Arbeitsunfähigkeit Meldung

In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit sinkt die Zahl der Krankmeldungen. Viele Arbeitnehmer haben Angst, den Job zu verlieren. Nicht ohne Grund: Der Ärger mit dem Chef ist meist programmiert, wenn ein Arbeitnehmer wegen einer Erkrankung monatelang arbeitsunfähig ist oder häufig in kurzen Abständen wegen unterschiedlicher Krankheiten ausfällt. Kündigung droht – meist zu Unrecht. Denn eine Kündigung ist für den Arbeitgeber schwer. Erkrankte müssen sich allerdings an bestimmte Regeln halten. Finanztest informiert über Rechte und Pflichten von Arbeitnehmern und Arbeitgebern.

Es gibt weiter Geld

Im Normalfall läuft eine Krankheit für den Arbeitnehmer unproblematisch ab. Der Arzt bestätigt mit einem Attest, dass der Erkrankte arbeitsunfähig ist: Er kann seine arbeitsvertraglichen Pflichten nicht erfüllen und darf zu Hause bleiben. Finanziell ist die die Arbeitsunfähigkeit für den Betroffenen erst mal kein Problem. Bis zu sechs Wochen zahlt der Chef das Gehalt weiter. Danach zahlt die Krankenkasse maximal 78 Wochen lang Krankengeld - bis zu 70 Prozent des Bruttolohns, aber nicht mehr als 90 Prozent vom Nettolohn. Erkrankt der Mitarbeiter erneut an derselben Krankheit, bekommt er weitere sechs Wochen Lohn. Vorausgesetzt: Der Beginn der ersten Arbeitsunfähigkeit ist zwölf Monate her oder er war mindestens sechs Monate wegen dieser Krankheit nicht arbeitsunfähig. Bei verschiedenen Krankheiten beginnt die Entgeltfortzahlung jeweils neu.

Kein Geld bei eigenem Verschulden

Hat der Mitarbeiter die Arbeitsunfähigkeit selbst verschuldet, muss der Arbeitgeber nichts zahlen. Das gilt bei unverständlichem und leichtfertigem Verhalten - etwa wenn er beim Autofahren nicht angeschnallt war. Ein solches Verschulden ist aber selten. Sogar nach Sportverletzungen hat er fast immer Anspruch auf eine Entgeltfortzahlung.

Ein Lösungsversuch muss sein

Selbst wenn die Krankheit verhindert, dass der Mitarbeiter später umgehend auf seinen alten Arbeitsplatz zurückkehrt. Der Chef kann ihn nicht sofort kündigen. Er muss zumindest versuchen in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat und dem Betroffenen eine Lösung zu finden. Zum Beispiel kann er ihn auf eine für ihn passende Stelle versetzen - vorausgesetzt sie ist vorhanden und frei. Scheitert der Lösungsversuch, droht dem Erkrankten meist die Kündigung.

Der Arbeitgeber kündigt

Der Arbeitnehmer kann sich gegen eine ungerechtfertigte Kündigung wehren, indem er vor Gericht klagt. Allerdings kostet die Klage vor dem Arbeitsgericht Geld - auch wenn er gewinnt. Kommt es zum Kündigungsschutzprozess, verlangen die Gerichte zuerst eine so genannte negative Prognose. Der Mitarbeiter muss mit hoher Wahrscheinlichkeit auch weiterhin wegen seiner Krankheit arbeitsunfähig sein. Der Chef kann die Prognose nur schwer stellen. Die bisherigen Fehlzeiten sind nur Indizien. Ein Arbeitnehmer braucht den Arzt erst im Prozess von der Schweigepflicht zu befreien. Er kann ihn als sachverständigen Zeugen benennen. Wichtig: Der erkrankte Mitarbeiter darf dem Arbeitgeber keinesfalls vorher die Diagnose mitteilen. Das erleichtert die Prognose und damit die Kündigung. Außer im öffentlichen Dienst gibt es auch keine Pflicht, zum Betriebs- oder Amtsarzt zu gehen.

Das Gericht muss entscheiden

Wenn die Prognose negativ ausfällt, folgt der nächste Schritt. Das Gericht muss klären, ob der Mitarbeiter so krank ist, dass seine Weiterbeschäftigung die betrieblichen Interessen erheblich beeinträchtigt. Das heißt bei lang dauernden Krankheiten: Er bleibt auch in den nächsten zwei Jahren arbeitsunfähig. Bei Kurzerkrankungen: Der Arbeitgeber muss über mindestens zwei Jahre hinweg in jedem Jahr für mehr als sechs Wochen Entgeltfortzahlung leisten. Zum Schluss wägt das Gericht die Interessen des Betriebs gegen die sozialen Interessen des Mitarbeiters ab. Nur wenn die Interessen des Arbeitgebers schwerer wiegen, darf er kündigen. Gibt es eine andere zumutbare Alternative, darf der Mitarbeiter bleiben.

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