Arbeits­zimmer Special

Absage: Das Finanz­amt erkannte das Arbeits­zimmer von Michael Hartlep nicht an. Der Grund­riss der Wohnung und die Inventar­liste für das Büro, die der Journalist vorgelegt hatte, halfen ihm nicht. 

Es bleibt bei den strengen Regeln: Ein Heimbüro bringt nur einen Steuer­vorteil, wenn es über­wiegend beruflich genutzt wird. Das hat der Bundes­finanzhof nun noch einmal bekräftigt. Finanztest erklärt das Urteil und sagt, nach welchen Kriterien Finanz­ämter prüfen müssen.

Durch­gangs­zimmer zählt nicht

Damit hatte Michael Hartlep nicht gerechnet: Das Finanz­amt teilte ihm mit, dass die Ausgaben für sein Arbeits­zimmer zu Hause keinen Steuer­vorteil bringen. „Dabei bin ich für einen Groß­teil meiner Arbeit auf das Büro angewiesen“, sagt der freie Fernseh- und Onlinejournalist aus Berlin. Sein Heimbüro ist kein abge­schlossener Raum, sondern Durch­gangs­zimmer zwischen Küche und Schlaf­zimmer. Der Weg zur Küche ist offen, es gibt keine Tür. Daher ging das Finanz­amt nicht davon aus, dass der Raum über­wiegend – zu mindestens 90 Prozent – beruflich genutzt wird.

Richter bestätigen bestehende Regeln

Die Regeln für das Arbeits­zimmer zu Hause sind streng: Die Ausgaben für das Heimbüro können nur dann als Werbungs­kosten oder Betriebs­ausgaben einen Steuer­vorteil bringen, wenn es sich um einen abge­schlossenen Raum handelt, der gar nicht oder kaum privat genutzt wird. Hartlep hatte wie viele Steuerzahler gehofft, dass der Bundes­finanzhof diese Regelung zur strikten Trennung von Beruflichem und Privatem beim Arbeits­zimmer aufweichen würde. Doch die obersten Finanz­richter haben in einem Grund­satz­urteil klar­gestellt, dass es dabei bleibt (Az. GrS 1/14). Auch eine Arbeits­ecke in einem anderen Raum bringt keinen Steuer­vorteil.

Manche dürfen alles abrechnen

Dennoch gibt es viele Arbeitnehmer und Selbst­ständige, die diverse Ausgaben für ein abge­schlossenes Arbeits­zimmer abrechnen dürfen. Es zählen zum Beispiel die Miet- und Neben­kosten, die anteilig auf den Raum entfallen (Grafik). Der Anteil richtet sich nach der Größe des Arbeits­zimmers im Verhältnis zur gesamten Wohn­fläche einschließ­lich des Arbeits­zimmers. Unbe­grenzt zählen solche Ausgaben, wenn das Arbeits­zimmer Mittel­punkt der gesamten beruflichen Arbeit ist.

Beispiel: Ein Handels­vertreter im Lebens­mittel­vertrieb besuchte entweder im Außen­dienst Kunden oder wertete in seinem Arbeits­zimmer die Bestel­lungen der Kunden aus, erstellte daraus individuelle Angebote für sie oder akquirierte von dort neue Kund­schaft. Das Finanzge­richt Münster entschied: Er hat seinen beruflichen Schwer­punkt eindeutig im heimischen Arbeits­zimmer. Deshalb darf er die Kosten dafür voll abziehen (Az. 5 K 980/12 E).

Berufs­tätige Pensionäre können ihre Aufwendungen weiterhin voll absetzen

Selbst Rentner und Pensionäre, die daheim weiter berufs­tätig sind, müssen nicht auf ihren Kosten sitzenbleiben. Der Bundes­finanzhof hat zuletzt entschieden, dass das Finanz­amt die Ausgaben eines pensionierten Ingenieurs voll anerkennen muss, der im Renten­alter als selbst­ständiger Gutachter berufs­tätig blieb (Az. VIII R 3/12).

Für die meisten gilt eine Ober­grenze von 1 250 Euro im Jahr

Andere Berufs­tätige wie Lehrer und viele Außen­dienstler können zumindest Ausgaben bis zu 1 250 Euro im Jahr für das Zimmer geltend machen. Voraus­setzung: Für die dort erledigten Aufgaben steht ihnen kein anderer Arbeits­platz zur Verfügung. Das hat der Bundes­finanzhof für einen Betriebs­prüfer klar­gestellt: Er durfte seine Arbeits­zimmerkosten absetzen, weil er sich im Amt mit sieben Kollegen drei Arbeits­plätze teilte. Diese drei Plätze reichten für die Prüfer nicht aus, um ihre Innen­dienst­arbeiten zu erledigen (BFH, Az. VI R 37/13).

Regelung für Arbeitnehmer in Eltern­zeit

Auch Arbeitnehmer in Eltern­zeit können Kosten für ein häusliches Arbeits­zimmer geltend machen. Bedingung ist, dass sie den Raum nutzen, um im Beruf auf dem Laufenden zu bleiben. Aber auch sie können meist nur bis zu 1 250 Euro im Jahr abrechnen. Das gilt, wenn den jungen Eltern vorher, etwa als Lehrer, für zu Hause erledigte Tätig­keiten kein anderer Arbeits­platz zur Verfügung stand und dies auch nach der Eltern­zeit so sein wird (BFH, Az. VI R 137/99).

Mehrere Jobs zählen im Paket

Üben Steuerzahler mehrere Tätig­keiten aus, etwa als Angestellter im Haupt­beruf und als Versicherungs­makler im Neben­job, schauen die Finanz­ämter genau hin. Nur wenn der Mittel­punkt der gesamten beruflichen Tätig­keit im Heimbüro liegt, erkennen sie die Kosten unbe­grenzt an. Geht es um mehrere Tätig­keiten, für die ein anderer Arbeits­platz fehlt, erkennt das Finanz­amt den Höchst­betrag von 1 250 Euro jähr­lich aber nur einmal für alle Tätig­keiten zusammen an (BFH, Az. X R 49/11).

Können Paare das Arbeits­zimmer zweimal absetzen?

Offen ist dagegen noch, wie viel Paare für das Arbeits­zimmer geltend machen können, die sich den Raum teilen: Der Bundes­finanzhof muss noch entscheiden, ob sie insgesamt 1 250 Euro im Jahr für den Raum abrechnen dürfen oder 1 250 Euro pro Person (Az. VI R 86/13).

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