Augenlasern Meldung

Operationsziel: 90 Prozent der Patienten sollten keine Brille mehr benötigen.

Der Tüv vergibt ein Qualitätssiegel für Augenlaserzentren. Welche Bedingungen die Kliniken dafür erfüllen müssen, und was das Siegel für Patienten bedeutet, lesen Sie hier.

Den Wunschtraum von der unsichtbaren Brille lassen sich immer mehr Kurzsichtige von Augenärz­ten erfüllen. Die korrigieren Sehfehler, indem sie mithilfe von Laserstrahlen die Hornhaut um einige Hundertstel Millimeter abtragen. Doch ein solcher Eingriff sollte gründlich überlegt sein, denn die Operation lässt sich nicht rückgängig machen. Außerdem können Patienten im Vorfeld nicht immer einschätzen, wie gut eine Klinik ist und wie erfolgreich eine Operation sein wird.

Besseren Durchblick verspricht nun ein neues Gütesiegel, der „Lasik-Tüv“. Lasik ist das Verfahren, das am häufigsten zur operativen Korrektur von Fehlsichtigkeit eingesetzt wird (siehe Augenlaser). Augenärztliche Fachverbände und der Tüv Süd haben das Siegel entwickelt, das Augenlaserzentren beantragen können. In einem Prüfverfahren begutachtet der Tüv die organisatorischen Abläufe und die technische Ausstattung der Kliniken, die Qualifikation und Erfahrung der Ärzte, die Behandlungsergebnisse und die Hygienevoraussetzungen.

Die Anforderungen

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Für den Lasik-Tüv müssen Ärzte und Kliniken umfangreiche und mehrjährige Erfahrung nachweisen.

Zu den wichtigsten Anforderungen, die die Kliniken erfüllen müssen, um das Lasik-Siegel zu erhalten, zählen unter anderem:

  • Jeder Operateur muss für das zurückliegende Jahr mindestens 250 Lasik-Eingriffe nachweisen, für die vergangenen fünf Jahre insgesamt mehr als 1 000.
  • Die Klinik muss das gesamte Spektrum der operativen Korrektur von Fehlsichtigkeit anbieten, nicht nur Laserverfahren.
  • Die Klinik muss Kriterien festlegen, für wen die Augenlaserbehandlung nicht geeignet ist, zum Beispiel bei Augenerkrankungen oder zu starker Fehlsichtigkeit.
  • Die Klinik muss umfangreiche Voruntersuchungen durchführen und diese Untersuchungen auch dokumentieren.
  • Die Klinik muss die Operationsergebnisse dokumentieren. So sollten 90 Prozent der kurzsichtigen Patienten danach keine Brille mehr benötigen oder höchstens eine Korrektur von 0,5 Dioptrien.
  • Die Technik (Laser, Schneidegeräte, Computersoftware) muss auf dem neuesten Stand sein und nach Tüv-Vorgaben alle zwei Jahre aktualisiert werden.
  • Außerdem sollte die Klinik Hygienepläne und einen Hygienebeauftragten haben sowie in einem allgemeinen Zertifizierungsverfahren belegen, dass sie systematisches Qualitätsmanagement praktiziert (ISO-9000-Zertifizierung).

Das Zertifizierungsverfahren

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Vor der Laseroperation sind gründliche Untersuchungen erforderlich. Oberfläche und Dicke der Hornhaut werden per Computer- und Videoanalyse ermittelt.

Im Verlauf des Zertifizierungsverfahrens wertet der Tüv zunächst die von der Klinik eingesandten Unterlagen aus. Dann überprüfen ein Tüv-Ingenieur, ein medizini­scher Gutachter und eine Hygienefachkraft vor Ort die technischen Geräte, die Hygienebedingungen, wohnen Untersu­chungen und mindestens einer Lasik-Operation bei. In der Regel verbringt das Tüv-Team einen Tag in der Klinik. In einer größeren Klinik kann die Begutachtung auch zwei Tage dauern.

Bisher haben insgesamt erst acht deutsche Augenlaserzentren das Lasik-Tüv-Siegel, 20 weitere Zentren wollen sich in diesem Jahr den Prüfern stellen. Einmal im Jahr kontrolliert der Tüv die zertifizierten Kliniken. Erfüllen sie die Voraussetzungen nicht mehr, kann er das Gütesiegel auch wieder aberkennen.

Ein überprüfbares Konzept

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Die Ärzte sollten Patienten über Ope­rations­risiken und -folgen aufklären.

Professor Walter Sekundo, Chirurg an der Augenklinik der Universität Mainz, begrüßt den Lasik-Tüv als Qualitäts-Check für „private Kliniken, die sich von der Masse der Trittbrettfahrer abheben wollen“. Gut sei, dass ein klares, überprüfba­res Konzept zur Durchführung der Lasik-Operation vorliege und die Kliniken bereit seien, sich in die Karten schauen zu lassen, erklärt der Spezialist für Hornhauterkrankungen, -verletzungen und -chirur­gie. „Das Siegel kann zwar keine volle Sicherheit vor Komplikatioen geben“, so Professor Sekundo, „ es sichert jedoch eine gute apparative Ausstattung und eine entsprechend nachgewiesene Erfahrung der operierenden Ärzte – diese werden in der Urkunde namentlich genannt.“

Auch Professor Gernot Duncker, Direktor der Augenklinik der Universität Halle, beurteilt die Tüv-Zertifizierung positiv: „Die Kliniken mit Lasik-Tüv-Siegel haben sich einem Qualitätssicherungsverfahren gestellt, das über eine freiwillige Selbstverpflichtung hinausgeht. Allerdings heißt das nicht automatisch, dass andere ohne Siegel es nicht können.“ Seine eigene Klinik will der Chirurg demnächst zur Zertifizierung anmelden. Er führt seit über 13 Jahren auch Operationen zur Korrektur von Fehlsichtigkeit durch und gehört ebenso wie Professor Sekundo zum Kreis der medizinischen Tüv-Gutachter.

Auch kleine Zentren einbeziehen

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Sind im Computer die richtigen Patientendaten erfasst? Überprüfung direkt vor der Operation.

Kritisch bewertet der Hallenser Professor Gernot Duncker jedoch, dass der Tüv das Siegel nach dem jetzigen Konzept nur an Klinikeinrichtungen vergibt. „Interessant und wichtig wäre der Lasik-Tüv aber auch für kleine Zentren ohne Klinikstatus – die Patienten werden ohnehin ambulant operiert. Die hohen Qualitätsanforderungen sollten auch auf kleinere Anbieter angewandt werden.“

Noch steckt die externe Begutachtung von Augenlaserzentren in den Anfängen. Erst acht Lasik-Tüv-Siegel wurden bisher vergeben, doch in Deutschland gibt es rund 300 Augenärzte, private Zentren, öffentliche Krankenhäuser und Universi­tätskliniken, die Laseroperationen gegen Fehlsichtigkeit anbieten. Jedes Jahr lassen sich hierzulande rund 50 000 Kurz- und Weitsichtige lasern. Und zahlreiche Billig­angebote locken Patienten auch zu Operationen ins Ausland. Ob eine Zertifizierung für die Anbieter attraktiv ist, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen.

Keine anonymen Kontrollen

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Der Kopf der Patientin wird unter Lasergerät und OP-Mikroskop positioniert.

Patienten kann das Siegel einen Anhaltspunkt geben, ob die Rahmenbedingungen in der Klinik stimmen. Einzelfallprüfungen oder anonyme Kontrollen sieht das Tüv-Verfahren jedoch nicht vor.

Wir haben im vergangenen Jahr geprüft, wie gut Augenlaserzentren Patienten vor einer Operation beraten. Dieser Test förderte auch einige Unzulänglichkeiten zutage (siehe Test Augenlasern). Wir wollten wissen, wie zutreffend und umfassend die Spezialisten über Risiken, Operationsfolgen und mögliche Beeinträchtigungen aufklären. An die korrekte Beratung sind besonders hohe Anforderungen zu stellen, denn bei allen Operationen zur Korrektur von Fehlsichtigkeit handelt es sich bis auf wenige Ausnahmen um kosmetische Eingriffe an einem gesunden Auge. Jeder Patient geht ohne zwingende Not ein gewisses Risiko ein.

Der überwiegend positive Eindruck, den die Augenlaserzentren machten, wurde getrübt durch ein bedenkliches Ergebnis: Die Augentagesklinik Spreebogen und das EuroEyes AugenLaserZentrum im Sony Center empfahlen der stark weitsichtigen Testperson einen laserchirurgischen Eingriff, obwohl ihre Fehlsichtigkeit dagegen sprach (siehe Tabelle „Beratung vor dem Augenlasern).

Unser damaliges Fazit: Gründliche Voruntersuchungen, ein ausführliches Gespräch mit dem Pati­enten sowie eine seri­öse Beratung und Aufklärung über die Vor- und Nachteile eines Lasereingriffs sind wichtige Anhaltspunkte für die Qualität eines Augenlaserzentrums. Ein gutes Operationsergebnis ist damit noch nicht garantiert. Das gilt im Übrigen auch für die Kliniken mit Tüv-Siegel.

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