Interview: Einverständnis einholen

Vorher fragen, ob eine Aufnahme erlaubt ist: Das rät Niko Härting, Gründer von Härting Rechts­anwälte in Berlin. Die Arbeits­schwer­punkte der Kanzlei sind Internet- und Medienrecht.

Welche Veranstaltungen darf ein Nutzer für private Zwecke aufzeichnen? Welche nicht?

Zunächst einmal gilt der Grund­satz, dass alles erlaubt ist, was nicht verboten ist. Verbote gibt es jedoch viele: Wer mit einem Audio­rekorder Aufnahmen in einem Konzert machen möchte, braucht im Normalfall die Zustimmung der Künstler und Veranstalter, da ansonsten Urheber- und Leistungs­schutz­rechte verletzt werden.

Was sollte er also tun?

Ob Open-Air-Konzert oder wissenschaftlicher Vortrag in einer Universität: Bevor man das Aufnahme­gerät betätigt, sollte man sich vergewissern, dass alle Beteiligten mit der Aufnahme einverstanden sind. Nur im Ausnahme­fall wird man sich auf ein still­schweigendes Einvernehmen verlassen können – im privaten oder halb­privaten Bereich, beim Auftritt des Schulchors oder der Hobby­band, wenn zahlreiche Kameras von Freunden und Verwandten nicht zu über­sehen sind.

Welche Aufnahmen darf man auf seine eigene Internetseite stellen?

Wer ohne zu fragen ein Konzert mitschneidet, darf diese illegalen Aufnahmen auch nicht veröffent­lichen. In ganz seltenen Fällen sind Ausnahmen denk­bar: Wenn beispiels­weise ein Politiker in der Öffent­lich­keit spricht, darf die Rede mitgeschnitten und die Aufnahme im Internet verbreitet werden. Einen solchen Fall sieht das Urheberrecht als Ausnahme vor. Dass eine Aufnahme legal ist, heißt nicht auto­matisch, dass man sie auch veröffent­lichen darf. Wer eine Hobby­band mit deren Zustimmung bei einem Auftritt aufnimmt, darf die Aufnahmen nicht ohne weiteres bei Facebook oder auf anderen Internet­seiten hoch­laden. Die Musiker müssen zustimmen, damit nicht nur die Aufnahme, sondern auch die Verbreitung über das Netz legal ist.

Welche Konsequenzen hat jemand zu befürchten, der unerlaubter­weise Tonaufnahmen macht?

Die heimliche Aufnahme ist eine Straftat, die mit Frei­heits­strafe bis zu drei Jahren bestraft werden kann. Bei gewerbs­mäßigem Handeln droht sogar eine Höchst­strafe von fünf Jahren.

Welche Strafen hat jemand zu befürchten, der illegale Aufnahmen im Internet veröffent­licht?

Dies kann erst recht teuer werden durch Straflizenzen und Schaden­ersatz. Und auch hier drohen Gefäng­nisstrafen bis zu fünf Jahren. Das lohnt sich nicht, Finger davon.

Dieser Artikel ist hilfreich. 259 Nutzer finden das hilfreich.