Wird der Kunde arbeitslos, gibt ihm die private Arbeitslosigkeitsversicherung Geld oder übernimmt laufende Ausgaben. Das klingt besser, als es meist ist.

Der Job ist weg, das Einkommen sinkt rapide – doch die Beiträge für Versicherungen, die Raten für das Auto und den Privatkredit laufen weiter. Wer arbeitslos ist und mit einem Arbeitslosengeld zwischen 60 Prozent (Leistungsempfänger ohne Kinder) und 67 Prozent (Leistungsempfänger mit Kindern) seines letzten Nettogehalts auskommen muss, kann leicht in Zahlungsschwierigkeiten geraten.

Solche Aussichten sind nicht nur schlimm für die Betroffenen, sondern auch für Unternehmen. Denn wenn viele Menschen arbeitslos sind, schränken sich Verbraucher aus Angst vor Jobverlust ein. Ganze Branchen stöhnen über die Konsumverweigerung.

Doch Versicherer, Banken und Autofirmen wollen auch in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit ihre Produkte verkaufen. Eine private Arbeitslosigkeitsversicherung soll den Kunden die Angst vor Zahlungsschwierigkeiten nehmen. Es gibt viele verschiedene Angebote. Das Unternehmen

  • übernimmt die Raten für das noch nicht abbezahlte Auto,
  • übernimmt die Beiträge zur Unfallversicherung, zur Rechtsschutzversicherung oder zu anderen Versicherungen,
  • stockt bei Arbeitslosigkeit das gesetzliche Arbeitslosengeld auf oder
  • zahlt für den Arbeitslosen Schulden ab. Solche Restschuldversicherungen gibt es für Ratenkredite, Kreditkarten und Baudarlehen.

Die Raten für einen Kredit kann ein Kunde zum Beispiel bei der SEB-Bank für den Fall der Arbeitslosigkeit absichern. Die Versicherung zahlt bis zu 24 Kreditraten von jeweils bis zu 1 000 Euro. Billig ist der Schutz aber nicht. Denn die SEB verlangt bei einem Kredit in Höhe von 10 000 Euro mit einer Laufzeit von 48 Monaten und einem effektiven Zinssatz von 10,47 Prozent immerhin 514,31 Euro.

Ebenfalls teuer ist die zusammen mit einer Kreditkarte angebotene Restschuldversicherung, die auch bei Arbeitslosigkeit greift. Bei der Citibank zahlt der Kunde für einen über die Visakarte in Anspruch genommenen Kredit schon einen effektiven Jahreszins von 16,91 Prozent. Die Restschuldversicherung kostet ihn zusätzlich 0,76 Prozent von den durchschnittlichen Außenständen pro Monat. Dadurch erhöht sich der effektive Jahreszins auf 27,9 Prozent. Ein gutes Geschäft für die Bank.

Halber Schutz für Hauskäufer

Auch Immobilienkäufer können sich gegen Arbeitslosigkeit absichern. Der Verband Deutscher Makler bietet zusammen mit dem Versicherer Cardif eine „Verdienstausfallversicherung“. Bei einem Kaufpreis von 200 000 Euro – 150 000 Euro davon über einen Kredit finanziert – kostet dieser Schutz monatlich rund 19 Euro. Doch der Schutz hat Lücken: Bei Arbeitslosigkeit übernimmt die Versicherung nur die Hälfte der monatlichen Kreditraten, maximal für 24 Monate. Bei Arbeitsunfähigkeit zahlt sie für deren Dauer.

Ein weiteres Angebot ist der Versicherungsschutz für Versicherungen. Meist übernehmen die Anbieter dann bei Arbeitslosigkeit den Beitrag für die Unfall- oder die Rechtsschutzversicherung.

Gegen einen Zuschlag von 10 Prozent des Jahresbeitrags zahlt der Versicherer Axa die Beiträge für eine dort abgeschlossene Unfallversicherung. Auch der Deutsche Ring macht dieses Angebot, verlangt dafür aber nur einen Zuschlag von 5 Prozent des Beitrags.

Pro Versicherungsfall übernehmen beide Anbieter die Beträge für maximal zwei Jahre. Wer dann noch arbeitslos ist, muss seine Beiträge für die Unfallversicherung wieder selbst übernehmen.

Ähnliche Angebote machen Rechtsschutzversicherer wie etwa Arag, DEVK und Itzehoer. Für einen Beitragszuschlag zwischen 10 Prozent (DEVK) und 15 Prozent (Itzehoer) übernimmt der Anbieter bei Arbeitslosigkeit die Beiträge zur Rechtsschutzversicherung.

Eine Kombination zur Finanzierung laufender Versicherungen und Sparprodukte bietet die Würzburger Versicherung. Bei Arbeitslosigkeit zahlt sie aus der „Sparzielabsicherung“ des Kunden die Raten und Beiträge für dessen laufende Bausparverträge und Lebensversicherungen sowie für private Renten- und Krankenversicherungen.

Mehr Arbeitslosengeld

Die einfachste Variante einer Arbeitslosigkeitsversicherung bietet die Volksfürsorge mit ihrer „Privaten Vorsorge bei Arbeitslosigkeit“ an. Für Kunden mit dieser Versicherung stockt die Volksfürsorge das Arbeitslosengeld auf, je nach individueller Vereinbarung auf bis zu 90 Prozent des letzten Nettogehalts. Und das maximal ein Jahr lang.

Versichern können sich Arbeitnehmer zwischen 22 und 50 Jahren, die seit mindestens drei Jahren ohne Unterbrechung in einem unbefristeten Vollzeitarbeitsverhältnis stehen. Ausbildungsverhältnisse zählen nicht mit. Der Versicherungsschutz beginnt zwei Jahre nach Vertragsbeginn. Wer also beispielsweise ein Jahr nachdem er die Versicherung abgeschlossen hat, seinen Job verliert, erhält keinen einzigen Euro.

Nach jeder Phase von Arbeitslosigkeit beginnt eine neue Wartezeit, bis der Kunde erneut Anspruch auf die Versicherungsleistung hat. Diese Wartezeit ist dreimal so lang wie der Zeitraum des Leistungsbezugs. Hat der Versicherte für die Maximaldauer von einem Jahr Geld aus der privaten Versicherung bekommen, muss er drei Jahre warten, bis er wieder einen Anspruch hat.

Teurer Schutz

Für 100 Euro aus seiner privaten Versicherung als Zuschlag zum Arbeitslosengeld muss der Kunde einen Monatsbeitrag von 12 Euro zahlen – unabhängig von seinem Alter, Beruf und Geschlecht. Wer bei Arbeitslosigkeit 800 Euro von seiner Versicherung bekommen will, zahlt Monat für Monat 96 Euro Beitrag. Und der wird auch dann fällig, wenn der Versicherte arbeitslos ist. Wer 800 Euro versichert, bekommt also tatsächlich nur 704 Euro ausgezahlt.

Ziemlich schlecht schneidet das Angebot bei einer Rechnung über einen längeren Zeitraum ab. Wird der Versicherte beispielsweise nach sieben Jahren arbeitslos, bekommt er für ein Jahr Arbeitslosigkeit in unserem Beispiel unterm Strich 8 448 Euro aus seiner privaten Arbeitslosigkeitsversicherung. 8 064 Euro davon hat er mit seinen Beiträgen selbst eingezahlt. Dabei sind Zinsen für das Geld noch gar nicht mitgerechnet.

Da tröstet auch kaum das Versprechen der Volksfürsorge, dem Kunden nach einer Versicherungsdauer von 15 Jahren 80 Prozent seiner bis dahin eingezahlten Nettobeiträge zurückzuzahlen. Hinzu kommen noch mögliche Überschussanteile. Die in dieser Zeit gezahlten Versicherungsleistungen werden jedoch abgezogen.

Die Versicherung ist also mit einem Sparvertrag gekoppelt, in den ein Teil der Beiträge fließt. Als sichere Geldanlage sind aber selbst Banksparpläne viel rentabler. Kein Wunder, dass dieses seit 1996 bestehende Angebot der Volksfürsorge kaum angenommen wird. Nur etwa 1 000 Kunden haben die Police.

Für Arbeitnehmer, die jetzt schon wissen, dass sie demnächst ihren Job verlieren und schnell noch eine private Arbeitslosigkeitsversicherung abschließen möchten, kommt ohnehin keines der Versicherungsprodukte infrage. Denn die Wartezeit bis zum Beginn des Versicherungsschutzes beträgt je nach Angebot zwischen vier Monaten und zwei Jahren.

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