Arzt­termin Meldung

Karl-Josef Laumann

Die neuen Termin­service­stellen sollen gesetzlich Kranken­versicherten schnell einen Fach­arzt­termin vermitteln und so die Warte­zeit verkürzen. Rund 61 000-mal haben die Stellen das im ersten Halb­jahr 2016 getan. Ein Flop, sagen Ärzte­verbände. Ein Erfolg, sagt Karl-Josef Laumann (CDU), Gesund­heits-Staats­sekretär und Patienten­beauftragter der Bundes­regierung. Im Gespräch mit test.de zieht Laumann eine erste Bilanz und erklärt, warum ihm das Thema Arzt­termin­service wenig Sorgen macht.

Gesetzlich Versicherte haben Anspruch auf einen Fach­arzt­termin

Ärzte­verbände sehen die im Januar einge­führten Termin­service­stellen als Flop. Was sagen Sie?

Laumann: Dem muss ich klar wider­sprechen. Es ist gut, dass es die Termin­service­stellen gibt. Die Ärzte müssen dafür sorgen, dass die gesetzlich Versicherten einen Fach­arzt­termin bekommen, wenn sie ihn brauchen. Gesetzlich Versicherte sind keine Patienten zweiter Klasse. Sie sind es, die unser Gesund­heits­system in erster Linie finanzieren. Sie dürfen bei der Termin­vergabe nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag vertröstet werden, während Privatversicherte bevor­zugt werden. Durch Einführung der neuen Service­stellen haben alle gesetzlich Versicherten das Recht auf Vermitt­lung eines Fach­arzt­termins: Inner­halb von vier Wochen, wenn der Haus­arzt dies auf der Über­weisung fest­stellt. Und wenn es nicht so dringend ist, inner­halb einer angemessenen Frist.

61 000 Vermitt­lungen – sind Sie damit zufrieden?

Laumann: Noch besser wäre es natürlich, wenn die Termin­vergabe auch ohne Termin­service­stellen klappen würde. Außerdem bin ich froh, dass es nicht 200 000 gewesen sind. Denn dann hätten wir bei der fach­ärzt­lichen Versorgung ein erhebliches Problem. Die Termin­service­stellen sind gut in Fahrt gekommen. Sie sind ein großer Fort­schritt beim Patienten­schutz. Ohne sie hätten offen­bar 61 000 Menschen keinen Fach­arzt­termin erhalten, obwohl sie ihn dringend benötigten.

Regionale Unterschiede bei der Erreich­barkeit

Womöglich gibt es nicht mehr Vermitt­lungen, weil die Service­stellen nicht gut erreich­bar sind.

Laumann: Man muss differenzieren. Es gibt Regionen, etwa in Brandenburg, da gibt es sehr kurze Öffnungs­zeiten. In anderen Regionen ist das anders. Beschwerden über die Erreich­barkeit halten sich bisher in Grenzen.

Ab Januar sollen die Termin­service­stellen auch Termine beim Psycho­therapeuten vermitteln.

Laumann: Ja, sowohl bei ärzt­lichen als auch bei psycho­logischen Psycho­therapeuten. Das ist offen­bar dringend notwendig. Mir wird über Fälle berichtet, wo Patienten mehr als zwölf Wochen auf einen Termin warten müssen. Dies ist unzu­mutbar.

Die Anreize, Privatpatienten zu bevor­zugen, bestehen aber weiter.

Laumann: Das muss jeder Arzt für sich entscheiden. Die private Kranken­versicherung zahlt Ärzten für die gleiche medizi­nische Leistung mehr als die gesetzliche Kranken­versicherung. Dennoch müssen gesetzlich Versicherte einen Termin bekommen, wenn sie ihn brauchen. Wir tasten ja nicht die Leistungen für Privatversicherte an, wir stärken die gesetzlich Versicherten.

Medizi­nische Versorgungs­zentren als Alternative

Fach­ärzte sind oft nicht in den Regionen, wo sie gebraucht werden. Daran können auch Termin­service­stellen nichts ändern.

Laumann: Ärzte sind in Deutsch­land nicht immer gerecht verteilt. Bei Fach­ärzten macht mir das weniger Sorgen als bei Haus­ärzten. Bei Fach­ärzten haben wir immer noch das Ventil Kranken­haus, wo ein Patient behandelt werden kann, wenn keine Fach­arzt­praxis da ist. In einigen Regionen betreiben Krankenhäuser schon Arzt­praxen. Sie haben Medizi­nische Versorgungs­zentren gegründet. Das ist mir lieber, als wenn die ärzt­liche Versorgung nicht ausreichend sicher­gestellt ist.

Tipp: Mehr Informationen zu den Termin­service­stellen gibt es im Special Termin beim Facharzt (Tabelle Terminservicestellen).

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