Augencremes gegen Falten Test

Bei fünf Antifalten-Augencremes wurde eine „gute“ Faltenreduzierung gemessen. Wunder gibt es aber nur im Schlager und im Kino.

Wer eine faltenfreie Großmutter hat, nicht raucht, nicht trinkt, nicht lange in der Sonne liegt, sondern ein gleichmäßiges, ruhiges Leben ohne große Leidenschaften führt, ausreichend schläft und sich gesund ernährt, der hat die besten Chancen auf ein faltenarmes Älterwerden. Die meisten leben anders und müssen sich dann mit den Folgen auseinandersetzen. Doch es gibt ja noch die Kosmetikindustrie, die einem mit „Hochleistungs“-Antifaltencremes viel verspricht, bis hin zu einer „sichtbaren Glättung“ von Falten.

Enttäuschung ist da meist programmiert. Keine Creme kann bis in die unteren Hautschichten vordringen, in denen sich tiefe Mimikfalten (Krähenfüße und Lachfältchen) bilden. Mit diesen Falten muss man leben lernen, bestenfalls lernt man sie lieben. Nur kleine Trockenheitsfältchen lassen sich in begrenztem Maße kosmetisch beeinflussen.

Eine Frage des guten Willens

Auch wenn die Werbung manchmal eine Faltenminderung von 20 Prozent und mehr verspricht, sollte man skeptisch bleiben. Das klingt gewaltiger, als es ist: Verringert sich die Faltentiefe beispielsweise von 0,15 Millimeter um 20 Prozent auf 0,12 Millimeter lässt sich das zwar genau messen, ob der Effekt aber mit bloßem Auge zu erkennen ist, bleibt vor allem eine Frage des guten Willens.

So auch bei den zwölf Augencremes dieses Tests, die alle eine Wirkung auf Falten versprechen. Wir haben sowohl Produkte aus der Parfümerie geprüft als auch solche aus dem Drogeriemarkt und der Apotheke, darunter auch zwei, die sich als besonders naturnah darstellen (Apotheker Scheller, Rossmann/Alterra). Für Augen-Spezialcremes müssen die Käufer oft tief in die Tasche greifen: Zwischen 3,30 Euro (Schlecker/Rilanja Care) und 49 Euro (Lancôme) kosten die Tübchen und Tiegelchen, die durchweg mit nur 15 Millilitern Inhalt angeboten werden.

Nur Bruchteile von Millimetern

Unsere Probandinnen trugen jede Creme vier Wochen lang morgens und abends auf die Augenpartie auf. Vor und nach der Anwendungsphase wurden die gecremten Bereiche in einem dreidimensionalen Verfahren fotografiert, analysiert und bewertet. Fazit: Falten wegzaubern kann keine dieser Cremes. Bestenfalls ließen sich Verbesserungen um Bruchteile von Millimetern messen. Nach vierwöchiger Anwendung beurteilte auch die Mehrzahl der Probandinnen ihre Falten höchstens als leicht vermindert.

Ein „Sehr gut“ für die Faltenreduzierung konnten wir deshalb nicht vergeben. Doch vergleichsweise „gut“ schnitten immerhin fünf Cremes ab, neben Diadermine, Sebamed und Vichy auch die preiswerte Augencreme von Schlecker/Rilanja Care für 3,30 Euro. Wer mehr auf teure Luxusartikel baut, trifft auch mit der Creme von Lancôme eine „gute“ Wahl, muss allerdings für den Tiegel knapp 50 Euro bezahlen. Die restlichen Augencremes kamen in ihrer Wirkung auf Falten über „befriedigend“ oder gar „ausreichend“ (dm/Balea, Garnier Jade) nicht hinaus.

Gute Feuchtigkeitsspender sind die Augencremes fast alle. Die Effekte waren noch nach Stunden nachweisbar. Nur die Lancôme-Creme fiel mit „befriedigend“ etwas gegen die Konkurrenz ab.

Sehr gut verträglich

In der Anwendungsprüfung hatten die Probandinnen wenig zu bemängeln. Die Konsistenz der Cremes gefiel ihnen, sie ließen sich einfach entnehmen, gut auf der Haut verteilen, klebten nicht, vermittelten ein gutes Hautgefühl – hier gab es durchweg positive Urteile. Ebenso für die Verträglichkeit: Die mehr als 300 Probandinnen hatten mit den Augencremes keinerlei Probleme, störende Nebenwirkungen wie Augenjucken oder -brennen traten nicht auf.

Keine besonderen Wirkstoffe

Wer seine Gesichtspflegecreme problemlos verträgt – auch in der Nähe der Augen –, kann sich den Kauf einer speziellen Augencreme sparen. Diese Produkte enthalten keine besonderen Wirkstoffe, die speziell für die empfindliche Haut rund um die Augen entwickelt wurden. Sie unterscheiden sich von üblichen Gesichtspflegemitteln vor allem dadurch, dass sie keine „spreitenden“ Substanzen enthalten, also keine Öle, die ins Auge „wandern“ und dort Reizungen hervorrufen können. Einige Augencremes sind aus diesem Grund auch parfümfrei (siehe Tabelle).

Mikrobiologisch waren die meisten Mittel einwandfrei. Konservierungsstoffe schützen sie ausreichend vor Verderb und Keimbefall. Das ist im Augenbereich natürlich extrem wichtig, andererseits können diese chemischen Haltbarmacher im Einzelfall Hautreizungen oder auch Allergien auslösen.

Kann ins Auge gehen

Um dem vorzubeugen, verzichten Apotheker Scheller und Rossmann bei ihren Augencremes auf Konservierungsmittel. Doch auch das kann ins Auge gehen: Beide Cremes zeigten Mängel im Belastungstest. Bei dieser recht harten Prüfung im Labor werden bewusst Keime – unterschiedliche Bakterien und Pilze – in die Cremes eingeschleust. Bei einem sorgfältig konservierten Produkt sterben die Krankheitserreger nach einer gewissen Zeit ab. Das schafften beide Cremes nicht in ausreichendem Maße, was ihnen entsprechende Minuspunkte einbrachte. Die Benutzerin muss mit den Augencremes von Apotheker Scheller und Rossmann/Alterra besonders achtsam umgehen, sonst hat sie unter Umständen schnell mehr Keime in Augennähe, als ihr lieb ist. Also nur mit sauberen Händen benutzen und die Tuben nach der Benutzung sofort wieder korrekt verschließen.

Generell ist den Konservierungsstoffen, die in den Cremes enthalten sind, nichts vorzuwerfen. Der Gesetzgeber hat sie für Kosmetika zugelassen und in den erlaubten Mengen gelten sie auch unter unabhängigen Wissenschaftlern als gesundheitlich unbedenklich.

Das trifft genauso auf die Lichtschutzfilter zu, die in etlichen Augencremes zu finden sind. Dennoch können sie im Einzelfall Haut oder Augen irritieren. Wir haben sie deshalb ebenfalls in der Tabelle aufgeführt. Für die Verwendung am Tage können sie durchaus sinnvoll sein. Doch die Augencremes werden oft auch zur Nacht empfohlen, was soll da der Sonnenschutz? Den sinnlosen Dauerkontakt mit Lichtschutzsubstanzen sehen Hautärzte jedenfalls eher kritisch.

Unterschiedlich lange haltbar

Wichtig ist auch, auf der Verpackung die Angaben zur Haltbarkeit zu beachten. Sie unterscheiden sich zum Teil erheblich (siehe Tabelle): Manche Produkte signalisieren ihre begrenzte Haltbarkeit durch die Angabe eines Mindesthaltbarkeitsdatums. Andere versprechen, nach dem Öffnen mindestens noch sechs Monate intakt zu sein, einige sogar neun oder zwölf Monate.

Die Frist wird durch ein Symbol auf der Verpackung angezeigt – eine kleine Dose mit geöffnetem Deckel, darin die Zeitangabe (zum Beispiel 12 Monate: „12 M“).

Tipp: Am besten notieren Sie sich das Öffnungsdatum auf der Verpackung. Wenn das nämlich in Vergessenheit gerät, helfen die Hinweise später wenig.

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