Augenlasern Test

Wunschtraum unsichtbare Brille.

Macht eine Laseroperation die Brille wirklich über­flüssig? Wie gründlich un­tersu­chen und wie umfassend beraten Augenlaserzentren?

Jung, ledig, mit Brille: Katrin S., passio­nierte Freizeitsportlerin, geht regelmäßig zum Lauftreff und ins Fitnessstudio und schaut sich am Wochenende schon mal in der Party-Szene um. Die Brille findet Katrin – die in Wirklichkeit anders heißt – oft lästig, und Kontaktlinsen verträgt sie nicht. Deshalb überlegt sie seit einiger Zeit, ob sie ihre Fehlsichtigkeit einfach weglasern lässt.

Die knapp 30-jährige Katrin und zwei weitere Testpersonen zwischen 25 und 50 Jah­ren, die ihre Brille loswerden wollen, prüften für uns, wie gut Berliner und überregionale Augenlaserzentren und Kliniken vor einer Operation beraten. Von den Testbesuchen erhofften sie sich Informationen und Entscheidungshilfe für ihre persönliche Situation.

300 Spezialisten

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Eine kleine Sonde misst auf der Hornhaut per Ultraschall die Hornhautdicke.

Rund 300 Augenärzte und Laserzentren bieten in Deutschland den Eingriff an. Auf Bussen und Bahnen, im Internet und auf Riesenpostern werben sie mit weitgehenden Versprechen, wie „unabhängig von Kontaktlinse und Brille“ oder „Augenlaser statt Brille“. Universitätskliniken und öffentliche Krankenhäuser bieten die Laser-OPs zusätzlich zu ihrem sonstigen Behandlungsspektrum an. Einige private Zentren haben sich auf die Laserkorrektur von Fehlsichtigkeit spezialisiert. Zwar gibt es auch einzeln niedergelassene Augenärzte, die den Eingriff an der Hornhaut zu ihrem Spezialgebiet gemacht haben, doch in der Regel haben Einzelanbieter eher weniger Erfahrung, machen nur alle paar Monate eine Operation oder mieten je nach Bedarf ein Lasergerät.

50 000 lassen sich jedes Jahr lasern

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Darstellung der Hornhaut in einem Farbbild. Durch die unterschiedlichen Farben kann die Krümmung der Hornhautoberfläche beurteilt werden.

Jedes Jahr lassen sich hierzulande rund 50 000 Kurz- und Weitsichtige lasern. Erste Versuche, fehlsichtige Augen mit dem Laser zu korrigieren, gab es Mitte der 80er Jahre. Inzwischen ist die Methode etabliert und hat weltweit Millionen von Menschen zu einem neuen Sehgefühl verholfen. Der Excimer-Laser trägt das Zentrum der Hornhaut auf einer Fläche von rund 7 Millimeter Durchmesser Schicht für Schicht um hundertstel Millimeter ab – das entspricht in etwa der Dicke eines Haars. Die Strahlenbündel lösen die Kollagenverbindungen auf, ohne das umliegende Gewebe durch Erhitzen zu schädigen. Wie die Hornhaut am besten zu modellieren ist, errechnet ein Computerprogramm. Dazu werden unter anderem die Hornhautdicke, die Form der Hornhautoberfläche und die benötigte Brillenstärke – bei mittlerer Kurzsichtigkeit zum Beispiel minus 3 Dioptrien – in den Rechner eingegeben. Der Computer steuert auch den Laser, während der Operateur in seinem Mikroskop das Auge fest im Blick hat. Ohne das Auge zu bewegen, muss der Patient etwa 20 Sekunden auf einen Lichtpunkt blicken. Je nach Verfahren wird die Oberfläche der Hornhaut direkt gelasert oder vorher wird ein dünnes Hornhautscheibchen abgetrennt und zur Seite geklappt (Illustrationen und Beschreibung, siehe Fotos).

Falsche Vorstellungen ausräumen

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Projektion auf die Hornhaut: Sie ermöglicht eine genaue Darstellung der Oberfläche.

Vor einer solchen Laseroperation sind gründliche Untersuchungen erforderlich. Denn nur so kann festgestellt werden, wer für den Eingriff überhaupt geeignet ist. Außerdem sollte die falsche Vorstellung ausgeräumt werden, dass eine Brille auf jeden Fall überflüssig wird. Wir wollten deshalb wissen, wie zutreffend und umfassend die Spezialisten Patienten vor der Laseroperation über Risiken, Operationsfolgen und mögliche Beeinträchtigungen aufklären. An die korrekte Beratung sind besonders hohe Anforderungen zu stellen, denn bei allen Operationen zur Korrektur von Fehlsichtigkeit handelt es sich bis auf wenige Ausnahmen um kosmetische Eingriffe an einem gesunden Auge. Dieser Eingriff verän­dert die Form der Hornhaut und kann nicht rückgängig gemacht werden. Jeder Patient geht also ohne zwingende Not ein gewisses Risiko ein.

Testergebnisse erfreulich positiv

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An der Spaltlampe beurteilt der Arzt Hornhaut, Iris, Augenlinse, Glaskörper und Netzhaut.

In den meisten Augenlaserzentren sind die Testergebnisse erfreulich positiv, in zwei Zentren waren Beratung und Aufklärung jedoch „unzureichend“.

Die höchste Punktzahl für Beratung und Aufklärung erzielten die Charité und das Gertrauden-Krankenhaus. Die Augen­ärzte beschrieben ausführlich die wichtigsten Operationsverfahren mit Vor- und Nachteilen, klärten über mögliche Risiken auf, wie erhöhte Blendempfindlichkeit, Über- oder Unterkorrektur sowie eine eventuelle Zweitoperation. Jedem Tester empfahlen sie je nach individueller Situation ein spezielles Verfahren. Niemand wurde zur Operation gedrängt. Besonders positiv im Gertrauden-Krankenhaus: Der Arzt riet Katrin S., die mit Brillenwerten von etwa –2 Dioptrien nur gering kurzsichtig ist, vor einer Entscheidung noch einmal genau zu überlegen, ob sie so einen gravierenden Eingriff wirklich wolle.

Mit durchgängig hohen Punktwerten für Anamnese, Untersuchungen, Beratung und Aufklärung überzeugten neben der Charité noch die Augenkliniken am Gendarmenmarkt und am Wittenbergplatz. Die Anamnese war dort sogar „sehr umfassend“. Die beratenden Ärzte erhoben die medizinische Vorgeschichte und fragten nach Erkrankungen, speziell der Augen. Sie erkundigten sich nach den Erwartungen, die unsere Testpersonen mit der Operation verbanden, und wiesen auch ausdrücklich darauf hin, dass ein Lasereingriff nicht immer Brille oder Kontaktlinsen überflüssig mache. Außerdem ersetze die OP nicht die Lesebrille, die oft im Alter ab etwa 45 Jahre notwendig werde. Die Berater fragten auch nach beruflichen Anforderungen wie Computerarbeit, sportlichen Aktivitäten und zum Teil auch nach Hobbys mit erhöhten Sehanforderungen.

Bei den apparativen Untersuchungen hat sich offenbar generell eine umfangreiche und standardisierte Vorgehensweise durchgesetzt (siehe „Untersuchungen“).

Beratung zweimal „unzureichend“

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Während der Laseroperation sieht der Operateur das Auge auf einem Bildschirm.

Der überwiegend positive Eindruck, den die Berliner Augenlaserzentren machten, wird allerdings getrübt durch ein ­bedenkliches Ergebnis: Die Augentagesklinik Spreebogen und EuroEyes im Sony-Center empfahlen unserem stark weitsichtigen Tester einen laserchirurgischen Eingriff, obwohl seine Fehlsichtigkeit weit außerhalb der fachlich anerkannten Grenzen liegt. Unser Urteil: Beratung und Aufklärung „unzureichend“.

Ausgerechnet in diesen beiden Kliniken fühlten sich die Tester gedrängt, die Operation machen zu lassen. „Setzen Sie doch mal die Brille ab“, bat der Chef der Klinik am Spreebogen Katrin S. „Ja, das sieht viel besser aus.“ Bei EuroEyes mussten sich die Tester sogar schon auf einen Operationstermin festlegen, bevor alle Untersuchungen gemacht waren. Überzeugen sollte wohl auch eine für die Zeit nach der Operation gedachte kleine Kulturtasche mit Augenklappe, Sonnenbrille und Augentropfen.

Die telefonische Vorinformation scheint nicht zu den Prioritäten der Augenlaserzentren zu gehören. Bei der Termin­vereinbarung wiesen sie nicht immer darauf hin, dass vor der Untersuchung zwei Wochen lang keine Kontaktlinsen getragen werden dürfen. Und der Hinweis, dass die Pupillen bei der Untersuchung weit getropft werden und deshalb beispielsweise Autofahren hinterher nicht möglich ist, fehlte auch manchmal.

Aufklärungsbogen

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Wo Tropfen versagen: Ein grüner Star kann mit dem Laser behandelt werden.

Immerhin gaben die meisten Augenlaserzentren unseren Testern einen aus­führli­chen Aufklärungsbo­gen mit auf den Weg, in dem sie die wichtigen Informationen noch einmal in Ruhe zuhause nachlesen und überdenken konnten.

Auskünfte über die Erfahrung des Operateurs waren jedoch eher spärlich und blieben es auch auf Nachfrage. Die Gesprächsatmosphäre empfanden die ratsuchenden Testpersonen dagegen überwiegend als angenehm und freundlich.

Ganz ohne Brille geht es nicht

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Mit dem Excimer-Laser trägt der Operateur das Zentrum der Horn­haut ab.

Würden sich unsere Testpersonen operieren lassen? Katrin S. eher nicht. Ihre Erwartungen an ein Leben ohne Brille durch eine Laseroperation können nicht erfüllt werden. Der Tester mit hoher Weitsich­tigkeit ist erstaunt, wie unterschiedlich Ärzte seine Behandlungsmöglichkeiten be­werten. Für eine Laseroperation kommt er ohnehin nicht infrage, er über­legt jetzt, ob er eine Kunstlinse implantieren lässt. Noch unentschieden ist unser dritter Proband. Mit mittlerer Kurzsichtigkeit (um –4 Di­op­trien) und ausreichend dicker Hornhaut wäre er für eine Augenlaser-OP geeignet.

Eine sorgfältige Voruntersuchung, ein ausführliches Patientengespräch, eine minutiöse Untersuchung und eine seriöse Aufklärung über die Vor- und Nachteile eines Lasereingriffs zur Korrektur von Fehlsichtigkeit sind wichtige Anhaltspunkte für die Qualität eines Augenlaserzentrums. Ein gutes Operationsergebnis ist damit noch nicht ga­rantiert. Ein solcher Eingriff sollte also gründlich überlegt, ein Zentrum sorgfältig ausgewählt werden.

Auswahlkriterien

Nutzen Sie die Informationsveranstaltungen verschiedener Augenlaserzentren. So gewinnen Sie einen ersten Eindruck von den Methoden und den Anbietern. Sprechen Sie beim individuellen Beratungsgespräch auch Ihren Beruf und Hobbys an. Besonders wichtig ist die Erfahrung der Klinik oder Praxis und des Operateurs mit der Laserkorrektur von Fehlsichtigkeit. Arzt oder Klinik sollten möglichst noch weitere Operationsverfahren anbieten. So bekommen Sie die ganze Bandbreite der Möglichkeiten angeboten. Lassen Sie sich nicht zu einer Operation drängen. Holen Sie besser noch eine zweite Meinung in einem anderen Zentrum ein. Bei der Kommission Refraktive Chirurgie (siehe „Adressen“) gibt es eine Liste der Ärzte, die Operationen zur Korrektur von Fehlsichtigkeit anbieten. Angaben über die Häufigkeit und Qualität der Eingriffe enthält die Liste jedoch nicht.

Für eine erhöhte Sicherheit während der Operation sollten die Lasergeräte auf dem neuesten Stand sein, zum Beispiel ein Zielfolgesystem („eye-tracker“) haben. Auch die Software, die den Laser steuert, sollte regelmäßig aktualisiert werden. Und selbstverständlich sollte das Schneidegerät (Mikrokeratom) der neuesten Generation angehören.

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