Arbeits­zeug­nisse in der Praxis: Erfolg­reich vor Gericht – zwei Fälle

Richtig gemacht. „Gebranntes Kind scheut das Feuer.“ So dachte David Stoltz*, Mitarbeiter eines Software­unter­nehmens. In der Vergangenheit hatte er bereits schlechte Erfahrungen mit einem Arbeit­geber gemacht: Er hatte Streit wegen seines Arbeits­zeug­nisses. Deshalb ließ er sich von seinem neuen Chef alle zwei Jahre ein Zwischen­zeugnis erteilen. Die Zwischen­zeug­nisse waren immer sehr gut. Nachdem Stoltz gekündigt hatte, erhielt er zu seinem Erstaunen nur ein „befriedigendes“ Schluss­zeugnis. Er klagte vor dem Arbeits­gericht auf ein Zeugnis mit der Bewertung „sehr gut“. Dass er besser als „befriedigend“ war, musste er beweisen. Seine Zwischen­zeug­nisse über­zeugten das Gericht, seine Klage hatte Erfolg.

Recht auf Umwegen. 15 Jahre lang war Irmgard Bruse* Angestellte im Einzel­handel. Dann kam die betriebs­bedingte Kündigung. Laut ihrem Zeugnis reichte ihre Arbeit nur für ein „Befriedigend“. Zwischen­zeug­nisse hatte sie nicht. Den Nach­weis, dass sie ein besseres Zeugnis verdiente, konnte sie nicht erbringen. Eine Korrekt­urklage hätte keine Aussicht auf Erfolg, sagte ihr Anwalt. Auf Umwegen kam sie doch noch zum Ziel. Weil sie auch mit ihrer Kündigung nicht einverstanden war, reichte sie Kündigungs­schutz­klage gegen ihren ehemaligen Arbeit­geber ein. Vor Gericht fanden beide eine Einigung, nicht nur wegen der Kündigung. Irmgard Bruse erhielt eine Abfindung in Höhe von 24 000 Euro, weil sie entlassen wurde, und ein Zeugnis mit der Bewertung „sehr gut“.

* Namen von der Redak­tion geändert.

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