Wechselwirkungen

Statistisch kommen bei gesetzlich Krankenversicherten zu neun verordnungspflichtigen Medikamenten pro Jahr nochmal elf freiverkäufliche Präparate. Fatal: Behandelnde Ärzte wissen oft nicht, was Patienten zusätzlich in der Apotheke kaufen. Und Apothekern ist meist nicht bekannt, welche verordneten Mittel Kunden sonst noch nehmen. Gerade ältere Menschen nehmen häufig viele Arzneimittel aus unterschiedlichen Wirkstoffgruppen ein. Dadurch besteht die Gefahr, dass Arzneien die Wirkung anderer Mittel verstärken oder abschwächen. Wer viel einnimmt, sollte die Wechselwirkungen kennen.

Gravierende Wirkungen möglich

Nicht immer muss es zu negativen Wirkungen kommen, wenn Patienten mehrere Mittel gleichzeitig einnehmen. Doch es besteht die Gefahr, dass die Medikamente entweder zu Wechselwirkungen führen oder aber unerwünschte Wirkungen heftiger und häufiger auftreten. Als Faustregel gilt: Für eine gute Verträglichkeit sollten nicht mehr als vier Wirkstoffe nebeneinander eingenommen werden. Das sieht in der Realität - gerade bei älteren Menschen anders aus. Laut einer Studie nehmen ältere Menschen oft fünf bis acht, oder sogar 13 und mehr Wirkstoffe pro Tag ein. Immerhin: In Deutschland wird jeder zwanzigste Krankenhauspatient wegen unerwünschter Arzneimittelwirkungen behandelt. Daher sollten Patienten ihre Ärzte und auch Apotheker immer informieren, welche Medikamente sie einnehmen. Den Beipackzettel zu lesen reicht dagegen nicht aus. Hersteller nennen dort alle jemals bekannt gewordenen Wechsel- und Nebenwirkungen. Für Patienten ist es aber schwierig, Wichtiges von Formalrechtlichem zu trennen. Die folgenden Beispiel zeigen, welche Mittel sich nicht vertragen:

  • Azetylsalizylsäure (ASS). Die schmerzlindernde und entzündungshemmende Azetylsalizylsäure kann die Wirkung von Medikamenten dämpfen oder verstärken. Die gleichzeitige Einnahme von ASS und gerinnungshemmenden Mitteln wie Marcumar oder Heparin erhöht die Blutungsgefahr.
  • Abführmittel. Diese Präparate können die Wirkung von Herzmitteln verstärken. Herzrhythmusstörungen sind die Folge.
  • Johanniskraut. Etliche Präparate wirken bei gleichzeitiger Einnahme von Johanniskraut nicht mehr zuverlässig. Das gilt beispielsweise für die Antibaby-Pille.
  • Ibuprofen. Seit kurzem weist die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA auf eine weitere Wechselwirkung hin. Nehmen Patienten regelmäßig höher dosierte Schmerzmittel wie Ibuprofen und niedriger dosiertes ASS ein, ist die herzschützende Wirkung der Azetylsalizylsäure nicht immer gewährleistet. ASS soll niedrig dosiert als „Blutverdünner“ vor Herzinfarkt und Schlaganfall schützen. Die Empfehlung lautet daher: Patienten sollten Ibuprofen entweder acht Stunden vor oder eine halbe Stunde nach ASS einnehmen.

Vorsicht bei Lebensmitteln

Es gibt aber nicht nur Medikamente, die sich gegenseitig beeinflussen. Auch mit Nahrungsmitteln müssen Patienten manchmal vorsichtig sein. Beispiele dafür sind:

  • Grapefruitsaft. Er erhöht die Wirkung von Medikamenten, etwa Kopfschmerz- und Schlafmittel, um bis zu 70 Prozent. Bei Mitteln zur Senkung der Blutfettwerte steigt die Rate der Nebenwirkungen.
  • Alkohol. Die Wirkung von Schlafmitteln wie Zopiclon und Benzodiazepinen kann Alkohol verstärken. Bei Antiallergika wie Cetirizin nehmen die Nebenwirkungen zu.
  • Vitamin-K. Mittel zur Blutverdünnung vertragen sich nicht mit Lebensmitteln, die einen hohen Vitamin-K-Gehalt haben. Dazu gehören Broccoli, Kohlsorten (auch Sauerkraut) und Innereien. Problematische Effekte treten aber nur auf, wenn diese in großen Mengen verzehrt werden.
  • Kalzium/Magnesium. Bisphosphonate zur Osteoporosebehandlung sollen nicht zusammen mit kalziumhaltigen Flüssigkeiten eingenommen werden. Das sind etwa Milch(produkte), kalzium- oder stark magnesiumhaltige Mineralwässer.
  • Milchprodukte. Wer Milchprodukte isst, muss Antibiotika wie Tetrazykline sowie Chinolone zeitlich versetzt einnehmen.
  • Koffein. Mittel gegen psychische Störung sollten nicht mit Kaffee eingenommen werden.
  • Lakritze. Wer wasserausschwemmende Mittel gegen Bluthochdruck einnimmt, soll Lakritze allenfalls in kleinen Mengen verzehren.
  • Kaffee/Tee. Bei der Einnahme von Eisenpräparaten gegen Blutarmut sind Kaffee und Tee tabu, da sie die Aufnahme von Eisen aus dem Darm hemmen.

Verständlich erklärt

Harmlos oder nicht - wer kein Fachmann ist, kann mit den aufgeführten Neben- und Wechselwirkungen im Beipackzettel meist wenig anfangen. Das Online-Portal Medikamente im Test hilft bei der „Übersetzung“. Neben- und Wechselwirkungen sind hier praxisnah nach Relevanz und Gefährlichkeit sortiert. Zusätzlich erhalten Patienten eine verständliche Anleitung, wie sie bei auftretenden Komplikationen vorgehen sollen.

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