Werbung: Enge Grenzen für die deutschen Ärzte

So nach und nach werden alte Zöpfe abgeschnitten. Die deutschen Ärzte, weltweit am strengsten per Berufsordnung zum dezenten Wirken verdonnert, dürfen mittlerweile ausführlicher über sich und ihre Heilkunst informieren. Und das auch mit Foto. Erlaubt ist das allerdings nur im Internet. 1997 lockerte der Deutsche Ärztetag für den Auftritt auf den Webseiten das seit 80 Jahren geltende Werbeverbot. Hier darf der Doktor auf der Homepage nicht nur Alter, Sprachkenntnisse, Konfession und Praxisausstattung verraten, sondern auch besondere Untersuchungs- und Behandlungsmethoden, Qualifikationen und spezielle Erfahrungen nennen. Alles Zusatzinfos, die Patienten sonst in der Regel nicht über ihren Doc erfahren. Diese Informationen können auch Auskunftsdienste weitergeben - so der Arzt will und in der Regel auch dafür zahlt.

Für das Praxisschild und die Praxisräume sowie die Gelben Seiten des Telefonbuchs tolerieren die Ärzteorganisationen nur wenige Angaben: Erlaubt sind über 40 Facharztbezeichnungen (wie Frauenarzt, Allgemeinmediziner, Orthopäde), 18 Schwerpunkte (zum Beispiel Chirurg mit Schwerpunkt Gefäßchirurgie, Internist mit Schwerpunkt Kardiologie, Orthopäde mit Schwerpunkt Rheumatologie) und 23 Bereiche (wie Homöopathie, Naturheilverfahren, Phlebologie). Ob sich der Arzt allerdings zum Beispiel mit Diabetes, Migräne oder Suchtkrankheiten - immerhin Volksleiden - auskennt und fortgebildet hat, darf er nicht öffentlich kundtun. Die Bundesärztekammer fürchtet bei zusätzlichen Nennungen von ärztlichen Fähigkeiten "Exzesse auf dem Praxisschild".

Übrigens: Wenn Ärzte werben dürften, bekämen sie einen größeren Vertrauensvorschuss als herkömmliche Reklame. Das ergab eine Studie der Freiburger Albrecht-Ludwigs-Universität. Arztwerbung empfinden die Bundesbürger als "sinnvoller, informativer, weniger irreführend und weniger überflüssig" als das Anpreisen anderer Dienstleistungen.

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