Atlas AG Meldung

Als Anlageland hat die Schweiz bei Anlegern einen guten Ruf. Das nutzen dubiose Anbieter wie die Atlas AG aus. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Ob Politprominenz oder Wirtschaftsbosse ­ die Schweiz gilt bei Geldanlagen als erste Adresse. Erfolgreich, verschwiegen und diskret werden Anleger dort bedient ­ viel besser als anderswo. Mit solchen Argumenten wirbt auch die Schweizer Atlas Unternehmensförderungs AG (Atlas AG) in Zug mit Niederlassung in Deutschland für ihre Kapitalanlagen. "In den Jahren 1995 bis 1997 hat die Atlas AG Durchschittsrenditen von 3,25 Prozent im Monat erwirtschaftet", behauptet die Gesellschaft. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Doch die Atlas AG ist nur eine von vielen dubiosen Gesellschaften mit Sitz in der Schweiz, die sich immer häufi-ger bei deutschen Anlegern melden. Regelmäßig versprechen sie Renditen, die deutlich über dem Marktdurchschnitt liegen. Alles sei seriös, die Geschäfte würden über eine angesehene Schweizer Großbank abgewickelt. Dort werde das Bankgeheimnis besonders streng gehandhabt. Nicht einmal bei Steuerdelikten erteilten die Kreditinstitute Auskunft, werben viele dubiose Anbieter.

Über deutsche Repräsentanzen können sie dann in aller Ruhe Geld einsammeln und im Schadensfall auf die Muttergesellschaft in der Schweiz verweisen. Die hafte für alles, der Repräsentant in Deutschland vermittle nur. Im Schadensfall ­ so unterschreibt es der Anleger im Vertrag ­ muss er in der Schweiz klagen.

Schweizer Firma als Köder

Nach diesem Muster verfährt auch die Atlas Unternehmensförderung AG in Zug, deren deutsche Repräsentanz in Crailsheim sitzt. Sie verspricht Anlegern märchenhafte Renditen. Alles ohne Kosten für den Anleger.

Dass Schweizer Firmen oft nur als Köder für deutsche Anleger dienen, wird in diesem Fall besonders deutlich. Denn hinter der Crailsheimer "G & M Unternehmensförderung, Atlas-Repräsentant Deutschland" und der Atlas Unternehmensförderungs AG in der Schweiz steht ein und dieselbe Person: Wolfgang Müller aus Satteldorf.

Er soll 1999 die Schweizer Firma Fundinger für 15.000 Schweizer Franken gekauft haben und sie in die Atlas Unternehmensförderungs AG umgewandelt haben. Seither benutzt Wolfgang Müller die Schweizer Firma für seine dubiosen Geschäfte.

Anlageverträge sind laut Prospekt an die G & M Unternehmensförderung zu schicken. Anleger können sich ab einer Mindestanlagesumme in Höhe von 5.000 Mark mit einer einjährigen Laufzeit an dem "hochrentierlichen Investmentprogramm" der Atlas AG beteiligen. Für die vage als Kurs- und Währungs- sowie Zinsdifferenzgeschäfte beschriebenen Anlagen garantiert sie Anlegern Erträge "von zur Zeit 45 Prozent pro Jahr".

Märchenhafte Geschäfte

Wie die versprochenen hohen Erträge zustande kommen sollen, wird sehr wortreich, aber wenig glaubhaft erklärt: Anleger könnten sich mit Hilfe der Atlas AG an den Geschäften der Großbanken wie zum Beispiel dem Verkauf von Schuldverschreibungen beteiligen.

Dazu heißt es: "Aufgrund internationaler Vorschriften ist es den emittierenden Banken nicht gestattet, solche Papiere auszugeben, ohne dass diese im Voraus bezahlt werden. Auf der anderen Seite ist es wegen gesetzlicher Bestimmungen dem Käufer untersagt, die Papiere zu bezahlen, bevor sie sich in seinem Eigentum befin-den." Deshalb übernehme der private Investor die Zwischenfinanzierung, obgleich diese tatsächlich gar nicht durchgeführt werde. Es genüge lediglich der Nachweis, dass der Kaufpreis für das Papier hinterlegt sei. Da die Abwicklung eines solchen Geschäfts meist weniger als einen Tag dauere, könne das Geld des Anlegers sogar mehrmals täglich eingesetzt werden.

Kuriose Sicherheiten

Die Anlage sei völlig risikolos, suggeriert der Prospekt. Alle Kurs- und Währungsrisiken seien durch feste Stop-Loss-Marken abgesichert. Außerdem bestehe eine Kapitalverlustversicherung bei einer großen deutschen, schweizerischen und englischen Versicherungsgesellschaft. Der Name dieser Versicherung wird Anlegern im Prospekt allerdings verschwiegen.

Vermittlern zeigte Müller eine Versicherungspolice der Global-Enterprise, Vereinigte Internationale Versicherungsgruppe AG, mit Sitz in London. Danach ist seit 1994 bis zum 31. März 2010 eine Depotsumme über 70 Millionen US-Dollar inklusive Zinsen gegen Verlust versichert. Doch die Police hat einen Haken: Sie ist nicht auf die Atlas AG, sondern auf die Schweizer Infin-Invest AG in Horw ausgestellt.

Falscher Prüfbericht?

Ebenso zweifelhaft erscheint ein Kontoführungsbericht, in dem ein als Steuerberater und Professor der Betriebswirtschaft bezeichneter Prüfer namens Josef A. Becker dem Geschäftsführer der Atlas Unternehmensförderung AG für den "Referenzzeitraum" vom 1. Juli 1998 bis zum 31. März 1999 eine ordnungsgemäße Kontoführung und Verwaltung der Anlegergelder bestätigt. Seit der letzten Kontoprüfung im Juli 1998 sei wiederum ein erfreulicher Zuwachs an Anlegern und somit Geldvolumen zu verzeichnen gewesen. Der Bericht enthält weder Adresse, Stempel noch Unterschrift des Prüfers.

Offenbar um Anleger zu beruhigen, wird dort erklärt, dass ein auch im Prospekt aufgeführtes Konto bei der Hypovereinsbank in Dinkelsbühl ausdrücklich mit der Zusatzbezeichnung Treuhandkonto eingerichtet worden sei. Auf Treuhandkonten werden Vermögenswerte wie zum Beispiel Anlegergelder gebucht, die nicht dem Kontoinhaber gehören. Als Verfügungsberechtigte gibt der Bericht die Herren Plath, Kiener und Müller an.

Konto eingefroren

Doch diese Information ist falsch. Die Hypovereinsbank in Dinkelsbühl reagierte überrascht auf die Information, dass bei ihr ein Konto der Atlas AG existieren soll. Das angebliche Treuhandkonto entpuppte sich als ein Privatkonto von Wolfgang Müller. Die Bank hat das Konto eingefroren, sodass zur Zeit keiner davon Geld abheben kann. Die Rechtsabteilung der Münchener Zentrale der Bank prüfe den Fall jetzt, erklärte Hartmut Pfeifer von der Presseabteilung der Bank.

Weitere falsche oder irreführende Angaben finden sich im Prospekt. Auf die Frage etwa, ob das Geld der Anleger verschwinden könne, heißt es, dass der Anleger bei der "Schweizer Kantonalbank" ein eigenes Konto erhalte, auf das die Atlas AG keinen Zugriff habe. Auch das stimmt nicht. Erstens existiert keine Bank mit dem Namen "Schweizer Kantonalbank". Zweitens hatte Müller von der Atlas AG bisher sehr wohl Zugriff auf das Anlegergeld, wenn es auf das Konto der Hypovereinsbank in Dünkelsbühl eingezahlt wurde.

Typisch für einen dubiosen Anbieter sind auch die irreführenden Angaben über Kontoverbindungen und Treuhänder. Die von der Atlas AG angegebenen Bankverbindungen bei der Zuger Kantonalbank gibt es nicht mehr. "Wir haben die von der Atlas AG im Prospekt angegebenen Konten vor etwa einem halben Jahr aufgehoben und werden uns gegen die Nennung unserer Bank im Prospekt der Atlas AG wehren", erklärte der Leiter des Rechtsdienstes der Bank, Guido Speck, am 16. Februar.

Treuhänder erstattet Strafanzeige

Auch Lois Zanoni will nicht im Prospekt der Atlas AG erscheinen. Die Zanoni & Partner AG sei ohne sein Wissen als Treuhandgesellschaft in den Prospekt aufgenommen worden, erklärte der Chef der Gesellschaft. Zanoni will mit der Atlas AG nichts mehr zu tun haben. Er sei als Verwaltungsrat der Atlas Unternehmensförderungs AG im Juli 1999 zurückgetreten, nachdem er die dubiosen Kapitalanlagegeschäfte Müllers durchschaut habe.

So habe Müller zwei Aktienzertifikate der Atlas AG über je 100.000 Schweizer Franken gefälscht und sie einer Nürnberger Firma als Sicherheit für eingelegte Anlegergelder übergeben. Tatsächlich habe das effektive Aktienkapital der Atlas AG jedoch nur die Hälfte und zwar 100.000 Schweizer Franken betragen.

Die Unterschrift unter der Bezeichnung Verwaltungsrat sei unleserlich und stamme nicht von ihm, sagte Zanoni weiter. Er habe gegen Müller bereits im Juli 1999 bei der Staatsanwaltschaft in Ellwangen Strafanzeige wegen Betrugs, Untreue und Urkundenfälschung erstattet.

Müller verweigert Stellungnahme

Müller war zu einer Stellungnahme nicht bereit. Er reagierte weder auf eine schriftlich Anfrage noch auf mehrere Anrufe und Bitten um Rückruf.

Die Stiftung Warentest hat inzwischen sämtliche ihr vorliegenden Unterlagen an Oberstaatsanwalt Harald Stephan in Ellwangen weitergegeben. Die Behörde ermittle gegen die Initiatoren der Atlas AG im In- und Ausland wegen Kapitalanlagebetrugs, sagte Stephan.

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