Arbeits­recht Meldung

Eine Praktikantin hoffte auf einen Ausbildungs­platz bei der Supermarkt­kette Rewe und schuftete monate­lang ohne Lohn. Der Filialleiter hielt sie immer wieder hin, bis die Praktikantin ihren Arbeit­geber verklagte – und vor Gericht Recht bekam. Jede ihrer 1728 Arbeits­stunden muss nun mit 10 Euro nach­vergütet werden, und der Markt­leiter ist seinen Job los.

Acht Monate ohne Bezahlung

Julia Leszinski* (19) hatte sich um eine Ausbildungs­stelle in einer Rewe-Filiale in Bochum beworben. Sie bekam aber nur ein Praktikum – ohne Bezahlung. Wenn sie sich bewähre, könne sie als Auszubildende anfangen, versprach ihr der Filialleiter. Also sortierte Julia die Waren im Lager, räumte Regale ein und saß sogar an der Kasse. Wegen der Lehr­stelle vertröstete der Chef sie ein ums andere Mal. Nach acht Monaten und zwei Wochen reicht es Julia. Sie beendet ihr Praktikum und geht zu Rechts­anwalt Martin Ackermann. Die 1 728 Arbeits­stunden sollen wenigs­tens nicht umsonst gewesen sein.

Zum Glück hatte Julia alles dokumentiert

Der Anwalt macht Julia Mut. Sie könne die vom Tarif­vertrag für den Einzel­handel vorgesehene Bezahlung verlangen, erklärt er ihr. Voraus­setzung dafür ist, dass sie regulär gearbeitet hat. Wer nur zuschaut oder nur ausgebildet wird, hat keinen Anspruch. Günstig für Julia: Sie hat minutiös notiert, was sie wann und wie lange gemacht hatte. Der Anwalt erhebt in ihrem Namen beim Arbeits­gericht Bochum Klage gegen den selbst­ständigen Supermarkt­leiter.

Rewe feuert Markt­leiter

Die Ansage des Richters fällt klar aus. Eine solche Ausbeutung von Praktikanten ist unzu­lässig. Seinen Vorschlag, freiwil­lig 13 000 Euro an Julia zu zahlen, lehnt der Supermarkt­leiter trotzdem als „über­zogen“ ab. Darauf­hin fällt das Urteil: „Der Beklagte hat an die Klägerin 17 280 Euro zu zahlen“ (Az. 2 Ca 1482/13, nicht rechts­kräftig). Zahlreiche Zeitungen, Radio- und Fernsehsender berichten über den Fall. Rewe reagiert: „Das verstößt gegen unsere genossenschaftlichen Werte“, erklärt ein Sprecher des Unter­nehmens. Der Markt­leiter ist gefeuert. Ein anderer Kauf­mann soll das Geschäft über­nehmen. Ob er Julia einen Ausbildungs­platz anbieten wird, ist noch unklar.

* Name von der Redak­tion geändert.

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