Arznei­ver­ordnungs-Report Meldung

Rund 32 Milliarden Euro haben die gesetzlichen Krankenkassen 2010 für Medikamente ausgegeben. Dabei könnten die Kassen Milliarden sparen, wenn Ärzte preis­wertere Arzneien verschreiben würden. Welche Medikamente wirk­sam und preisgünstig sind, steht unter www.medikamente-im-test.de und im Handbuch Rezeptfreie Medikamente.

Besonders teuer: Patent­geschützte Arznei­mittel

Die Daten­grund­lage für jüngst veröffent­lichten Arznei­ver­ordnungs-Report 2011 lieferte das Wissenschaftliche Institut der AOK. Dafür wertete es mehr als 700 Millionen Arznei­mittel­ver­ordnungen für gesetzlich Kranken­versicherte aus. Die Heraus­geber, Ulrich Schwabe und Dieter Paffrath, kommen zu dem Schluss: Deutsch­lands Ärzte haben im Jahr 2010 nicht mehr Medikamente verordnet als im Jahr zuvor, doch mehr teure Präparate. Das sind unter anderem patent­geschützte Arznei­mittel zum Beispiel für Diabetes-, Krebs- oder Asth­mapatienten. Für sie konnten die Hersteller bisher in den meisten Fällen einen beliebig hohen Preis von den Kassen verlangen. Für Medikamente mit neuen Wirk­stoffen soll sich das nun ändern: Seit Anfang 2011 ist das Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes in Kraft, wonach Hersteller jetzt Nutzenbelege für neue Arznei­mittel vorlegen müssen. An diesen Nutzenbelegen orientieren sich letzt­lich die Kosten.

Einsparungen durch Generika

Die Heraus­geber des jähr­lich erscheinenden Reports legen dar, dass es ein Einspar­potenzial von 4,7 Milliarden Euro gibt. Dafür müssten Ärzte unter anderem noch konsequenter preis­werte Generika verschreiben. Das sind Medikamente, die einem Originalarznei­mittel „nachgebaut“ sind, das nicht mehr dem Patent­schutz unterliegt. Sie haben den identischen Wirk­stoff und Patienten können damit in den meisten Fällen genauso gut behandelt werden. Generika machten 2010 schon 71 Prozent aller für gesetzlich Versicherte verschriebenen Medikamente aus. Pharmaunternehmen verdienen daran aber immer noch deutlich mehr als anderswo: So sind die führenden deutschen Generika im Durch­schnitt 90 Prozent teurer als in Groß­britannien. Das ergab ein exemplarischer Preis­vergleich im Rahmen des Arznei­ver­ordnungs-Reports.

Auch Analogpräparate treiben Kosten in die Höhe

Einsparen könnten die Kassen auch bei so genannten Analogpräparaten. Das sind neuzugelassene Medikamente, die gegen­über älteren Arznei­mitteln nur gering­fügig chemisch verändert sind. Meist sind sie nicht besser als die Original-Arznei­mittel, deren Patent­schutz abge­laufen ist und die mitt­lerweile als preis­wertere Generika auf dem Markt existieren. Da Analogpräparate unter Patent­schutz stehen, gibt es sie allerdings nicht als güns­tige Generika.

Rabatt­verträge wirken

Dass die Arznei­mittel­ausgaben von 2009 zu 2010 lediglich nur um 1 Prozent gestiegen sind, führen die Heraus­geber des Reports auf gesetzliche Sparmaß­nahmen zurück. Noch größere Kosten­steigerungen verhindern auch die Arznei­mittel­rabatt­verträge: Seit 2007 schließen Krankenkassen Direkt­verträge mit Pharmafirmen ab und erzielen so Preis­vorteile für bestimmte verschriebene Medikamente.

Neues Hand­buch Rezept­freie Medikamente

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Auch bei rezept­freien Medikamenten gibt es Unterschiede im Preis. Güns­tige Medikamente, die wirk­lich helfen gegen Blasen­beschwerden, Kopf­schmerz, Schlafstörungen und Co., finden Sie im Handbuch Rezeptfreie Medikamente der Stiftung Warentest. Darin sind über 1 900 Mittel mit Preis­angaben und kritischer Bewertung aufgeführt. Dazu gibt es Hinweise zu Wechsel- und Neben­wirkungen – und wann ein Arzt­besuch erforderlich ist.

Alles zu Medikamenten erfahren Sie auch aus der Arznei­mittel­daten­bank der Stiftung Warentest www.medikamente-im-test.de. Darin sind über 9 000 Medikamente für 185 Anwendungs­gebiete inklusive fort­laufend aktualisierte Preise gelistet. Preis­vergleiche können kostenfrei abge­rufen werden.

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