Viel mehr Berufs­tätige als bisher können ihre Kosten für das Arbeits­zimmer von der Steuer absetzen. Das hat das Bundes­verfassungs­gericht entschieden und damit ein Gesetz aus dem Jahr 2007 aufgehoben, das rund eine Million Steuerzahler um den Steuer­vorteil gebracht hat.

Kosten für das Arbeits­zimmer rück­wirkend geltend machen

Ein Haupt­schul­lehrer hat beim Bundes­verfassungs­gericht erreicht, dass viele Berufs­tätige wieder Arbeits­zimmerkosten absetzen können. Das Finanz­amt muss die Ausgaben bei allen anerkennen, die für ihre betriebliche oder berufliche Arbeit daheim ein Arbeits­zimmer haben, weil es dafür woanders keinen Arbeits­platz gibt. Sind Steuer­bescheide noch offen, muss der Fiskus die Steuerersparnis bis zum Jahr 2007 zurück gewähren

Lehrer und selbst­ständige Handels­vertreter profitieren

Es sind vor allem Lehrer, selbst­ständige Handels­vertreter und Außen­dienst­mit­arbeiter sowie Journalisten, die viel von zu Hause aus arbeiten, die Miete, Reno­vierungs- und andere Arbeits­zimmerkosten als Betriebs­ausgaben oder Werbungs­kosten absetzen können. Auch Arbeitnehmer, die für den selbst­ständigen Neben­job oder die berufliche Weiterbildung ein Arbeits­zimmer in ihrer Wohnung benötigen, können so viel abrechnen. Früher konnten Arbeitnehmer und Selbst­ständige Kosten bis 1 250 Euro absetzen, wenn das Zimmer Zuhause für die berufliche Arbeit nötig war. Gegen die Begrenzung hatten die Verfassungs­richter nichts einzuwenden. Einen Höchst­betrag wird der Gesetz­geber deshalb vermutlich wieder einführen.

Richter und Hoch­schul­lehrer haben das Nach­sehen

Bis zum Jahr 2007 konnten auch Arbeitnehmer wie Richter oder Hoch­schul­lehrer Kosten für ihr Arbeits­zimmer bis 1250 Euro steuerlich absetzen, wenn sie über 50 Prozent ihrer Arbeit zuhause erledigten. Sie werden nun nach dem Beschluss der Verfassungs­richter leer ausgehen.

Tipp

Reichen Sie nicht abge­rechnete Arbeits­zimmerkosten beim Finanz­amt nach, wenn in Ihrem Steuer­bescheid zum Arbeits­zimmer ein Vorläufigkeits­vermerk steht. Ist das nicht der Fall, können Sie Ausgaben nach der Bekannt­gabe des Bescheids noch einen Monat lang mit einem Einspruch geltend machen.

Bundes­verfassungs­gericht, Beschluss vom 06. Juli 2010
Aktenzeichen: 2 BvL 13/09

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