Arzthaftung Meldung

Streiten Patientin und Arzt um ­Nebenwirkungen der Pille, muss der Arzt vor Gericht plausibel machen, dass er auf die Risiken hingewiesen hat.

Verschreiben Ärzte Medikamente, müssen sie auf Risiken und Nebenwirkungen hinweisen. Diese Pflicht haben sie auch, wenn bereits der Beipackzettel des Präparats vor den Risiken warnt.

Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) im Falle einer Patientin entschieden, die einen Schlaganfall erlitten hatte (Az. VI ZR 289/03). Zuvor hatte ihre Gynäkologin ihr wegen Menstruationsbeschwerden das Verhütungsmittel Cyclosa verschrieben, das laut Beilage bei Raucherinnen über 30 Jahre zu Schlaganfällen und Herzinfarkten führen kann. Darauf hatte die Ärztin nicht hingewiesen.

Zwei Monate nach der Verschreibung kam der Schlaganfall. Angesichts der möglichen Folgen hätte die Ärztin das Risiko aber selber ansprechen müssen, meint der BGH. Nur so hätte die Patientin eine autonome Entscheidung über Rauchen, Nichtrauchen und die Pilleneinnahme fällen können.

Die Patientin kann nun mit Schadenersatz und Schmerzensgeld rechnen; der BGH hat den Fall zur endgültigen Entscheidung an die Vorinstanz zurückverwiesen.

Patienten, die meinen, aufgrund fehlender Aufklärung geschädigt worden zu sein, sind vor Gericht in einer günstigen Beweissituation. „Im Streitfall muss der Arzt plausibel darlegen, dass die Aufklärung erfolgte“, erklärt der Kölner Rechtsanwalt Olaf Walter. Das ist schwierig, wenn die Aufklärung über besondere Risiken nicht dokumentiert ist. „Er kann dann das Gericht oft nur überzeugen, wenn etwa die Arzthelferin bezeugt, dass er in gleichen Fällen immer aufklärte.“

Tipp: Auf Arzthaftung spezialisierte Anwälte nennt die Anwaltskammer. Zuvor sollten Sie den Fall Ihrer Krankenkasse schildern. Mitunter hilft der medizinische Dienst.

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