Artischockenpräparate Meldung

Ein südliches Gemüse, dessen "Herz" und zarter Blütenboden vor allem Gourmets ansprechen, wird zunehmend für Patienten gehandelt - in Pillenform.

Artischockenblätter und das fleischige Artischockenherz kommen üblicherweise für Feinschmecker auf den Tisch - zum Eintunken der Blätter und Häppchen in allerlei Soßen und zum Auslutschen. Oder als Kräuterschnaps zum Abschluss einer deftigen Mahlzeit.

Ein weiteres Feld der Vermarktung eröffnet die Kräutertmedizin. "Fördern Sie Ihre Fettverdauung!", ruft die Werbung für Artischockenpräparate vernehmlich.

Sechs Gramm pro Tag

Die arzneilich wirksamen Inhaltsstoffe der Artischocke in Tabletten- oder Kapselform sind Hydroxyzimtsäuren und der bei der Verarbeitung entstehende Bitterstoff Cynarin. Der steckt geschmacksfördernd auch in Aperitifen und Bitterlikören. Weiterhin sind Sesquiterpenlactone mit Bitterstoffcharakter und Flavonoide enthalten, Pflanzenfarbstoffe, von denen einige antimikrobiell und antioxidativ wirken, andere östrogenähnlich.

Dass Artischockenblätter als traditionelle Heilpflanze verdauungsfördernd und gegen Blähungen wirksam sind sowie auf die Gallentätigkeit anregend wirken können, hat die Aufbereitungs- und Zulassungskommission E für die Behandlung mit Heilpflanzen beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte bestätigt. Die Kommission forderte allerdings, dass die mittlere Tagesdosis bei sechs Gramm der Wirkstoffe liegen solle, egal, ob sie zu Pulver getrocknet oder als Saft gepresst wurden. Die Anwendungspalette umfasst vor allem vier Indikationen:

Galle: Artischockenblätter regen vermutlich die Gallenabsonderung an, haben eine so genannte choleretische Wirkung: Die Galle wird unter anderem zur Aufnahme von Fetten aus dem Darm ins Blut benötigt. Choleretika steigern die Gallesekretion und den Gallefluss.

Leber: Auf die Leber soll Artischockenblätterextrakt schützende und regenerationsfördernde Wirkung haben ­ klinische Untersuchungen liegen allerdings nicht vor.

Verdauung: Die Kommission E beim früheren Bundesgesundheitsamt hat die Anwendungsbereiche für Artischockenblätter bei Verdauungsbeschwerden zusammengefasst und berücksichtigt verschiedene Befindensstörungen wie etwa Bauchschmerzen, Druck- und Völlegefühl, Aufstoßen, Sodbrennen, Appetitlosigkeit, Verstopfung, Blähungen, Übelkeit, Erbrechen.

Cholesterin: Dass die Blätter cholesterinsenkend, triglyceridsenkend sein und die Cholesterinsynthese hemmen sollen, wird diskutiert, die entsprechenden Ergebnisse beruhen aber teilweise auf älteren Tierexperimenten.

Risiken

Auf keinen Fall sollten Artischockenpräparate bei einem Verschluss der Gallenwege eingenommen werden. Bei Gallensteinen den Arzt fragen.

Gelegentlich können Artischocken mittelstarke Allergien auslösen: Bekannt sind zum Beispiel allergische Ekzeme der Hände bei Artischokkenpflückern und Gemüsehändlern.

Fazit: Moderne wissenschaftliche Studien zur behaupteten Heilwirkung fehlen bislang noch. Die Hersteller sollten zudem einen standardisierten Mindestgehalt der Wirkstoffe festlegen.

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