Arznei­mittel im Alter Test

Knapp 1 000 Menschen ab 65 Jahren beant­worteten alle Fragen unserer Umfrage zu Arznei­mitteln im Alter. Vielen Dank! Das Ergebnis: Gut jeder dritte Befragte nimmt fünf oder mehr Medikamente. Und jeder zehnte schluckt Arznei­mittel, die für Senioren möglicher­weise unge­eignet sind. Der Artikel „Arznei­mittel im Alter“ führt diese problematischen Arznei­stoffe alpha­betisch auf und nennt ausschließ­lich jene Alternativen, die die Stiftung Warentest als geeignet bewertet.

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TestArznei­mittel im Altertest 09/2013
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Medikamenten-Einnahme bereitet Probleme

Die Arznei­mittel-Umfrage verlangte von den Teilnehmern einigen Einsatz. Zunächst galt es die Namen aller aktuellen – verschreibungs­pflichtigen wie rezept­freien – Medikamente zu notieren, dann Dosis und Darreichungs­form sowie Wirk­stoff anzu­geben, und schließ­lich fest­zuhalten, wie oft und seit wann die jeweilige Arznei einge­nommen wird. 996 Menschen ab 65 Jahre füllten den Fragebogen aus. Meist handelte es sich um männ­liche „junge und fitte Senioren“ im Alter von 65 bis 75 Jahren, die nicht pflegebedürftig sind und in den eigenen vier Wänden leben. Trotzdem zeigen sich bei ihnen bereits typische Probleme, die bei der Arznei­mittel­therapie im Alter auftreten können. So gaben 12 Prozent der Befragten an, sie hätten Schwierig­keiten, Medikamente aus der Packung zu nehmen. 14 Prozent fällt es schwer, ihre Tabletten zu halbieren – was die Dosier­genauigkeit beein­trächtigen kann. Noch gravierender sind Probleme durch zu viele oder problematische Medikamente.

Mit jedem Präparat steigt das Risiko für Wechsel­wirkungen

Arznei­mittel im Alter Test

So viele Medikamente nehmen die Umfrage­teilnehmer ein.

Gut jeder dritte Befragte nimmt fünf und mehr Medikamente ein (siehe Grafik). Bei 10 Prozent sind es sogar acht und mehr. Diese Ergeb­nisse stehen in Einklang mit anderen Studien. Demnach schlu­cken ältere Patienten krank­heits­bedingt mehr Medikamente als jüngere. Aber Ärzte sollten möglichst zurück­haltend verordnen: Mit jedem Präparat steigt das Risiko für Wechsel­wirkungen, die dann erwünschte Arznei­mittel­effekte ausbremsen oder unerwünschte ankurbeln können. Ein Beispiel: Viele – auch rezept­freie – Schmerz­mittel wie Azetylsalizylsäure (ASS), Diclofenac oder Ibuprofen können bei längerem Gebrauch Magen­bluten auslösen. Das Risiko steigt durch die Einnahme von Blut­verdünnern, etwa ASS (nied­rig dosiert), Clopidogrel, Dabigatran, Rivaroxaban oder Phen­procoumon. Viele Patienten brauchen solche Mittel zum Schutz vor Herz­infarkt, Schlag­anfall oder Thrombose. So bekommen allein 7 Prozent der Umfrage-Teilnehmer Phen­procoumon. Wer Blut­verdünner benötigt, sollte also Schmerz­mittel besonders zurück­haltend verwenden – oder ärzt­lichen Rat einholen.

Priscus-Liste nennt problematische Arznei­stoffe

Grund­sätzlich vertragen Senioren Medikamente schlechter als jüngere Menschen. Das liegt unter anderem daran, dass die Niere viele Arznei­mittel nicht mehr so schnell ausscheidet, so dass sie länger im Körper bleiben und stärker wirken. Zu den typischen Neben­wirkungen zählen Magen-Darm-Beschwerden, Schlafstörungen, Schwindel, Benommenheit, Unruhe, gedämpftes Denken und Erinnern sowie Stürze. Immerhin 25 Prozent der Befragten vermuten, dass einige ihrer Beschwerden durch Medikamente bedingt sind. Manche Arznei­stoffe können im Alter besonders schaden. Sie stehen auf der sogenannten Priscus-Liste, die deutsche Forscher 2010 veröffent­lichten. Die Liste umfasst 83 problematische Wirk­stoffe, nennt aber auch Alternativen – und Schutz­maßnahmen, falls ein Mittel unver­meid­bar ist. Der Artikel „Arznei­mittel im Alter“ stellt die Liste vor und nennt ausschließ­lich jene alternativen Wirk­stoffe, die die Stiftung Warentest als „geeignet“ bewertet. Das soll Ärzten, Apothekern und Patienten als Hilfe­stellung dienen.

Schlaf- und Beruhigungs­mittel sind besonders verbreitet

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Diese problematischen Arznei­mittel werden am häufigsten einge­nommen.

Immerhin 10 Prozent der Umfrage-Teilnehmer bekommen problematische Medikamente von der Priscus-Liste. Laut anderen Studien betrifft das sogar etwa jeden vierten Senior. Meist werten solche Unter­suchungen Daten der Krankenkassen aus, erfassen also auch hoch­betagte und pflegebedürftige Menschen – anders als die Umfrage auf test.de. Am häufigsten nahmen die Befragten Wirk­stoffe, die unter dem Ober­begriff Benzodiazepine und Z-Drugs zusammengefasst werden (siehe Grafik). Sie helfen beim Schlafen, lindern Angst und Unruhe – und machen süchtig. Auf Dauer tun die vermeintlichen Heil­mittel also oft nicht gut. Zu den gefürchteten Neben­wirkungen, gerade bei Älteren, zählen gedämpftes Denk­vermögen und erhöhtes Sturzrisiko. Deshalb sollen Ärzte die Mittel nur für kurze Zeit verordnen und bereits abhängig gewordene Patienten zum Entzug moti­vieren. Dabei wird die Dosis schritt­weise verringert. Nähere Infos geben auch Suchtberatungsstellen. Am zweithäufigsten nach den Benzodiazepinen nehmen die Befragten den Wirk­stoff Doxazosin, der bei Blut­hoch­druck sowie Prostata­beschwerden zum Einsatz kommt, gefolgt vom Antide­pressivum Amit­riptylin sowie dem Schmerz­mittel Etoricoxib. Auch laut einer 2012 erschienenen Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido) verordnen Ärzte diese drei Wirk­stoffe von der Priscus-Liste besonders oft. Für alle drei gibt es jedoch besser verträgliche Alternativen.

Ärzte und Apotheker zeigen wenig Einsatz

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Das wissen die Befragten über die Priscus-Liste.

Dass manche Arznei­mittel für ältere Menschen unge­eignet sein können, scheinen die meisten zu wissen. Nur 21 Prozent der Befragten haben noch nicht davon gehört (siehe Grafik). Die anderen wissen von dem Problem – vor allem aus den Medien, deutlich seltener vom Haus- oder Fach­arzt, geschweige denn vom Apotheker. Heilberufler scheinen also wenig über das Thema zu informieren. Gerade einmal 19 Prozent der Umfrage-Teilnehmer gaben an, über Wechsel­wirkungen mit anderen Medikamenten informiert worden zu sein, als sie zuletzt in ihrer Stamm­apotheke ein neues Rezept einlösten. Und nur 56 Prozent berichteten, der Haus­arzt habe in den vergangenen zwölf Monaten mit ihnen über ihren Medikamenten-Mix gesprochen. Solche jähr­lichen Arznei­mittel-Checks werden von Gesund­heits­experten aber durch­aus empfohlen. Schließ­lich bekommen viele Patienten ihre Medikamente von verschiedenen Ärzten verschrieben und kaufen zusätzlich noch auf eigene Faust rezept­freie Medikamente. Ein Haus­arzt sollte hier den Über­blick behalten und das Zusammen­spiel der Medikamente regel­mäßig über­prüfen. Wenn er das nicht von sich aus tut, sollte der Patient aktiv darum bitten.

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