Kein Ort, an dem man gerne ist: Die Arbeits­agentur.

Vor dem Satz „Ich muss zum Arbeits­amt“ graut es jedem Arbeitnehmer. Meist bedeutet das, dass er seinen Job verloren hat. Doch der Gang zur Agentur für Arbeit, wie das Arbeits­amt seit 2004 heißt, sorgt meist dafür, dass die folgenden Monate finanziell abge­sichert sind und Betroffene sich in Ruhe eine neue Stelle suchen oder auch mit ihrem Ex-Arbeit­geber wegen der Kündigung streiten können. Mit unserem Rechner können Sie die Höhe ihres Arbeits­losengelds abschätzen.

Finanzielle Hilfen für Arbeits­suchende

Arbeits­losengeld I. Wer keine Arbeit hat, braucht finanzielle Unterstüt­zung, um seinen Lebens­unterhalt zu bestreiten. In vielen Fällen besteht nach Verlust des Jobs ein Anspruch auf Arbeits­losengeld I. Arbeits­losengeld I beantragen Arbeits­lose bei der Bundesagentur für Arbeit.

Krankengeld. Erkrankt ein Bezieher von Arbeits­losengeld I, erhält er in den ersten sechs Wochen weiterhin Arbeits­losengeld I von der Bundes­agentur für Arbeit. Ist er weiterhin krank­geschrieben, bekommt er von seiner Krankenkasse Krankengeld in Höhe seines Arbeits­losengeldes I.

Weiterbildung, Umschulung. Neben finanzieller Unterstüt­zung verfolgt die Bundes­agentur für Arbeit das Ziel, Arbeits­suchende in ein neues Beschäftigungs­verhältnis zu bringen. Dafür leistet sie über die Sicherung des Lebens­unter­halts hinaus etwa Zuschüsse für Weiterbildung oder Umschulung und für Anschaffungen, die im Rahmen einer neuen Beschäftigung erforderlich sind – zum Beispiel Arbeits­kleidung.

Mitwirkungs­pflichten. Bezieher von Arbeits­losengeld I haben Mitwirkungs­pflichten. Erfüllen sie diese nicht, drohen ihnen Sanktionen.

Weitere Hilfen. Betroffene können weitere Hilfen bekommen, beispiels­weise Wohngeld. Eltern, die nur über ein geringes Einkommen verfügen, können außerdem neben dem Kindergeld einen Kinder­zuschlag von bis zu 185 Euro pro Kind und Monat erhalten. Ob ihr Antrag Erfolg hat, können sie online prüfen. Der Kinder­zuschlag kann auf den Seiten der Familienkasse von zu Hause online beantragt werden.

Über­schuldung. Häufen sich durch den Einkommens­verlust aufgrund der Arbeits­losig­keit unbe­zahlte Rechnungen, können Menschen in eine finanzielle Schieflage geraten, aus der sie scheinbar nur schwer wieder heraus­finden. Welche Möglich­keiten es gibt, steht in unserem Special Überschuldung.

Arbeits­losengeld II. Sind die Voraus­setzungen für den Bezug von Arbeits­losengeld I nicht erfüllt, bekommen Erwerbs­lose in der Regel Arbeitslosengeld II, umgangs­sprach­lich auch „Hartz IV“ genannt. Arbeits­losengeld II beantragen Betroffene beim Jobcenter.

Was ist Arbeits­losengeld I?

Das Arbeits­losengeld I wird aus der Arbeits­losen­versicherung finanziert und geht dem Arbeitslosengeld II meist voraus. Ob und wie lange jemand Arbeits­losengeld I beziehen kann, hängt meist davon ab, ob und wie lange er in der Arbeits­losen­versicherung versichert war.

Die Arbeits­losen­versicherung gehört zu den Sozial­versicherungen, wie etwa auch die gesetzliche Renten­versicherung. Die Beiträge zur Arbeits­losen­versicherung werden Arbeitnehme­rinnen und Arbeitnehmern in der Regel vom Brutto­lohn abge­zogen. Diese Abgaben finden sie auf ihrer monatlichen Gehalts­bescheinigung.

Wann Anspruch auf Arbeits­losengeld I besteht

Um Arbeits­losengeld I zu erhalten, müssen folgende Voraus­setzungen erfüllt sein:

  • Berechtigte waren in den letzten fünf Jahren, bevor sie sich arbeitslos gemeldet haben, mindestens zwölf Monate sozial­versicherungs­pflichtig beschäftigt. Dabei können mehrere Beschäftigungen zusammenge­rechnet werden (Anwart­schafts­zeit).
  • Sie haben sich bei ihrer Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet.
  • Sie sind ohne Anstellung, können aber eine versicherungs­pflichtige Beschäftigung ausüben (mindestens 15 Stunden pro Woche).
  • Sie suchen eine neue versicherungs­pflichtige Beschäftigung und arbeiten dabei mit der Arbeits­agentur zusammen.

Neben der versicherungs­pflichtigen Beschäftigung können weitere Zeiten für den Anspruch auf Arbeits­losengeld einberechnet werden, zum Beispiel:

  • Berechtigte waren freiwil­lig in der Arbeits­losen­versicherung, zum Beispiel während einer Selbst­ständig­keit.
  • Sie haben ein Kind erzogen (bis zum dritten Lebens­jahr).
  • Sie haben Krankengeld erhalten.

Aber auch in diesen Fällen müssen Anspruchs­berechtigte inner­halb der letzten 30 Monate vor der Arbeits­losmeldung auf eine Dauer von mindestens zwölf Monaten Versicherungs­zeit kommen.

Wer häufig befristet beschäftigt war, für den gilt unter bestimmten Voraus­setzungen eine kürzere Anwart­schafts­zeit: In diesem Fall genügen mindestens sechs Monate versicherungs­pflichtiger Beschäftigung in den fünf Jahren vor Arbeits­losmeldung. Zu den Voraus­setzungen gehört, dass die meisten Beschäftigungen auf bis zu 14 Wochen befristet waren.

Wie berechne ich das Arbeits­losengeld?

Um die Höhe Ihres Arbeits­losengeldes zu erfahren, können Sie unseren Rechner benutzen. Die Berechnungs­grund­lage ist Ihr durch­schnitt­licher Brutto­lohn in den letzten zwölf Monaten. Davon zieht die Agentur für Arbeit die gewöhnlich anfallenden Abzüge heraus und errechnet ein sogenanntes pauschalisiertes Netto­entgelt. In der Regel beträgt das Arbeits­losengeld I 60 Prozent dieses Netto­entgelts. Haben Sie Kinder, erhöht sich Ihr Arbeits­losengeld auf 67 Prozent.

Rechner Arbeits­losengeld

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Steuerklassen optimieren

Da sich das Arbeits­losengeld auch am Netto­einkommen orientiert, hat Ihre Steuerklasse Einfluss auf die Höhe des Betrags, der an Sie ausgezahlt wird. Am höchsten ist das Netto­entgelt bei Verheirateten, wenn sie die Steuerklasse III haben, am nied­rigsten in der Steuerklasse V.

Tipp: Wechseln Sie recht­zeitig in eine güns­tigere Steuerklasse, sofern Sie früh­zeitig von einer anstehenden Arbeits­losig­keit erfahren. Die bessere Steuerklasse III oder auch IV sollte bereits im Januar des Jahres gelten, in dem die Arbeits­losig­keit beginnt. Einen späteren Wechsel akzeptiert die Arbeits­agentur nur, wenn die neuen Steuerklassen für ein Paar sinn­voll sind.

Wann und wo beantrage ich Arbeits­losengeld I?

Grund­sätzlich müssen Sie sich spätestens drei Monate vor der endgültigen Beendigung Ihres Arbeits­verhält­nisses bei der Agentur für Arbeit arbeits­suchend melden. Ist Ihnen das nicht möglich, etwa weil Sie weniger als drei Monate vor Ende Ihrer Beschäftigung davon erfahren, müssen Sie sich inner­halb von drei Tagen bei der Arbeits­agentur melden. Anderenfalls droht Ihnen eine Sperre von einer Woche und damit eine Kürzung des Arbeits­losengeldes.

Sie können sich persönlich vor Ort in Ihrer Agentur für Arbeit (diese finden Sie mithilfe der Dienststellensuche auf den Internet­seiten der Agentur für Arbeit), telefo­nisch unter der Nummer 0800 4 555500 oder online arbeits­suchend melden. Möchten Sie sich online arbeits­suchend melden, müssen Sie sich erst einmal registrieren.

Sobald Ihr Arbeits­verhältnis beendet ist, müssen Sie sich erneut bei der Agentur für Arbeit melden und Arbeits­losengeld beantragen. Das machen Sie persönlich bei der für Sie zuständigen Dienst­stelle. Mitbringen müssen Sie Personal­ausweis oder Reisepass mit Melde­bestätigung, gegebenenfalls Aufenthalts­erlaubnis und Arbeits­erlaubnis, Ihren Sozial­versicherungs­ausweis und das Kündigungs­schreiben beziehungs­weise bei befristetem Job Ihren Arbeits­vertrag und Ihren Lebens­lauf. Das Antrags­formular können Sie online ausfüllen (dafür müssen Sie registriert sein, siehe oben) oder sich in Ihrer Agentur vor Ort holen.

Wie lange erhalte ich Arbeits­losengeld I?

Das hängt davon ab, wie alt Sie sind und wie lange Sie vor der Arbeits­losig­keit versicherungs­pflichtig beschäftigt waren.

Haben Sie inner­halb der letzten zwei Jahre zwölf Monate versicherungs­pflichtig gearbeitet, bekommen Sie sechs Monate Arbeits­losengeld ab dem Tag der persönlichen Meldung der Arbeits­losig­keit.

Haben Sie in den letzten fünf Jahren 24 Monate versicherungs­pflichtig gearbeitet, bekommen Sie 12 Monate Arbeits­losengeld. Nur wer über 50 Jahre alt ist, kann bis zu 24 Monate Arbeits­losengeld erhalten, wenn er in den letzten fünf Jahren mehr als 24 Monate versicherungs­pflichtig beschäftigt war.

Während des Bezugs von Arbeits­losengeld sind Sie kranken-, pflege-, renten- und unfall­versichert. Werden Sie krank, müssen Sie das Ihrer Agentur umge­hend melden.

Was sind Sperr­zeiten?

Hat die Agentur für Arbeit eine Sperr­zeit verhängt, erhält der arbeits­lose Arbeitnehmer in diesem Zeitraum kein Arbeits­losengeld. Das Arbeits­losengeld wird dann auch nicht nach­träglich ausgezahlt. Die Gründe für Sperr­zeiten führt § 159 Absatz 1 des Dritten Sozialgesetzbuches (SGB III) auf.

Der bekann­teste Grund ist die Kündigung durch den Arbeitnehmer. Wer sein Arbeits­verhältnis selbst aufgibt, obwohl er noch keine neue Arbeits­stelle gefunden hat, muss mit einer Sperr­zeit von zwölf Wochen rechnen. Kann der Arbeitnehmer einen wichtigen Grund für seine Arbeits­aufgabe nennen, zum Beispiel weil sein Arbeit­geber den Lohn nicht zahlt oder der Arbeitnehmer einen Verwandten pflegen muss, kann die Sperr­zeit entfallen.

Gegen die Verhängung einer Sperr­zeit kann ein arbeits­loser Arbeitnehmer inner­halb eines Monats nach Bekannt­gabe durch einen Bescheid der Agentur für Arbeit Wider­spruch einlegen – am besten posta­lisch per Einschreiben. Bleibt es trotz Wider­spruch bei der Sperr­zeit, besteht die Möglich­keit, Klage beim Sozialge­richt zu erheben.

Folgen für die Rente

Arbeits­losig­keit mindert den gesetzlichen Renten­anspruch. Während des Bezugs von Arbeits­losengeld I ist die Einbuße allerdings noch vergleichs­weise gering. Die Arbeits­agentur über­weist für den Arbeits­losen Rentenbeiträge in Höhe von 80 Prozent des Brutto­einkommens, aus dem sich sein Arbeits­losengeld I berechnet. Lange Arbeits­losig­keit mit Bezug von Arbeits­losengeld II kann den gesetzlichen Renten­anspruch empfindlich verringern, so dass Betroffene möglicher­weise sogar später eine Grundrente beziehen.

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