Arbeitszeugnisse klingen in der Regel toll, denn negative Formulierungen sind verboten. Doch oft verstecken die Chefs ihre Kritik zwischen den Zeilen. Es gibt viele wohlklingende Floskeln, die nicht nett gemeint sind.

  • „Erfolg beim Delegieren“ deutet auf einen Drückeberger hin.
  • Ein „toleranter Mitarbeiter“ kam mit Kollegen klar, nicht mit Vorgesetzten.
  • Ein „gewissenhafter Mitarbeiter“ war zur Stelle, wenn man ihn brauchte – aber nicht unbedingt brauchbar.
  • Wer für seine Arbeit „Verständnis ­zeigte“, war nicht der Fleißigste.
  • „Einfühlungsvermögen für die Belange der Belegschaft“, weist auf einen Sexomanen hin.
  • Ein „geselliger Kollege“ hat ein Alkoholproblem.

Allerdings gibt es auch Floskeln, die nicht so toll erscheinen, aber trotzdem ein Lob sind. Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf entschied kürzlich, dass ein „anspruchsvoller, kritischer Mitarbeiter“ kein eigensüchtiger Nörgler ist, sondern ein durchsetzungsfähiger und motivierter Kollege (Az. 12 Sa 232/03).

Tipp: Lesen Sie das Arbeitszeugnis kritisch. Selbst wenn der Chef das Zeugnis in bester Absicht schreibt, kann die falsche Formulierung Ihrer Karriere schaden. Fragen Sie in Zweifelsfällen den Betriebsrat, Ihre Gewerkschaft oder einen Fachanwalt für Arbeitsrecht.

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