalten, wenn dem Patienten Preis und Erreichbarkeit der Praxis passen.

Geschäftsidee mit Biss

Der Zahnarzt, der den ersten Heil- und Kostenplan erstellte, geht dann leer aus. Es sei denn, der Patient präsentiert ihm das neue, günstigere Angebot und der Zahnarzt korrigiert seinen Gesamtpreis. Dass Patienten vor allem vor größeren Eingriffen zumindest eine Zweitmeinung einholen sollten, wenn nicht sogar mehrere, hat test stets gefordert (siehe dazu auch test Spezial Zähne und Zähne + Kosten).

Der Mann, der in Deutschland mehr Wettbewerb zu den Zahnärzten und bessere Preise zu den Patienten brachte, heißt Holger Lehmann. Die Idee, zahnärztliche Leistungen in Auktionen im Internet zu versteigern, kam dem Diplom-Kaufmann, als er selbst eine Brücke benötigte: „Mein Zahnarzt wollte dafür 500 Euro haben, ein anderer berechnete nur 350 Euro – bei gleicher Leistung.“

Der agile Geschäftsführer der Mojo GmbH in Neuss heizt bereits seit mehr als einem Jahr mit seiner Geschäftsidee Zahnärzten im Lande mächtig ein. Sein Portal www.2te-zahnarztmeinung.de wird zunehmend bekannt – und hat bereits Nachahmer gefunden. In welcher Größenordnung Zahnpatienten finanziell entlastet werden, ist auf Lehmanns Website zu besichtigen: Sie berichten dort von Ersparnissen von 30 bis nahezu 90 Prozent. Um zum preisgünstigen Zahnarzt zu gelangen, scheuen sie zum Teil auch Anfahrten von mehreren Hundert Kilometern nicht. 28 Krankenkassen werben auf Holger Lehmanns Seiten.

Und so funktioniert die Geschäftsidee in Einzelschritten: Auf der Website lässt sich der Patient registrieren und stellt dort den Heil-und Kostenplan seines Zahnarztes ein. Entsprechend der dort genannten Kosten zahlt der Zahnpatient eine Gebühr an den Portalbetreiber: 2,50 Euro bei Therapiekosten bis 1 000 Euro, 5 Euro bei einer Gesamtsumme zwischen 1 001 und 5 000 Euro und 7,50 Euro bei einem Kostenplan von über 5 000 Euro. Wer bei einer im Portal werbenden Kasse versichert ist, zahlt keine Vermittlungsgebühr. Der Zahnpatient kann den Radius zu seinem Wohnort, innerhalb dessen er Angebote von Zahnärzten erhalten möchte, auswählen. Dann folgt die „Marktpreisfindung“: An dem Fall interessierte Zahnärzte geben, zunächst unter Pseudonym wie „Cyberdoc“ oder „Dr. Feelgood“, ihre Schätzungen oder neue Kostenangebote ab. Der Patient wählt aus, macht einen Termin beim Zahnarzt seiner Wahl, erscheint in der Praxis. Dort werden Zahnsituation und Heil- und Kostenplan überprüft und endgültig festgelegt.

Zum Schluss gibts Noten

Nach Abschluss der Arbeiten gibt der Patient eine Beurteilung über den Zahnarzt ab, die ins Netz gestellt wird – fertig. Da ist zum Beispiel zu lesen, dass „Cyberdoc“ wärmstens empfohlen wird und „Dr. Feelgood“ sich von einem unzufriedenen Patienten eine Watschen eingefangen hat: „Unfreundlich, unzuverlässig, abstrus.“ Innerhalb eines Jahres gab es bei www.2te-zahnarztmeinung.de bereits mehr als 4 500 Kostenplanauktionen. Beteiligt haben sich bisher fast 600 Zahnärzte.

Preisbrechern auf den Zahn gefühlt

Das Papier von Heil- und Kostenplänen mag geduldig sein, Aussagen im Internet sind oft werblicher Natur. Wir haben deshalb Stichproben aufs Exempel gemacht, zu Heil- und Kostenplänen Preise ermitteln lassen und Auktionsteilnehmern auf den Zahn gefühlt. Testpatienten suchten Preisbrecher auf. Ergebnis: Wenn Wettbewerb im Spiel ist, kann man gut Geld sparen. Eine Kronen- und Inlayversorgung, die erst 4 133 Euro kosten sollte, wird für 1 950 Euro angeboten. Eine Versorgung mit vier Implantaten, auf 7 496 Euro beziffert, soll nur 3 699 Euro kosten.

Spielraum steckt vor allem in den Material- und Laborkosten. Sie können bis zu 65 Prozent der Endabrechnung ausma­chen. Bei den zahnärztlichen Honorarsätzen wird dagegen kaum zurückgesteckt. Sie blieben weitgehend ungeschmälert. Das gesetzliche Mindesthonorar darf nicht unterschritten werden. 20 Prozent vom Honorar der ersten Behandlung erhält zum Beispiel Portalbetreiber 2te-zahnarztmeinung.de vom Zahnarzt.

Testergebnisse

  • Die 2te-zahnarztmeinung und zahngebot.de erfüllten unsere Erwartungen.
  • Bei einem dritten Portal, www.zep24.de, kamen keine Ausschreibungen zustande.
  • Die (geprüften) Foren sind unterschiedlich organisiert – insbesondere bei der eher schwierigen Dateneingabe für privatzahnärztliche Leistungen.
  • Bei 2te-zahnarztmeinung werden Kunden zum Beispiel bei der Eingabe fachlich begleitet und unterstützt, auch am Telefon. Schwierig zu lesende private Kostenvereinbarungen müssen nicht in ein Formular übertragen werden, sondern können bei 2te-zahnarztmeinung als Anhang zugeschickt oder gefaxt werden.
  • Bei zahngebot.de gibt es keine Fehlerrückmeldung. Unvollständige, fehlerhafte Formulare werden ohne Kommentar als Auktion gestartet.

Dass mancher Zahnarzt mithilfe des Portals sein leeres Wartezimmer füllt, glaubt Portalanbieter Holger Lehmann nicht: „Es sind gute Zahnärzte, die mitmachen. Sie sind bereit, sich öffentlich bewerten zu lassen“ – zunächst unter Pseudonym. Einige der bietenden Zahnärzte geben für ihre Arbeiten sogar fünf oder acht Jahre Garantie.

Aber auch Zahnärzte mit (noch) wenigen Patienten oder solche, die zum Beispiel als Implanteure ihren Kundenkreis erweitern wollen, sind vermutlich mit von der Partie – warum nicht. „Smiledesigner“ in Köln hatte zwischen Flughafen, Bahnhof und Praxis sogar schon einen Pa­tienten­shuttle angeboten. Nun wurde die Praxis überraschend geschlossen. Ein Tes­ter wurde an einen anderen Zahnarzt verwiesen, zwei weitere nicht. Sie mussten sich neu orientieren. Die Nachfrage am Telefon, warum „Smiledesigner“ überhaupt mitgeboten habe, wurde mit „Mmh ja, jedenfalls ist die Praxis geschlossen“ beantwortet – Ende des Gesprächs.

Zahnärztliche Standesvertretungen sehen dem Treiben mit säuerlicher Miene zu. Laut Bundeszahnärztekammer ist der Handel mit Heil- und Kostenplänen „geeignet, dem Ansehen des Berufsstandes Schaden zuzufügen“. Sie prüfte, ob gegen Inter­net­auktionen vorgegangen werden könne. Denn die Berufsordnung verbietet es, einem Zahnarzt gegen Geld Patienten zuzuweisen. Eine rechtliche Handhabe, Auktionen mit Heil- und Kostenplänen zu unterbinden, besteht aber nicht: Der Internetpreis für die Zahnversorgung ist eine Kostenschätzung, kein endgültiges Angebot.

Tipps

  • Daten im Internet akribisch eingeben.
  •  Manchmal ist es besser, dem Portal den Kostenplan zu schicken.
  • Lohnend: Ein größeres Einzugsgebiet führt zu mehr Geboten und fördert die Preiskonkurrenz.
  •  Im endgültigen Heil- und Kostenplan sollte der ausgewiesene Gesamtbetrag dem Auktionsgebot entsprechen. Falls nicht, fragen Sie nach, warum.
  • Vereinbartes hochwertiges Material (wie Goldlegierung) muss auch verwendet werden. Eine Bescheinigung des Labors dazu erhalten Sie vom Zahnarzt.

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