Arztsuche Meldung

Wer einen Arzt sucht, kann in der Datenflut schier ertrinken. Oft müssen Informationen teuer bezahlt werden. Doch nicht immer sind sie gut.

Der besorgte Daddy rief aus dem fernen Atlanta in den USA an: "Meine Tochter studiert in Berlin. Sie braucht einen Arzt, der sich mit Essstörungen auskennt und sehr gut Englisch spricht." Der Berliner Gesundheitslotsendienst konnte ihm und vor allem seiner Tochter helfen - der passende Doktor wurde gefunden. Der Lotsendienst der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) gibt bereits seit 1988 Berliner Patienten Orientierungshilfe bei der Suche nach einem Mediziner. Wo gibt es eine Ernährungsberatung, wer bietet Hypnose oder Akupunktur an, wer untersucht auch samstags - das sind nur einige der mehr als 21.000 Anfragen jährlich.

Lange galten die KV-Lotsen von der Spree bundesweit nicht nur als vorbildlich, sondern im wahrsten Sinn des Wortes als einmalig. Die Exklusivität haben sie verloren. Mittlerweile gibt es eine wahre Schwemme von überwiegend kommerziellen Dienstleistern, die über Telefon-Hotline oder per Mausklick im Internet Rat suchenden Patienten bundesweit Arztadressen vermitteln. Der Boom der neuen Branche (Ärzte Zeitung: "Die Anbieter sprießen wie Pilze aus dem Boden") begann, als vor drei Jahren das Werbeverbot gelockert, die Internetpräsenz erlaubt wurde. Seitdem dürfen Auskünfte über Mediziner etwas offenherziger ausfallen. Patienten - das zeigt die hohe Nutzung dieser Dienste - haben ein großes Bedürfnis nach verlässlichen Informationen über die fast 125.000 niedergelassenen Ärzte und die etwa 50.000 Zahnärzte. Bei der Arztauskunft der gemeinnützigen Stiftung Gesundheit zum Beispiel werden täglich 500 Anfragen auf der kostenlosen Telefonleitung beantwortet. Und auch beim Unternehmen topmedic sind es trotz der relativ hohen Telefongebühren (2,42 Mark pro Minute) immerhin auch noch bis zu 200 Auskünfte pro Tag.

Sie finden die unterschiedlichen Arztauskunft-Anbieter aufgelistet - ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Alle Angaben sind Selbstauskünfte der Unternehmen, die kaum zu vergleichen sind. Auf dem Feld tummeln sich große und kleine Firmen, Stiftungen und so genannte Mitgliedervereine, Krankenkassen und große Medizindienstleister, die mehrere Millionen Mitglieder von gesetzlichen und privaten Krankenkassen umfassend beraten und informieren. Vorsicht ist manchmal geboten: Die gelieferten Informationen über die Ärzte sind von sehr unterschiedlicher Qualität, der kostenlose Grundeintrag in die Datei geht über Branchenbuch-Informationen nicht hinaus. Ausführlichere Angaben über Therapie- und Diagnose-schwerpunkte basieren meist auf eigenen Angaben der Ärzte, die diese Einträge bezahlen müssen. Ob tatsächlich immer eine neutrale Kontrolle auf Richtigkeit erfolgt, ist fraglich. Und - wichtigster Punkt - über die medizinischen und menschlichen Qualitäten der Ärzte können die Dienste keine Angaben machen.

Viele Fragezeichen. Sicher ist: Es handelt sich um einen lukrativen Markt. Die Bundesärztekammer schätzt, dass der Handel mit Medizininformationen jährlich an die 100 Millionen Mark Umsatz bringt. Dazu tragen aber sicher auch die Info-Hotlines zu Gesundheitsfragen bei (wie Profifon und InfoGenie).

Bislang hatte sich die Ärztevertretung eher im Gerichtssaal mit den Suchdiensten beschäftigt, allerdings wurden ihre Klagen in der Regel abgewiesen. Jetzt, so Professor Christoph Fuchs, Hauptgeschäftsführer der Bundesärztekammer, wollen die Mediziner den Wettbewerb mit den kommerziellen Anbietern offensiv angehen. Denn die 17 regionalen Ärztekammern verfügen als einzige über ein lückenloses und immer aktuelles Verzeichnis aller niedergelassenen Ärzte und ihrer Qualifikationen. In Bremen, Münster und Hamburg gibt es bereits Beratungsstellen, weitere sind im Aufbau. Fuchs ist überzeugt: "Die Kammern werden über die Qualität ihrer Dienstleistung die Position als Marktführer erreichen." Allerdings könnten den ärztlichen Berufsorganisationen noch die Vereinigungen der niedergelassenen Kassenärzte (die 23 für die Verteilung der Honorare zuständigen Kassenärztlichen Vereinigungen) Konkurrenz machen. Denn der Berliner Gesundheitslotsendienst soll bald auch in anderen Städten Nachahmer bekommen.

Glückliche Patienten - bald umfassend über ihre Behandler informiert? Kennen sie die Qualifikation, wissen sie aber noch lange nichts über die Qualität der Therapie und des Therapeuten. Und über die gibt es nach wie vor bei keiner Auskunftsstelle Informationen. Und schließlich muss auch die Chemie zwischen Arzt und Patient stimmen: Wenn es in dieser Beziehung kriselt, ist auch der Heilerfolg gefährdet. Dr. Angela Maienborn, Leiterin der Bürgerinformationsstelle der Ärztekammer Westfalen-Lippe: "Die meisten Klagen von Patienten über Ärzte betreffen nicht ihre fachliche Kompetenz, sondern Kommunikationsprobleme, mangelnde Aufklärung und Zuwendung."

Was einen guten Arzt ausmacht, darüber gehen die Meinungen auseinander. Deshalb sollte sich jeder über seine Wunschvorstellungen schon vorher Gedanken machen.

Zur ersten Orientierung einige Merkpunkte:

• Funktioniert die Organisation reibungslos? Gute Terminvereinbarung verhindert lange Wartezeiten, die Wartezimmeratmosphäre ist angenehm, das Praxispersonal freundlich. Es gibt eine Notfallsprechstunde. Macht der Arzt auch Hausbesuche?

• Hat der Arzt Zeit zum Zuhören? Probleme und Fragen (am besten schon daheim notieren) werden ernst genommen. Fragt er auch nach möglichen Ursachen der Erkrankung im Berufs- oder Privatleben?

• Klappt die Verständigung ohne Fachchinesisch? Werden Untersuchungsschritte und Diagnosen, Röntgenbilder und Laborergebnisse, Wirkung und auch Nebenwirkungen verschriebener Medikamente verständlich erklärt, Therapiemaßnahmen ausführlich besprochen, mögliche Alternativen der Behandlung aufgezeigt?

• Empfiehlt der Arzt für wichtige Entscheidungen eine Bedenkzeit?

• Alleskönner gibt es nicht: Im Zweifelsfall überweist der Arzt an Kollegen anderer Fachgebiete.

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