Augen

Praxis­test: Beratung dürftig, Diagnostik ordentlich [test 8/2016]

28.07.2016
Augen - Sehkraft erhalten, Makuladegeneration bekämpfen – was hilft?
Selbst­test. Mit dem Amsler-Test wird jedes Auge einzeln auf AMD geprüft. © Stiftung Warentest

Die alters­abhängige Makula-Degeneration AMD „und die damit verbundene Erblindungs­gefahr ist kaum bekannt“, so der Berufs­verband der Augen­ärzte. Beraten wenigs­tens die Augen­ärzte umfassend zu diesem Thema? Wir machten den Praxis­test und haben Probanden in 20 Augen­arzt­praxen geschickt.

Inhalt

Das Konzept

Augen - Sehkraft erhalten, Makuladegeneration bekämpfen – was hilft?
Klar. (links) Ein gesundes Auge sieht einen Punkt und gerade Linien.
Verzerrt. (rechts) AMD-Patienten sehen das Gitter oft verbogen oder verschwommen. © Stiftung Warentest

Wir entwickelten die Vorgehens­weise mit zwei augen­ärzt­lichen Gutachtern. 20 Augen­arzt­praxen bekamen Besuch von je einem Tester. Alle hatten einen Termin für eine Routine­unter­suchung ausgemacht. Sie waren 48 bis 63 Jahre, kurz­sichtig (bis -3 Dioptrien), frei von AMD-Symptomen. Auf Nach­frage des Arztes sollte die Hälfte der Probanden Rauchen, Blut­hoch­druck und familiäre Vorbelastung angeben – alles Risiko­faktoren für AMD. Diese Testergruppe war mindestens 55. Ab diesem Alter empfiehlt die Leit­linie der Fachgesell­schaften vorsorgliche Unter­suchungen. Spätestens jetzt müsste AMD also bei den Ärzten ein Thema sein. Doch nur einer von zehn Medizinern kam bei den über 55-Jährigen von sich aus darauf zu sprechen.

Die Beratung

Selbst auf Nach­frage informierten die Augen­ärzte wenig. Nur knapp jeder zweite Tester erfuhr etwa, dass AMD die häufigste Ursache für Sehverluste im Alter darstellt. Nur sechs Probanden hörten, wie sich erste Anzeichen erkennen lassen, etwa mit dem Amsler-Test. Auch Risiko­faktoren wurden kaum angesprochen – und dass gesunder Lebens­stil vorbeugt. Über Früh­erkennungs­unter­suchungen gab es ebenfalls mager Auskunft. Aufklärung und Beratung zählen jedoch zu den augen­ärzt­lichen Tätig­keiten.

Die Diagnostik

Die Ärzte machten meist einen Sehtest plus einen Check des vorderen Augen­bereichs per Spalt­lampe, zweimal auch eine Netzhautspiegelung als Kassen­leistung. Andere, meist unnötige Unter­suchungen der Netzhaut wurden nur drei Testern angeboten. Das heißt: Die Diagnostik war weit­gehend angemessen.

Die Selbst­zahlerleistung

14 Testern empfahlen Ärzte die Glau­komfrüh­erkennung: einen Check auf eine andere häufige Augen­krankheit im Alter. Er kostet etwa 10 bis 40 Euro. Ob dies nützt, ist in Fach­kreisen umstritten.

28.07.2016
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