Argentinien steht vor einem Dilemma: Ein US-Gericht hat das Land verurteilt, zunächst 1,3 Milliarden Dollar an zwei Hedgefonds zu zahlen, ehe es seine anderen Anleihegläubiger bedienen darf. Zum Zins­termin am 30. Juni gingen die Anleger daher leer aus. Das Geld für die Zinsen ist zwar da, es liegt bei der Bank of New York Mellon – die es aber auf Geheiß des Gerichts nicht weiterleiten darf. Bis Ende Juli kann Argentinien die Zahlung noch nach­holen, sonst droht eine erneute Staats­pleite.

Pleite und Umschuldung

Die Vorgeschichte: Argentinien hatte Ende 2001 seine Zahlungs­unfähigkeit erklärt, nachdem das Land Schulden von mehr als 100 Milliarden Dollar aufgehäuft hatte. Betroffen waren auch zahlreiche deutsche Anleger, die ihre Erspar­nisse in argenti­nische Anleihen gesteckt hatten. 2005 legten die Argentinier ein Umschuldungs­angebot vor, das die meisten Gläubiger annahmen und dabei auf mehr als zwei Drittel ihrer Forderungen verzichteten. Ein zweites Umschuldungs­angebot für noch verbliebene Anleger folgte 2010.

Deutsche Anleger auf sich selbst gestellt

Das Problem sind nicht die 1,3 Milliarden Dollar an sich, sondern die Folgen. Der Fall könnte schät­zungs­weise Forderungen von weiteren rund 14 Milliarden Dollar nach sich ziehen. Auch andere Anleger, die – wie die beiden Hedgefonds – Anleihen nach amerikanischem Recht gekauft und nicht umge­tauscht haben, könnten nun ihr Geld einfordern. Für deutsche Anleger, die beide Umschuldungs­angebote ausgeschlagen hatten, sieht die Sache anders aus. Sie haben in der Regel nach deutschem Recht begebene Anleihen gekauft. „Es gibt einige deutsche Anleger, die erfolg­reich geklagt haben und auf voll­streck­baren Titeln sitzen“, sagt Thomas Hecht­fischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Bisher habe aber noch keiner von ihnen es geschafft, seine Forderungen einzutreiben. Anders als die amerikanischen Anleger haben die deutschen allerdings auch keine Bank, die in die Pflicht genommen wurde. Statt­dessen müssen sie selbst versuchen, an Geld oder argenti­nische Wert­gegen­stände heran­zukommen. Mit einem Segelschulschiff hatten sie es schon versucht – vergeblich. Auch von Stühlen, die am argenti­nischen Stand auf einer Tourismus­messe standen, war die Rede.

Anleger im Warte­stand

Argentinien versucht wohl, mit den Hedgefonds eine Einigung zu erzielen. Wie eine solche aussehen könnte, ist unklar. Klar ist, dass die Regierung dabei aufpassen muss. Legt sie ein Angebot vor, das besser ist als das Umschuldungs­angebot von 2005, greift die Nachbesserungs­klausel: Dann müssten im Nach­hinein auch die Anleger, die das Umschuldungs­angebot angenommen hatten, besser gestellt werden. Das will Argentinien vermeiden, um sich nicht plötzlich wieder einem horrenden Schulden­berg ausgesetzt zu sehen. Das zweite Umschuldungs­angebot von 2010 war nicht besser als das erste, damals gab es das Problem nicht. Thomas Hecht­fischer von der DSW hat zwar Zweifel daran, dass eine Einigung mit den Hedgefonds als verbessertes Angebot im Sinne der Klausel ausgelegt werden könnte. Doch wie es aussieht, spielt die argenti­nische Regierung auf Zeit. Ende des Jahres läuft die Nachbesserungs­klausel ab.

Tipp: Anlegern, die eines der Umschuldungs­angebote angenommen haben, bleibt vor­erst nichts als abzu­warten, bis Argentinien wieder zahlt. test.de hält Sie über neue Entwick­lungen auf dem Laufenden.

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