Arzneimittel Meldung

Seit 1. Juli dürfen in Deutschland mehr als 5 000 Medikamente nicht mehr verkauft werden. Ein Marktverbot in diesem Umfang hat es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nicht gegeben. Grund für den drastischen Schritt: Die Wirksamkeit der betroffenen Medikamente ist nicht wissenschaftlich nachgewiesen. Auch bekannte Mittel sind betroffen. Streichliste und Termin sind seit mehr als zwei Jahren bekannt. Dennoch sind viele Ärzte und Patienten jetzt verunsichert. Das ist nach dem Urteil von Fachleuten jedoch unbegründet. Der Bremer Arzneimittelexperte Professor Gerd Glaeske sieht in dem Verbot vielmehr eine längst überfällige Marktbereinigung: „Insgesamt ist das eine Maßnahme im Sinne des Verbraucherschutzes.“

Löschlisten: bereits im Juni 2001 veröffentlicht

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hatte bereits im Juni 2001 so genannte Löschlisten veröffentlicht. Sie enthielten mehr als 5 000 Präparate, deren Wirksamkeit nicht in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen worden war. Bei vor 1978 auf den Markt gekommenen Mitteln war das in Deutschland nicht nötig, jetzt aber ist es EU-weit Pflicht. Die Hersteller hätten für die betroffenen Medikamente nachträglich ein Zulassungsverfahren einleiten müssen. Darauf haben sie verzichtet. Nach Erscheinen der Listen durften die darin genannten Arzneimittel noch zwei Jahre verkauft werden. Seit dem 1. Juli ist damit Schluss.

Patienten: Sorge unbegründet

Besonders betroffen: Natur- und Pflanzenheilmittel, aber auch andere, darunter Spasmo-Nervogastrol, Spasmo-Solugastril, Peru-Lenicet-Salbe, Dermatol Puder oder Aknefug simplex, Erkältungsmittel wie Wick Kinder Formel 44 Hustenlöser und Hustenstiller, Wick Vaporub Erkältungscreme. Etliche Patienten reagieren darauf verunsichert. Besonders, wenn sie solche Mittel seit Jahren kennen und eingenommen haben. Ihre Sorge ist jedoch nach Überzeugung von Arzneimittelexperte Glaeske unbegründet: „In vielen Fällen wurden inzwischen ähnliche Medikamente zugelassen, teilweise unter fast identischem Namen.“ Andere Mittel auf der Liste hätten nur noch geringe Bedeutung gehabt. Dass die Hersteller auf die Nachzulassung verzichtet hätten, sei daher eher eine Reaktion auf den Markt. Ihr Verschwinden bedauert Glaeske nicht: „Viele der Medikamente hätten schon längst aus den Regalen gehört.“

Weitere 120 Mittel: Aus zum Jahresende

Für weitere 120 Medikamente läuft Ende des Jahres die Zeit ab. Liegt bis dahin keine Zulassung vor, müssen auch sie vom Markt verschwinden. Die Liste der jetzt verbotenen 5 000 Präparate sowie der zum Jahresende betroffenen Mittel bietet das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte Medizinprodukte zum Download.

Sicherheit: erst Ende 2004

Aber das ist erst der erste Schritt hin zur Bereinigung des deutschen Arzneimittelmarktes. Im zweiten Schritt müssen noch einmal mehr als 5 000 Präparate im Rahmen der Nachzulassung bearbeitet werden. Diese Arbeit soll voraussichtlich bis Ende 2004 abgeschlossen sein. Erst danach können Verbraucher sicher sein, dass alle im Markt befindlichen Arzneimittel nach dem derzeit geltenden Arzneimittelgesetz geprüft und zugelassen wurden.

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