Asthma-Therapien und Schulung für Kinder: Fit trotz Atemnot

Schulung: Richtig inhalieren

Beherrschte Technik und die richtigen Medikamente sind für den Asthmatiker der Anfang aller Lebensqualität, falsches Inhalieren oder es gar zu vergessen, können das Ende sein: Ein nicht geringer Prozentsatz der etwa
6 000 Menschen, die jedes Jahr in Deutschland an Asthma sterben, hat die Inhalationen ignoriert. Inhalieren ist etwas unbequemer als Tabletten zu schlucken. Mängel und Unterlassungen bei der Eigenbehandlung werden von Ärzten oft nicht genug beachtet. Asthmapräparate wirken gezielt „vor Ort“ in der Lunge – das Ziel erreichen sie nur, wenn sie beim Einatmen nicht zum Beispiel im Rachenraum hängen bleiben, weil der Patient falsch geatmet hat. Hier die häufigsten Fehler – und Empfehlungen:

- Bei Dosieraerosolen werden zu viele Hübe auf einmal genommen. Oder der Abstand zwischen dem ausgelösten Hub und dem Einatmen ist zu groß. Oder es wird hektisch eingeatmet. Oder der Wirkstoff haftet am Gerät, weil es durch Rubbeln elektrostatisch aufgeladen wurde.

+ Das Aerosol schütteln, leicht einatmen und tief ausatmen, das Aerosol zwischen die Zähne nehmen, die Lippen schließen, jetzt gleichtzeitig a) den Hub auslösen und b) ruhig und tief (!) einatmen. Zehn Sekunden die Luft anhalten.

- Bei Inhalationshilfen (wie „Spacer“) wird oft zu lange zwischen Hub und Einatmen gewartet.

+ Den Wirkstoffbehälter schütteln, einen Hub in die Kammer einsprühen und sofort fünf bis sechs ruhige Atemzüge nehmen.

- Bei Pulverinhalaten wird in das Gerät ausgeatmet, der Wirkstoff kann verklumpen.

+ Das Gerät „laden“ (durch Drehen oder Hebeln), zuerst einatmen und ausatmen, dann das Pulverinhalat kräftig und tief (!) einatmen, zehn Sekunden Luft anhalten und ausatmen. Die Anzahl der Inhalationen, die ein Asthmakind normalerweise täglich durchführen muss, ist heute niedriger als früher. Die meisten Kinder kommen mit zwei Inhalationen täglich gut zurecht. Ermöglicht wird dies vor allem durch langwirksame bronchialerweiternde Substanzen (wie Formoterol, Salmeterol), aber auch durch so genannte Leukotrien- Antagonisten in Tablettenform. Heute haben Pulverinhalationen mit großvolumigen Inhalationshilfen (zum Beispiel Nebulator, Volumatic) eine größere Bedeutung als elektrisch unterstützte Verneblungsgeräte (zum Beispiel Pari- Boy). Dennoch ist kein Inhalationsweg überholt. Die Frage, welche Technik die beste ist, hängt vor allem vom Alter des Kindes ab:

• Säuglinge, Kinder bis zwei Jahre: vorrangig Kompressor-Vernebler oder Dosieraerosole mit Baby-Inhalationshilfen (zum Beispiel Babyhaler)
• ab zwei Jahre bis Schulalter: vorrangig Dosieraerosole mit großvolumigen Inhalationshilfen,
• ab Schulalter: vorrangig Pulverinhalationen (zum Beispiel Turbohaler, Diskus). Ehe Präparate verschrieben werden, sollte der Arzt prüfen, ob das Inhalationssystem zum Atemverhalten des Kindes passt.

Nicht nur Technik

Wenn Kinder nicht inhalieren wollen, hilft keine Drohung: Einatmen kann das Kind nur allein. Deshalb spielen "Motivation" und "Familienklima" eine große Rolle. Dr. Bodo Niggemann, Charité: "Mein armes Kind muss inhalieren", heißt es oft. Da fehlt Eltern das Problembewusstsein für die Selbstverständlichkeit. So wie sie ihrem Kind bei Schnee selbstverständlich Handschuhe anziehen, sollte auch das Inhalieren selbstverständlich sein." Also: Liebevolle Konsequenz zeigen.

Asthmaschulungskurse sind eine sehr gute Möglichkeit, aus "Machtspiel-Ritualen" auszusteigen und neue Wege im Umgang mit Asthma zu finden.

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