Argentinienanleihen Meldung

Besitzer von Argentinienanleihen dürfen hoffen. Nach den Wahlen im südamerikanischen Pleiteland kommt neue Bewegung in die Umschuldungsverhandlungen. In Deutschland drängen ein Bankenkonsortium und zwei Anlegerorganisationen an den Verhandlungstisch mit Argentinien. Sie bieten Privatanlegern an, ihre Interessen zu vertreten.

Internationale Vertretung von Anlegern

Die Hypovereinsbank hat eine Initiative deutscher und internationaler Banken ins Leben gerufen und die Argentine Bond Restructuring Agency (Abra) gegründet. Diese will für private Anleger direkt verhandeln. Vertreter der Abra werden mit den Finanzministerien der G7-Länder, dem Internationalen Währungsfonds und der französischen Bank Lazard Frères am Tisch sitzen. Lazard Frères vertritt Argentinien.

Umtausch in Zertifikate

Anleger, die sich der Initiative anschließen wollen, müssen ihre Anleihen gegen Zertifikate der Abra tauschen. Das geht bei jeder Bank. Die Einlieferungsfrist endet am Dienstag, 17. Juni. Mit dem Tausch gehen die Rechte der Anleihen an Abra über, der Anleger behält das wirtschaftliche Eigentum. Für die Abwicklung muss der Anleger 1 Prozent vom Nennwert Provision bezahlen, dazu 0,3 Prozent vom Nennwert als Zuteilungsgebühr. Sollten sich die Umschuldungsverhandlungen länger als ein Jahr hinziehen, fallen im zweiten Jahr zusätzliche Provisionen in Höhe von 0,075 vom Nennwert Prozent pro Quartal an. Das dritte Jahr wäre kostenlos.

Provision für Unterhändler

Verlaufen die Verhandlungen erfolgreich, bekommt das Verhandlungsteam der Abra 20 Prozent Erfolgsprovision. Der Erfolg wird daran gemessen, wie sich der Kurs der Argentinien-Anleihen von kurz vor Beginn der Einlieferungsfrist bis zum Schluss der Verhandlungen entwickelt. Die Provisionen fallen erst nach dem Abschluss der Umschuldungsverhandlungen an. Die Abra will erreichen, dass nicht der Anleger, sondern Argentinien die Gebühren übernimmt. Sollten die Verhandlungen erfolglos bleiben, bekommen die Anleger ihre Anleihen wieder zurück, ohne dass Kosten anfallen. Wer seine Anleihen vorzeitig wieder haben will, muss eine einprozentige Rückabwicklungsgebühr bezahlen.

Gemeinsamkeit macht stark

Nach Abschluss der Verhandlungen werden die Zertifikate gegen die Anleihen zurückgetauscht. Die Verhandlungsergebnisse gelten nur für Anleger, die Anleihen eingeliefert haben. Die anderen müssen auf ein Angebot der argentinischen Regierung warten. Es ist denkbar, aber nicht sicher, dass dieses alternative Angebot der argentinischen Regierung ähnlich ausfällt wie das Verhandlungsergebnis der Abra. Abra strebt eine Verhandlungsmasse von über einer Milliarde Euro an.

Privatanleger am Ende

Argentinien ist mit knapp 100 Milliarden Euro verschuldet. 7 Milliarden Euro stehen allein in Deutschland auf dem Spiel. Sie gehören vor allem Privaten. Deren Einfluss am Verhandlungstisch wäre ohne Hilfe jedoch gering. „Ich gehe davon aus, dass die Argentinier zunächst den IWF und die Weltbank bedienen werden, denn von diesen wollen sie in Zukunft neue Kredite haben“, sagt Adam Lerrick, Verhandlungsleiter der Bankeninitiative. „Danach werden wohl die einheimischen Banken bezahlt, dann die Amerikaner und erst zum Schluss kommen die europäischen Privatanleger an die Reihe.“

Unterstützung von der DSW

Die Arbeitsgemeinschaft Argentinien-Anleihen der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW-AAA) unterstützt die Initiative. „Nach unserer Überzeugung steigen damit die Chancen für Privatanleger“, sagt Thomas Hechtfischer. In der DSW-AAA sind 6.000 Anleger und ein Kapital von 400 Millionen Euro vertreten. Die Interessengemeinschaft Argentinien (IGA) dagegen versucht es auf eigene Faust. „Wir sind im Gespräch mit Lazard Frères“, sagt IGA-Gründer Stefan Engelsberger. Ihm missfällt an der Initiative der Hypovereinsbank die seiner Ansicht nach komplizierte Konstruktion über Zertifikate. Anleger, die ihre Anleihen wieder haben wollen, müssen vier bis fünf Arbeitstage darauf warten und können auf kurzfristige Ereignisse nicht reagieren. Die IGA vertritt 300 Mitglieder und ein Kapital von 200 Millionen Euro.

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