Kunden der Privatbank Reithinger GmbH & Co. KG bekommen ihr Geld vorerst nicht zurück. Selbst in Härtefällen ist keine Auszahlung möglich. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat dem Unternehmen die Genehmigung für Bankgeschäfte entzogen und ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot verhängt. Nach Presseberichten sind 65 000 Kunden betroffen. Sie werden wahrscheinlich zumindest einen Teil ihres Geldes verlieren. Auch bereits fest zugesagte Kredite werden nicht ausgezahlt. Besonders hart sind die Inhaber von Reithinger-Schuldverschreibungen und -Genussrechten betroffen. Sie könnten völlig leer ausgehen.

Mangel an Transparenz

Nach Ansicht der Beamten in der Aufsichtsbehörde besteht die Gefahr, dass die Privatbank Reithinger Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllt. Außerdem sei die Bank Teil eines unübersichtlichen Unternehmensgeflechts. Der Mangel an Transparenz habe die Aufsicht erschwert. Die Behörde sah keine andere Möglichkeit, als die Erlaubnis zu entziehen und zum Schutz der Gläubiger ein so genanntes Moratorium zu verhängen. Die Bank darf jetzt vorläufig keinerlei Verfügungen und Auszahlungen mehr vornehmen. Die Bank kann gegen die Bafin-Entscheidung Widerspruch einlegen, vor Gericht ziehen und die Aussetzung der Vollziehung beantragen. Nur wenn ein solcher Antrag Erfolg hat, kann sie ihre Geschäfte zumindest vorläufig fortsetzen.

Teil der Einlagen wohl verloren

Für Kunden, die ganz auf die Privatbank Reithinger gesetzt haben, sind die Folgen der Behördenentscheidung dramatisch: Sie bekommen zunächst nichts von ihrem Geld zurück. Laut Bilanz für 2004 verwaltete die Privatbank Ende dieses Jahres Einlagen von 85,5 Millionen Euro. Auch in Härtefällen sind derzeit keine Auszahlungen möglich, erklärte die Bafin. Später wird, wenn das Geld der Bank nicht ausreicht, zumindest die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken einspringen. Sie zahlt allerdings nur höchstens 20 000 Euro pro Fall und nicht mehr als 90 Prozent des Betrags. Geschützt sind nur Geldanlagen in Euro oder einer anderen EU-Währung. Besser stehen nur Sparer da, die vor dem 14. Oktober 2002 Geld eingezahlt haben. Sie erhalten bis zu 1 541 000 Euro vollständig zurück.

Sicherung mit Grenzen

Anders als die meisten deutschen Banken gehörte Reithinger ab Oktober 2002 nicht mehr dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken an. Er ersetzt bei einer Bankenpleite die Einlagen vollständig und in praktisch unbegrenzter Höhe. Gesetzlich vorgeschrieben ist nur eine Mindestsicherung der Einlagen von 90 Prozent und bis zur Höchstgrenze von 20 000 Euro, wie sie seit Oktober 2002 über die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH in Berlin bei der Privatbank Reithinger galt. Wegen der eingeschränkten Einlagensicherung hat Finanztest Angebote der Privatbank Reithinger bei Geldanlage-Tests nicht berücksichtigt.

Gläubiger in Gefahr

Inhaber von Schuldverschreibungen und Genussrechten der Privatbank Reithinger könnten sogar völlig leer ausgehen. Laut der Reithinger Bilanz für 2004 kursierten zum Ende dieses Jahres Schuldverschreibungen und Genussrechte für insgesamt fast 57 Millionen Euro. Solche Geldanlagen sind keine Einlagen, für die die Entschädigungseinrichtung aufkommt. Sie werden behandelt wie normale Unternehmensverbindlichkeiten. Bei einer Insolvenz heißt das: Nur wenn genug Vermögen vorhanden ist, erhalten die Gläubiger ihr Geld. Reicht das Vermögen nicht aus, wird es nach bestimmten Regeln unter allen Gläubigern aufgeteilt. Meist erhalten die Gläubiger eines Unternehmens nach einer Insolvenz nur einen kleinen Teil ihrer Forderungen.

Kein Verlust von Wertpapieren

Sicher vor Verlusten sind nur Inhaber von Wertpapierdepots bei der Privatbank Reithinger. Die Papiere in solchen Depots verwaltet die Bank nur; sie gehören dem Inhaber des Depots. Depotkunden der Privatbank Reithinger können die Papiere in ein anderes Depot übertragen lassen. Bei vergleichbaren Fällen hat die Abwicklung allerdings zum Teil sehr viel Zeit erfordert. Depotkunden der Privatbank Reithinger müssen damit rechnen, für geraume Zeit nicht über die Wertpapiere im Depot verfügen zu können. Auch wenn das Depot aufgelöst werden soll, muss es zunächst zu einer anderen Bank übertragen werden. Der Erlös aus dem Verkauf der Wertpapiere würde sonst unter das Moratorium fallen und dürfte nicht an Kunden ausgezahlt werden.

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