Spanisch im Handumdrehen – damit werben viele Hersteller von Selbstlernpaketen mit Audio-CDs und Lehrbüchern. Unser Test von fünf Kursen enttäuscht: Nur ein Produkt löst sein Versprechen ein.

Sie möchten vor Ihrem Wochenend-Trip nach Barcelona oder der Geschäftsreise nach Buenos Aires noch schnell die Grundlagen des Spanischen lernen? Kein Problem. Zumindest, wenn Sie den Anbietern von Selbstlernpaketen, bestehend aus Audio-CD und Lehrbuch, glauben. „Erfolgreich sprechen und kommunizieren“ heißt es da auf einer Verpackung. Auf anderen ist die Rede vom „intensiven Lernerlebnis“ oder „leicht verständlichen, humorvollen“ Dialogen.

Wir wollten wissen, ob der Lehrmittelmix hält, was er verspricht, und haben fünf Spanisch-Kurse für Anfänger zwischen 14,99 und 49,90 Euro getestet. Das Ergebnis ist ernüchternd: Nur mit „Der Spanisch-Kurs“ von Langenscheidt kann ein Anfänger die Sprache wie angekündigt gut erlernen oder ein Wiedereinsteiger auffrischen. Die zwei Bücher, das Heft und sechs Audio-CDs in diesem Paket bieten klar und sinnvoll strukturierte Lerninhalte, gut verständliche Übungen und authentische Texte wie zum Beispiel Zeitungsausschnitte und Werbung. Außerdem bleibt der Schüler motiviert – die Grundvoraussetzung, um sich eine Sprache erfolgreich anzueignen. Als Einzigem bescheinigten wir diesem Produkt einen „hohen Nutzwert“. Mit einem Preis von 49,90 Euro ist es aber auch das teuerste im Test.

Medieneinsatz besonders wichtig

Eine lebendige Sprache kann man nur lernen, wenn man sie auch hört. Der Sprachschüler ohne Lehrer ist deshalb besonders darauf angewiesen, dass Lehrbuch und Audio-CD sinnvoll miteinander verknüpft sind.

Bei „Der Spanisch-Kurs“ trifft das zu. „Complete los diálogos“ (auf Deutsch: „Vervollständige die Dialoge“) heißt es zum Beispiel in Lektion 2. Ein Symbol im Buch macht deutlich, dass jetzt das Hörverständnis gefragt ist. Der Lerner schlüpft in die Rolle von Señor Romeral, hört drei Fragen, die er mitlesen kann. Dann soll er „Ja, das bin ich“ oder „Ich bin Ramiro Romeral“ antworten. Solche Aufforderungen fehlen bei „Großer Sprachkurs Spanisch“, in dem man nur die Dialoge des Buches anhören kann.

Regionales Spanisch hören

Schade, dass die Hersteller Berlitz, Hueber und Klett die vielfältigen Möglichkeiten des CD-Einsatzes ungenutzt lassen: Sie bieten nicht zwei Sprachgeschwindigkeiten an – nämlich normal und speziell für Anfänger langsam gesprochen. Das ist nur bei den beiden getesteten Produkten von Langenscheidt möglich. Unverständlich ist auch, dass „Großer Sprachkurs Spanisch“ zwar bei dem Thema Musik auf eine interessante Symbiose von Rockmusik und Flamenco hinweist, aber auf der CD kein einziges Hörbeispiel existiert.

Spanisch ist nicht gleich Spanisch. Weil es bei Aussprache und Wortschatz von 400 Millionen spanischsprachigen Menschen weltweit große Unterschiede gibt, muss ein Anfängerkurs darauf eingehen und diese auch in Hörbeispielen deutlich machen. Sonst fühlt sich ein Tourist, der nur das Hochspanisch Madrids im Ohr hat, in Andalusien oder Peru schnell sprachlich verloren. Weder „Großer Sprachkurs Spanisch“ von Berlitz noch „Meine Sprachlerntasche Spanisch“ von Hueber greifen zum Beispiel die sprachlichen Unterschiede zwischen Spanien und Lateinamerika auf.

Schreiben kommt zu kurz

Auf ein berufliches Umfeld, etwa Formen der Begrüßung oder spezielle Themen, wie Buchmesse oder Firmenausflug, nimmt nur „Der Spanisch-Kurs“ Bezug. Bei den anderen Kursen geht es um Situationen aus Alltag und Urlaub.

Briefe zu schreiben oder die eigene Meinung aufs Papier zu bringen, lernt man aber auch mit diesem Kurs nicht. Freie Übungen dazu bietet „Praktischer Sprachlehrgang Spanisch“ von Langenscheidt seinen Schülern.

Wer als Anfänger oder Wiedereinsteiger einen Sprachkurs kauft, möchte wissen, wie gut sein Spanisch nach Abschluss des Kurses sein wird, welches Niveau er also mit dem Kurs erreichen kann. Ärgerlich, wenn der wichtige Hinweis wie bei „Großer Sprachkurs“ von Berlitz fehlt. Auch die Aussage „Orientiert sich am Europäischen Sprachenzertifikat“ auf „Der Spanisch-Kurs“ hilft ohne jeden Hinweis auf ein Niveau nicht weiter. Hilfreich ist die Verpackung von Kletts „Der Anfängerkurs Spanisch“ mit der Auskunft „Befähigt zur Erlangung des Europäischen Sprachenzertifikats Niveau A2“. Klar ist auch der Satz „70 Kapitel decken alle wichtigen Grammatikthemen des Europäischen Sprachenzertifkats (A2) ab“ auf „Meine Sprachlerntasche Spanisch“.

Alle fünf Sprachkurse richten sich an Lerner, die die Niveaustufe A2 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens, kurz GER, erreichen wollen. Nur „Praktischer Sprachlehrgang“ führt wie angekündigt bis B1 – wenn auch nur in den Bereichen Wortschatz und Grammatik.

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