Arzneimittelmarkt Meldung

Pharmamarkt: Rezeptpflicht bringt mehr.

Pharmafirmen versuchen, Arzneien wieder in die Verschreibungspflicht zu bekommen. Aus Sorge vor Umsatzeinbußen.

Nicht-verschreibungspflichtige Arzneimittel dürfen seit Jahresbeginn nicht mehr verordnet werden. Das schmälert den Umsatz. Deshalb wollen etliche Firmen ihre Mittel wieder rezeptpflichtig werden lassen. Der „Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht“ entschied aber nur bei drei von zwölf Anträgen positiv: Die Rezeptpflicht soll wieder gelten bei Wirkstoffen wie Kaliumbromid für Epileptiker, Salzen der Folinsäure als Injektion für Krebs- und Rheumakranke sowie bei 4-(Aminomethyl-) Benzoe­säu­re zum Auflösen von Blutgerinseln.

Es gibt auch Versuche, Wirk­stoffe aus der Verschrei­bungs­pflicht zu entlassen. Denn für frei verkäufliche Mittel dürfen Hersteller werben. Der Ausschuss hat hier zum Teil grünes Licht gegeben. So soll Nikotin als Lutschtablette zur Raucherentwöhnung nicht mehr auf dem Rezeptblock auftauchen und die Halstablette Flurbiprofen auch nicht. Welche Mit­tel aus dem Selbstmedikationsbe­reich in Zukunft noch verschrieben werden können („Kleine Positivliste“), soll im April entschieden sein. Vermutlich gehören dazu Azetylsalizylsäure (bis 300 mg pro Tablette) bei Herz-Kreislauferkrankungen, Johanniskraut bei depressiven Verstim­mungen, Jodid- und Kalziumtabletten bei Schilddrüsenerkrankungen bzw. Os­teoporose sowie mit Einschränkungen Homöopa­thi­ka und anthroposophische Mittel. Dass rezeptfreie Mittel in der Regel nicht mehr von Kassen bezahlt werden, soll etwa eine Milliarde Euro einsparen – so bei Immunstimulantien, Venen- und pflanzlichen Lebermitteln.

Dieser Artikel ist hilfreich. 248 Nutzer finden das hilfreich.