Arznei­mittel­fälschungen Meldung

Das Europäische Parlament will Patienten besser vor Arznei­mittel­fälschungen schützen – mit Sicher­heits­codes auf Medikamenten­packungen und Sicher­heits­logos für Online-Apotheken. Die Maßnahmen sind beschlossen, treten aber frühestens in 18 Monaten in Kraft. test.de sagt, wie sich Verbraucher heute schon schützen können.

Lukrativer als Heroin­handel

Seit einigen Jahren tauchen in der Europäischen Union mehr und mehr gefälschte Arznei­mittel auf. Gehandelt werden sie vor allem über das Internet, vereinzelt gelangen sie aber auch in Vor-Ort-Apotheken. Das Geschäft mit den Pseudo-Pillen scheint sich noch mehr zu lohnen als der Drogen­handel. Ein Kilo gefälschtes Viagra bringt laut Bundes­ver­einigung Deutscher Apotheker­verbände auf dem Schwarz­markt 90 000 Euro – fast doppelt soviel wie ein Kilo Heroin. Doch werden längst nicht mehr nur Life­style-Medikamente wie dieses Potenz­mittel gefälscht, sondern zunehmend auch lebens­notwendige Arznei­mittel, etwa gegen Krebs oder HIV. Möglicher­weise enthalten sie Verunreinigungen, vielleicht auch zu viel, zu wenig, gar keinen oder den falschen Wirk­stoff. Dann ist die Einnahme im besten Falle wirkungs­los, im schlimmsten Fall lebens­gefähr­lich.

Kenn­zeichen für Medikamente und Online-Apotheken

Deshalb sollen EU-Bürger fortan besser vor gefälschten Arznei­mitteln geschützt werden. Das Europa­parlament verabschiedete diesen Mitt­woch ein entsprechendes Gesetz. Demnach sollen verschreibungs­pflichtige Arznei­mittel und rezept­freie Medikamente mit hohem Fälschungs­risiko einen Sicher­heits­code auf der Verpackung tragen, der die Echt­heit bestätigt und beim Verkauf in der Apotheke über­prüft wird. Zum anderen sollen die EU und ihre Mitglieds­staaten im Internet Register mit vertrauens­würdigen, also behördlich genehmigten Versand­apotheken einrichten. Diese sollen zudem durch ein einheitliches Sicher­heits­logo auf der Website für Verbraucher aus der ganzen EU erkenn­bar sein. Doch handelt es sich bei all diesen Maßnahmen um Zukunfts­musik. Denn der Rat der Regierungen der EU-Mitglieds­staaten muss dem neuen Gesetz noch zustimmen. Und dann bleiben für die Umsetzung 18 Monate Zeit.

Schon heute seriöse Versender erkennen

Doch schon heute können sich Verbraucher schützen: Das Deutsche Institut für Medizi­nische Dokumentation und Information (Dimdi) bietet bereits ein Register und ein Sicher­heits­logo für behördlich zugelassene Versand­apotheken (www.dimdi.de). Die meisten davon befinden sich in Deutsch­land, einige auch in europäischen Nach­barländern wie Holland. Grund­sätzlich gelten Versender aus außer­europäischen Ländern als unsicher. Insgesamt gewinnen Internet­apotheken in Deutsch­land zunehmend an Kunden. Binnen eines Jahres hat sich die Zahl derer, die Medikamente über das Internet beziehen, um fast 30 Prozent auf neun Millionen erhöht. Das teilte der Branchen­verband Bitkom heute in Berlin mit.

Tipps

  • Prüfung. Auch wenn Sie eine Online-Apotheke für seriös halten, sollten Sie sich deren Website vorm Bestellen genau anschauen. Es muss dort ein Impressum mit der voll­ständigen Adresse, dem Namen des verantwort­lichen Apothekers sowie der zuständigen Aufsichts­behörde und Apothekerkammer geben, ferner eine Beratungs-Telefon­nummer und allgemeine Geschäfts­bedingungen (AGB).
    Test Vor-Ort- und Versandapotheken: Selten gut beraten (test 05/2010)
  • Sicherheit. Achten Sie auch darauf, dass das Bestellen über eine verschlüsselte Verbindung erfolgt (SSL-Verfahren, dabei erscheint "https" in der Adress­zeile des Browsers).
  • Illegal. Meiden Sie Online-Shops, die Ihnen verschreibungs­pflichtige Medikamente ohne Rezept verschi­cken wollen oder anbieten, ein Rezept zu besorgen. Denn das ist nach deutschem Recht eindeutig kriminell und eine Gefahr für Ihre Gesundheit.
Arznei­mittel­fälschungen Meldung
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