Arzneimittel 2004 Meldung

Arzneimittelpreise kommen in Bewegung: Bei Mitteln zur Selbstbehandlung können sie gesenkt werden. Der Versandhandel wird beim Preiskampf mitmischen. Für Medikamente auf Rezept werden im neuen Jahr aber höhere Zuzahlungen verlangt.

Selbstmedikation: Apotheker können die Preise nicht rezeptpflichtiger Arzneimittel, die nicht mehr verschreibungsfähig sind, jetzt selbst festle­gen. Die Preisbindung entfällt. Es geht vor allem um Grippe- und leichte Kopfschmerzmittel, Beruhigungspillen, Magen- und Abführmittel. Deren Preise waren bisher durch die Lauer-Taxe, das Preisverzeichnis für Apotheken, vorge­schrie­­ben. Sie sind nun frei kalkulierbar. Preisreduzierungen wird es nach Erwartung der Branche bei umsatzstarken Mitteln wie ACC akut, Aspirin, ASS ratiopharm, Meditonsin, Rennie oder Voltaren geben.

Bei einem Schmerzmittel für 7,98 Euro verbleiben in der Apotheke etwa 2,50 Euro. Apotheker fürchten eine Discount-Strategie. Beispiel: Im Mai 2001 fiel in England die Preisbindung für nicht verschreibungspflich­tige Arzneimittel. Unmittelbar danach senkten die großen Supermarkt-Apotheken die Preise um bis zu 50 Prozent, die Einzelapotheken hielten ihre Preise stabil, verloren aber an den Einzelhandel. Da in Deutschland Supermärkte nur ein kleines Sortiment frei verkäuflicher Arzneimittel verkaufen dürfen (wie Vitamintabletten oder pflanzliche Mittel), in Apotheken zudem Preiswerbung nicht erlaubt ist, wird sich nach Meinung von Marktbeobachtern zwar nicht allzu viel ändern. Zu rechnen sei jedoch zum Beispiel mit Preisaktionen von Apotheken in Einkaufsgemeinschaften.

Versandhandel: Ab 2004 sind Versandapotheken legalisiert. Verschiedene (neue) Anbieter werden Preisaktionen starten.

Verschreibungspflichtige Arzneimittel: Hier gibt es eine Reform der Preisbindung. In Zukunft verdient die Apotheke an kostengünstigen und teuren Arzneimittel das Gleiche. Nach der bisherigen Preisspannenverordnung waren die Gewinne bei bestimmten teuren Präparaten besonders hoch, so bei Bluterprodukten, Interferonen, Enzympräparaten oder Krebsarzneimitteln. Der Fixaufschlag beträgt nun unabhängig vom Einkaufspreis des Arzneimittels immer 8,10 Euro zuzüglich eines dreiprozentigen Aufschlags auf den Einkaufspreis. Den gesetzlichen Krankenkassen muss der Apotheker 2 Euro Rabatt einräumen.

Durch diese Reform der Preisbindung werden allerdings preiswerte Generika (Nachahmerpropdukte) teurer. „Es wird in Zukunft kein rezeptpflichtiges Arzneimittel mehr geben, das den zuzahlungspflichtigen Patienten weniger als 5 Euro kostet“, sagt Dr. Dietmar Buchberger, Hauptge­schäfts­führer beim Deutschen Generikaverband. Beispiel Beruhigungsmittel Diazepam, 5 mg, 20 Tabletten: Es ist heute als Generikum für 1 Euro erhältlich und wird demnächst 9,97 Euro kosten. Das wird vom Generikaverband heftig kritisiert, von den Kassen aber begrüßt: Die Apothekertätigkeit werde vom Anreiz hoher Arzneipreise getrennt, teure Arznei könnte sogar billiger werden.

Tipp: Fragen Sie bei Mitteln der Selbstmedikation stets nach dem preiswertesten und nach Reimporten: Sie sind meist besonders günstig. Welche Mittel geeignet und preiswert sind, finden Sie unter www.medikamente-im-test.de.

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