Arbeitszimmer Meldung

Wer daheim ein Arbeitszimmer braucht, hat jetzt wieder die Chance auf eine Steuererstattung. Seit 2007 durften viele Arbeitnehmer die Kosten für ihr Arbeitszimmer nicht mehr abrechnen. Jetzt hat das Bundesverfassungsgericht entschieden: Das Abzugs­verbot verstößt teilweise gegen die Ver­fassung. Der Gesetzgeber muss das wieder ändern.

Lehrer und Außendienst-Mitarbeiter profitieren

Vor allem Lehrer, Außendienst-Mitarbeiter und Meisterschüler bleiben seit 2007 auf den Kosten sitzen, weil das Arbeitszimmer nicht Mittelpunkt ihrer beruflichen Tätigkeit ist. Vorher konnten sie zumindest bis zu 1  250 Euro im Jahr beim Finanzamt als Werbungskosten abrechnen. Nun verlangt das Bundesverfassungsgericht eine Neuregelung vom Bundesfinanzminister (BVerfG, Az. 2 BvL 13/09).

900 Euro für Arbeitszimmer nicht anerkannt

Arbeitszimmer Meldung

Die Berliner Lehrerin Heike Schachmann hat die Kosten fürs Arbeitszimmer nach dem Urteil schnell geltend gemacht. Sie bringen ihr rund 250 Euro Steuern zurück.

Für den Sieg sorgte ein Hauptschullehrer aus Westfalen. Er klagte gegen seinen Steuerbescheid beim Finanzgericht Münster, weil das Finanzamt in seiner Steuererklärung knapp 900 Euro für sein Arbeitszimmer nicht berücksichtigt hatte. Der Englisch-, Mathe- und Techniklehrer braucht das Arbeitszimmer, um täglich seinen Unterricht vorzubereiten – auch um Experimente auszuprobieren. Außerdem stehen dort seine rund 120 Fachbücher. Dass der Mann auf den Ausgaben allein sitzenbleiben soll, obwohl er für seine Unterrichts­vor­bereitungen keinen anderen Arbeitsplatz hat, leuchtete den Finanzrichtern nicht ein. Sie legten den Fall den Verfassungsrichtern vor (Az. 1 K 2872/08 E).

Wenn kein anderer Arbeitsplatz verfügbar ist

Der Lehrer konnte sogar nachweisen, dass er gezwungen ist, daheim zu arbeiten. All seine Anträge auf einen Arbeitsplatz in der Schule lehnte die Schulbehörde ab. Er habe darauf kein Anrecht, antwortete die Behörde. Dieses Schreiben überzeugte die Verfassungsrichter, dass der Lehrer auf das Arbeitszimmer zuhause angewiesen ist.

Diese Übergangsregeln gelten jetzt

Nach der positiven Entscheidung der Verfassungsrichter muss erst eine Neuregelung Bundestag und Bundesrat passieren. Bis es so weit ist, gelten nach einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums die Übergangsregeln (IV A 3 - S 0338/07/10010-03):

  • Bis 1 250 Euro nachgewiesene Kosten im Jahr kann jeder in seiner Steuererklärung abrechnen, sofern er keinen Arbeitsplatz für die Arbeiten hat, die er dort erledigt.
  • Der Steuerbescheid bleibt in dem Punkt vorläufig. Das Finanzamt zahlt die Steuererstattung für das Arbeitszimmer aus.
  • Eine vorläufige Steuererstattung kann der Steuerzahler auch für seine offenen Steuerbescheide aus den vergangenen Jahren seit 2007 beim Finanzamt beantragen.
  • Sieht die Neuregelung einen geringeren Höchstbetrag vor, verlangt das Amt den zu viel erstatteten Betrag zurück und fordert auch 0,5 Prozent pro Monat Zinsen, wenn die Änderung lange auf sich warten lässt.

Tipp: Sie sollten mit einer Bestätigung von Ihrem Chef belegen, dass Sie bei ihm keinen Arbeitsplatz für die Tätigkeiten haben, die Sie in Ihrem Arbeitszimmer erledigen.

Keine Chancen hat, wer trotz eines Arbeitsplatzes beim Chef zuhause arbeitet. Dass das Arbeitszimmer dann nicht zählt, beanstandeten die Verfassungsrichter nicht.

Streit um unbegrenzten Abzug

Weiter streiten müssen viele, die ihre Kosten fürs Arbeitszimmer unbegrenzt absetzen wollen. Sobald zur Heimarbeit Außendienst kommt, spielt das Finanzamt nicht mit. Dagegen klagt eine Arbeitsmedizinerin, die daheim betriebsärztliche Empfehlungen erstellt. Ob dies der Mittelpunkt ihrer Tätigkeit ist, muss der Bundesfinanzhof beurteilen (Az. VIII R 8/10). Entscheidend ist, wo der inhaltliche Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt– im Arbeitszimmer oder im Außendienst. Verliert die Arbeitsmedizinerin den Prozess, kann sie nun zumindest wie die Lehrer bis zu 1  250 Euro absetzen.

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