Arbeitszimmer Special

Viele Berufstätige dürfen ihr häusliches Arbeitszimmer wieder von der Steuer absetzen. Vor allem Lehrer und Außendienstler profitieren von der Neuregelung – die ist fast wieder die alte ist. test informiert.

Bundesverfassungsgericht kippte Streichung

Endlich: Das heimische Arbeitszimmer ist wieder steuerbegünstigt. Der Bund hatte den Steuervorteil seit 2007 zusammengestrichen. Nur wenn das Heimbüro Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit war, erkannte das Finanzamt die Kosten an. Das sollte rund 300 Millionen Euro pro Jahr einsparen – doch das klappte nicht: Das Bundesverfassungsgericht kippte die Streichung teilweise. Deshalb steht nun im Jahressteuergesetz 2010 eine Neuregelung: Wer das Arbeitszimmer zuhause braucht, weil für die Berufstätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, darf die Kosten wieder absetzen: bis 1  250 Euro im Jahr, und das rückwirkend ab 2007.

Als „Mittelpunkt“ volle Kosten

Wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit bildet, gilt, wie bisher, dass sogar die vollen Kosten anerkannt werden. Das ist bei Berufstätigen so, die ausschließlich oder fast ausschließlich zuhause arbeiten, zum Beispiel die freiberufliche Grafikerin, der selbstständige Berater, freie Journalist oder Schriftsteller. Sie können das Büro in der Steuererklärung unter Werbungskosten oder Betriebsausgaben geltend machen.

Wobei manchmal strittig ist, was „Mittelpunkt“ bedeuten soll. Entscheidend ist der„qualitative Schwerpunkt“ der gesamten Tätigkeit. In der Praxis kommt es letztlich auf den Einzelfall an. Die Zeit, die jemand im Arbeitszimmer verbringt, soll nur ein Indiz darstellen. Damit kann zum Beispiel ein Journalist, der sein Büro häufig verlässt, um Termine wahrzunehmen, das Arbeitszimmer voll absetzen. Ebenso viele Ruheständler, die mit einem Nebenjob ihre Rente aufbessern. Auch bei ihnen ist das heimische Arbeitszimmer Mittelpunkt der gesamten Berufstätigkeit.

Lehrer und viele Außendienstler

Ganz anders sieht es bei Lehrern aus und bei den meisten Außendienstlern. Der „qualitative Schwerpunkt“ ihrer Tätigkeit liegt meist in der Schule beziehungsweise beim Kunden. Eine volle Anerkennung des Arbeitszimmers kommt da nicht in Betracht. Dafür können sie nun aber wieder den auf 1 250 Euro gedeckelten Kostenabzug nutzen. Der greift, wenn es für die betreffende Erwerbstätigkeit keinen anderen Arbeitsplatz gibt – zum Beispiel wenn eine Lehrerin sich nicht in der Schule auf den Unterricht vorbereiten, Klausuren korrigieren oder Zeugnisse schreiben kann.

Das ähnelt ziemlich genau dem, was schon bis 2007 galt. Doch ein anderer Teil der Altregelung wurde komplett gestrichen: die Möglichkeit, ebenfalls bis 1 250 Euro abzusetzen, wenn mehr als die Hälfte der gesamten beruflichen Tätigkeit zuhause stattfand. Das betraf Arbeitnehmer, die in der Firma einen Arbeitsplatz hatten, aber dennoch einige Tätigkeiten daheim ausübten.

Rückwirkend nutzen

In Fällen, bei denen die Neuregelung zutrifft, müssen die Finanzämter Werbungskosten bis 1 250 Euro fürs Arbeitszimmer rückwirkend bis 1. Januar 2007 anerkennen. Das gilt allerdings nur in „offenen“ Fällen.

Deshalb sollten Betroffene ihre Einkommensteuerbescheide kontrollieren. Ist der Bescheid im Punkt Arbeitszimmer vorläufig, berücksichtigt das Finanzamt die Kosten von sich aus. Dasselbe gilt, wenn der Steuerbescheid wegen eines Einspruchs in Sachen Arbeitszimmer noch ruht. Das Finanzamt erkennt die Kosten dann nach der neuen Rechtslage an – natürlich nur, wenn der Steuerzahler das Arbeitszimmer in der Steuererklärung auch angegeben hatte. Auch wenn der Steuerbescheid noch nicht bestandskräftig ist, zum Beispiel weil aus anderen Gründen Einspruch eingelegt wurde und das Finanzamt darüber noch nicht entschieden hat, muss es das Arbeitszimmer nun berücksichtigen.

Darüber hinaus ist eine nachträgliche Anerkennung möglich, wenn der Steuerbescheid, aus welchen Gründen auch immer, unter dem „Vorbehalt der Nachprüfung“ steht (nach Paragraf 164 Abgabenordnung). Ob das so ist, steht in den Erläuterungen zum Bescheid.

Und natürlich: Wer die Steuererklärungen für 2007 bis 2009 noch gar nicht eingereicht hat, kann das jetzt nachholen und dabei das Arbeitszimmer angeben.

Ist ein Steuerbescheid allerdings bereits bestandskräftig geworden, ist die rückwirkende Anerkennung des Arbeitszimmers nicht möglich. Das betrifft diejenigen, die im Vertrauen auf die Rechtmäßigkeit der Einschränkungen ab 2007 die Kosten gar nicht erst geltend gemacht oder keinen Einspruch eingelegt beziehungsweise ihn zurückgenommen haben.

Kein gemütliches Fernsehzimmer

Ein Zimmer erkennt das Finanzamt aber erst dann als Arbeitsraum an, wenn der Steuerzahler es mindestens zu 90 Prozent beruflich nutzt. Wer es sich gleichzeitig als gemütliches Fernsehzimmer einrichtet, kann also Schwierigkeiten bekommen. Außerdem kommt es auf Lage und Größe des Zimmers an: Es muss ein separater Raum sein, der durch eine Tür abgetrennt ist.

Offene Galerie nein, Kellerzimmer ja

Ein Durchgangszimmer oder eine offene Galerie auf der Empore werden in der Regel nicht anerkannt, eine Abstellkammer, ein Zimmer im Anbau, im Keller oder im Dachgeschoss des Einfamilienhauses hingegen schon. Die Wohnung sollte auch so groß sein, dass noch genügend Freiraum für die Privatsphäre bleibt. Wer zum Beispiel nur 48 Quadratmeter Wohnfläche hat, kann nicht Kosten für ein 30 Quadratmeter großes Arbeitszimmer abrechnen. Auch die Einrichtung sollte büromäßig ausfallen: also überwiegend beruflich notwendige Möbel wie Schreibtisch, Regale oder Bücherschrank und besser kein Gästebett.

Schreibtisch und Computer absetzen

Aber selbst wenn das Arbeitszimmer nicht anerkannt wird, sind Steuervorteile möglich. So gelten Computer und Schreibtisch, andere Büromöbel und Bürotechnik als abzugsfähige Arbeitsmittel, wenn sie zuhause für den Job genutzt werden – auch wenn das Heimbüro steuerlich nicht durchgeht.

Haben solche Arbeitsmittel maximal 487,90 Euro gekostet, darf der Steuerzahler sie in dem Jahr, in dem er sie gekauft hat, zum vollen Preis absetzen. Waren sie teurer, muss er die Kosten über die Nutzungsdauer verteilen. Büromöbel beispielsweise werden über 13 Jahre abgeschrieben, Notebook und Computer über drei Jahre.

Beispiel: Einen 1 200 Euro teuren Computer kann der Steuerzahler drei Jahre lang mit jeweils 400 Euro absetzen.

Solche Anschaffungen werden auch dann anerkannt, wenn sie gar nicht in einem Arbeitszimmer stehen. Es reicht schon eine Arbeitsecke im Wohnzimmer oder im Flur.

Arbeitszimmer außer Haus

Diese Regelungen gelten für Arbeitszimmer, die im Haus oder in der Wohnung liegen. Ganz anders sieht es aus, wenn sich der Arbeitsraum außerhalb befindet, zum Beispiel wenn dafür im Nachbarhaus ein Zimmer angemietet wird. Bei solchen separat gemieteten Räumen werden – wie bisher auch – die vollen Kosten anerkannt, ohne 1 250 Euro-Grenze und egal ob Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit.

Knifflig wird es, wenn das separat gemietete Arbeitszimmer im selben Haus liegt wie die Privatwohnung. Wenn es in einem Mehrfamilienhaus direkt darangrenzt oder der Eingang genau gegenüberliegt, wird es nicht anerkannt (BFH, Az. VIII R 52/07), wohl aber wenn es im Keller desselben Mehrfamilienhauses liegt (BFH, Az. XI R 160/99).

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