Argentinienanleihen Meldung

Argentiniens Zentralbank unter Beschuss. Die Anleger sind ­wütend. Und das Gezerre um die Staatsanleihen geht weiter.

Besitzer von Argentinienanleihen dürfen hoffen. Nach den Wahlen im ­südamerikanischen Pleiteland kommt neue Bewegung in die Umschuldungsverhandlungen. In Deutschland drän­gen ein Bankenkonsortium und zwei Anlegerorganisationen an den Verhandlungstisch mit Argentinien.

Die Hypovereinsbank hat eine Initiative deutscher und internationaler Banken ins Leben gerufen und die Argentine Bond Restructuring Agency (Abra) gegründet. Diese will für private Anleger direkt verhandeln. Vertreter der Abra werden mit den Finanzministerien der G7-Länder, dem Internationalen Wäh­rungsfonds und der französischen Bank Lazard Frères am Tisch sitzen. Sie vertritt Argentinien.

Anleger, die sich der Initiative anschließen wollen, müssen ihre Anleihen gegen Zertifikate der Abra tauschen. Das geht bei jeder Bank. Die Einlieferungsfrist endet am 17. Juni 2003. Mit dem Tausch gehen die Rechte der Anleihen an Abra über, der Anleger behält das wirtschaftliche Eigentum.

Nach Abschluss der Verhandlungen werden die Anleihen gegen die Zertifikate zurückgetauscht. Die Verhandlungsergebnisse gelten nur für Anleger, die Anleihen eingeliefert haben. Die anderen müssen auf ein Angebot der argentinischen Regierung warten. Abra strebt eine Verhandlungsmasse von über einer Milliarde Euro an.

Argentinien ist mit knapp 100 Milliarden Euro verschuldet. 7 Milliarden Euro stehen allein in Deutschland auf dem Spiel. Sie gehören vor allem Privaten. Deren Einfluss am Verhandlungstisch wäre ohne Hilfe jedoch gering. „Ich gehe davon aus, dass die Argentinier zunächst den IWF und die Weltbank bedienen werden, denn von diesen wollen sie in Zukunft neue Kredite haben“, sagt Adam Lerrick, Verhandlungsleiter der Bankeninitiative. „Danach werden wohl die einheimischen Banken bezahlt, dann die Amerikaner und erst zum Schluss kommen die europäischen Privatanleger an die Reihe.“

Die Arbeitsgemeinschaft Argentinien-Anleihen der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW-AAA) unterstützt die Initiative. „Nach unserer Überzeugung steigen damit die Chancen für Privatanleger“, sagt Thomas Hechtfischer. In der DSW-AAA sind 6 000 Anleger und ein Kapital von 400 Millionen Euro vertreten.

Die Interessengemeinschaft Argentinien (IGA) dagegen versucht es auf eigene Faust. „Wir sind im Gespräch mit Lazard Frères“, sagt IGA-Gründer Stefan Engelsberger. Die IGA vertritt 300 Mitglieder und ein Kapital von 200 Millionen Euro.

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