Arzneimittel Meldung

Zahlen Sie auch zu viel für Ihre Medikamente? Hausapotheke, Internet und Spargesetze sollen Patienten entlasten. Doch das gelingt nur zum Teil.

Krank sein ist teuer. Vor allem gesetzlich Versicherte, die auf Medikamente angewiesen sind, merken das. Obwohl die Ärzte sparsamer verordnen, wird Arznei teurer: Allein im ersten Halbjahr 2006 lagen die Kassenausgaben für Medikamente bei 11,9 Milliarden Euro – die durchschnittlichen Ausgaben je Mitglied sind um 5,1 Prozent höher als im ersten Halbjahr 2005.

Versicherte trifft es doppelt: Für rezeptpflichtige Arzneien müssen sie 5 bis 10 Euro pro Packung zuzahlen, 2005 kostete die Versicherten das insgesamt rund 2,4 Milliarden Euro. Und rezeptfreie Mittel zahlen sie gleich selbst und gaben dafür weitere 6,7 Milliarden Euro aus.

Jede Chance zum Sparen ist also willkommen. Finanztest hat deshalb verschiedene Möglichkeiten geprüft, um das private Arzneimittelbudget zu schonen.

Online bis 30 Prozent sparen

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Nimmt unser Beispielpatient statt des teureren Markenprodukts eine billigere Alternative, entfällt die Zuzahlung von 5 Euro pro Packung. Wenn er auf Dauer täglich zwei Tabletten einnehmen muss, spart er im Jahr 35 Euro.

Nimmt unser Beispielpatient statt des teureren Markenprodukts eine billigere Alternative, entfällt die Zuzahlung von 5 Euro pro Packung. Wenn er auf Dauer täglich zwei Tabletten einnehmen muss, spart er im Jahr 35 Euro.

Sparen bei rezeptfreien Arzneien können vor allem Internetnutzer. Einige Mittel gibt es bei Versandapotheken deutlich unter dem empfohlenen Apothekenpreis. Bei Bestellungen etwa bei Sanicare, Europa-Apotheek oder der Apotheke zur Rose sind Rabatte bis zu 25 oder 30 Prozent drin.

Auch verschreibungspflichtige Arzneien können Kunden übers Internet bestellen. Sie müssen das Rezept per Post einschicken. Die Versandapotheken bieten oft Boni, die die Zuzahlung von 5 bis 10 Euro pro Packung teilweise ausgleichen.

Noch weiter will die Internetapotheke Sanicare zusammen mit einigen Kassen gehen. Versicherte dieser Kassen erhalten Zuzahlungsgutscheine. Schickt der Patient sein Rezept zusammen mit dem Gutschein bei Sanicare ein, entfällt die gesamte Zuzahlung. Dagegen hatte die Wettbewerbszentrale geklagt. Doch das Landgericht Osnabrück entschied: Die Versandapotheke darf die Gutscheine weiterhin ausstellen.

Apothekenketten nicht erlaubt

„Offline“ kommt der Kunde an solche Schnäppchen aber nicht ran. Patienten, die keinen Internetzugang haben oder die akut erkrankt sind und ihre Arznei sofort brauchen, kaufen fast immer teurer ein.

Apothekenketten, die wie Supermärkte im Großhandel Mengenrabatte aushandeln könnten, sind in Deutschland verboten. Ein Apotheker darf maximal drei Filialen besitzen.

Das niederländische Unternehmen Doc Morris versucht, dieses Gesetz zu kippen. Seine erste Apotheke in Saarbrücken wurde aber im September dieses Jahres bis zur endgültigen gerichtlichen Klärung wieder geschlossen.

Ob Patienten auf Dauer Vorteile von Arzneidiscountern hätten, ist ohnehin fraglich. Wenn beispielsweise Pharmahersteller eigene Apothekenketten betreiben, können sie noch stärker Auswahl und Preise der angebotenen Mittel bestimmen.

Hausapotheke: Spareffekt gering

Wer weiter in der traditionellen Apotheke einkauft, soll nach dem Willen der Kassen wenigstens eine kleine Sparmöglichkeit haben: Versicherte der Barmer Ersatzkasse, einiger Betriebs- und Ortskrankenkassen können sich auf eine Hausapotheke festlegen, die mit der Kasse kooperiert.

Wer das tut, bekommt gegen geringe Gebühren einige Serviceleistungen wie Blutdruck- oder Blutzuckermessen. Außerdem führt die Apotheke Buch über alle Medikamente, die er einnimmt, und warnt, wenn eine neue Verordnung sich mit den bisherigen Mitteln oder mit Allergien nicht verträgt.

Das ist guter Service, spart aber kein Geld. Einen Rabatt in Höhe von 3 bis 5 Prozent bekommen eingeschriebene Kunden von ihrer Hausapotheke nur für „apothekenübliche Waren“ wie Kosmetika oder Hustenbonbons. Rabatte auf rezeptfreie Arzneimittel sind nicht vorgesehen.

Zuzahlungsfreie Mittel

Sparhilfe bei rezeptpflichtigen Medikamenten soll ein Gesetz geben, das seit 1. Juli in Kraft ist: Bei bestimmten Arzneimitteln entfällt die Zuzahlung, wenn ihr Preis um einen bestimmten Betrag unter dem Festbetrag liegt. Festbeträge sind Erstattungsobergrenzen, bis zu denen die Kassen Arzneimittel mit einem bestimmten Wirkstoff bezahlen.

Mehr als 2 600 verschreibungspflichtige Arzneien sind schon zuzahlungsfrei. Ständig kommen neue hinzu, da die Hersteller ihre Preise alle 14 Tage anpassen und viele ihre Mittel jetzt billiger verkaufen. Unsere Internetdatenbank mit preiswerten Arzneimitteln (www.medikamente-im-test.de) wird deshalb ebenfalls regelmäßig aktualisiert.

Doch bisher greift das Sparmodell noch nicht. Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht und in der Liste vom 1. September zuzahlungsfreie Alternativen zu den vier meistverordneten Mitteln gesucht. Das sind das Schmerzmittel Voltaren, das vor allem Rheumapatienten nehmen, und seine preiswertere Alternative Diclofenac-ratiopharm, das Schilddrüsenhormon L-Thyroxin Henning und Nexium Mups, ein Mittel gegen Sodbrennen. Ergebnis unserer Suche: Für keines dieser Mittel gibt es eine zuzahlungsfreie Alternative.

Momentan nutzt das Gesetz nur wenigen, beispielsweise Menschen, die morphinhaltige Schmerzmittel brauchen. Ab dem 1. November kommen deutlich mehr Patienten in den Genuss zuzahlungsbefreiter Arzneien. Dann fallen 130 weitere Wirkstoffgruppen unter die Befreiungsregel, unter anderem einige Antidepressiva oder blutdrucksenkende Mittel. Der Bundesverband der Betriebskrankenkassen hofft, dass Versicherte dadurch im nächsten Jahr insgesamt rund 218 Millionen Euro weniger zuzahlen als bisher.

Aufzahlung vermeiden

Eine finanzielle Belastung lässt sich aber fast in jedem Fall vermeiden: die Aufzahlung. Liegt der Preis eines Arzneimittels über dem von den Kassen übernommenen Festbetrag, muss der Patient die Differenz aus eigener Tasche drauflegen – zuzüglich zur gesetzlichen Zuzahlung.

Das ist eine unnötige Mehrbelastung, die Versicherte vermeiden können. Für jede Wirkstoffgruppe gibt es Mittel, die zum Preis des Festbetrags erhältlich sind.

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