Fall 4: Abhängig­keit

Arznei­mittel im Alter Test

Wirk­lich schlaflos? Schlaf­mittel können selbst Schlaflosig­keit verursachen.

Die 79-jährige Frau bekommt drei Medikamente gegen Diabetes. Da sie schlecht schläft, schluckt sie abends Flurazepam und Baldrian.

Problem. Flurazepam zählt zu den Benzodiazepinen. Sie sind laut Priscus-Liste im Alter problematisch, dämpfen das Denk­vermögen und fördern Stürze. Und Ärzte sollen sie nur wenige Wochen verordnen, damit keine Abhängig­keit entsteht. Die liegt bei der Patientin wohl vor – sie nimmt das Mittel mehr als ein Jahr.

Lösung. Ein Entzug. Um Patienten dazu zu moti­vieren, hilft es, wenn Ärzte die Neben­wirkungen erläutern. So können die Mittel selbst schlaflos machen. Beim Entzug wird die Dosis schritt­weise verringert – stationär oder ambulant, etwa bei Psychiatern oder auch Haus­ärzten. Nähere Infos geben auch Sucht­beratungs­stellen (www.bzga.de/service/beratungsstellen/suchtprobleme). Wichtig, damit ein Entzug gelingt: Schlafhygiene. So sollten Senioren tags möglichst aktiv sein und das Bett nur zum Schlafen nutzen. Solche Regeln helfen laut neuen Studien erstaunlich gut. Vielleicht nützt der Patientin auch ihr Baldrian allein – und das Wissen, dass Senioren nicht mehr so viel Schlaf brauchen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 99 Nutzer finden das hilfreich.