Arbeiten in Europa Meldung

Der Fachkrankenpfleger Detlev Möller arbeitet seit dem Jahr 2000 in Norwegen. Gute ­Arbeitsbedingungen lockten ihn ins Ausland.

Jedes Jahr wandern 65 000 Deutsche in andere europäische Staaten aus. Viele haben dort bessere Jobchancen.

Detlev Möller fühlt sich wohl in Norwegen. Der Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Intensivpflege aus Westerstede in Niedersachsen ist im Alter von 32 Jahren ausgewandert. Nun arbeitet er in einem norwegischen Krankenhaus. Dort verdient er mehr und es geht bei der Arbeit viel ruhiger zu als in Deutschland.

Auch die Gynäkologin Susanne ­Woerner, die es 1998 nach Ålesund gezogen hat, ist von den norwegischen Arbeitsbedingungen begeistert: „Geregelte Arbeitszeiten, bezahlte Überstunden – traumhaft für jemanden, der die deutschen Verhältnisse gewöhnt ist.“

Ärztin in Skandinavien, Tischler in Holland oder Bankangestellter in der Schweiz – die Jobchancen sind in vielen europäischen Ländern zurzeit besser als in Deutschland. Auswanderer müssen aber bereit sein, eine neue Sprache zu lernen und sich zu integrieren.

Eures-Berater helfen kostenlos

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Berlin­Kreta. Das ist die Strecke, die Dieter Lange mit seinem Auto zurücklegen muss. Zuletzt hat er im Sanitätshandel gearbeitet. Nun beginnt er als Touristenführer in Griechenland noch einmal von vorn.

Detlev Möller und Susanne Woerner kamen eher zufällig an ihren Auslandsjob. Möller hatte nach einigen Norwegenaufenthalten einfach „mal eine Bewerbung abgeschickt“ und so seinen Job gefunden. Susanne Woerner lockte eine Stellenanzeige im Ärzteblatt.

Bei der Suche können sich Interessierte auch von Profis helfen lassen. Die Eures-Berater sind dafür die richtige Adresse. Eures ist die Abkürzung für European Employment Services und steht für ein Netz von Auswanderungsberatern im Europäischen Wirtschaftsraum. Dazu zählen die 15 Länder der Europäischen Union, Liechtenstein, Island und Norwegen. Das Netzwerk wird von der Europäischen Kommission betreut.

Allein in Deutschland gibt es über 80 Eures-Berater. Sie sitzen in den Arbeitsämtern oder in den Beratungsstellen der Wohlfahrtsverbände wie dem Deutschen Roten Kreuz, dem Diakonischen Werk und dem Raphaels-Werk. Sie beraten kostenlos.

Eugenia Gilge ist Eures-Beraterin in Deutschland. In ihrer Potsdamer Beratungsstelle hilft sie Menschen, die für immer oder nur zeitweise im Ausland arbeiten möchten, bei Dingen wie dem Bewerbungsschreiben oder der Anerkennung eines Diploms.

Die Eures-Berater haben Zugriff auf eine große europäische Jobdatenbank. Dort sind momentan rund 9 000 Stellenangebote aufgeführt, die auch im Internet stehen ( www.eures-jobs.com).

Auch die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung in Bonn hat einige Auslandsjobs zu vergeben ( www.arbeitsamt.de/zav, Telefon 0 180 5/22  20 23, 12 Cent pro Minute).

Nützlich für die Suche sind außerdem Internetseiten wie www.monster.de, www.stepstone.de oder wie www.worldwidejobs.de. Die Internet-Jobbörsen verdrängen immer mehr den Stellenmarkt der Tageszeitungen.

Sprache ist sehr wichtig

Die Ärztin Susanne Woerner konnte vor ihrem Umzug noch keinen Brocken Norwegisch. Doch Vokabelnpauken ist ein Muss für jeden Auswanderer. Ohne die Landessprache können Bewerber weder ihren Arbeitsvertrag lesen noch sich im Job verständigen oder neue Freunde finden.

In einem zwölfwöchigen Intensivkurs lernte Woerner die Sprache. Sie hatte Glück. Weil der norwegische Staat damals verstärkt nach Ärzten suchte, bezahlte er ihren Sprachkurs.

Normalerweise müssen Auswanderer ihre Sprach- und Vorbereitungskurse selbst bezahlen. „Arbeitslose bekommen die Kosten vom Arbeitsamt nur dann ersetzt, wenn ihr Beruf im Ausland gesucht wird und durch den Kurs die Einstellungsaussichten verbessert werden“, sagt Therese Dietrich vom Europa-Job-Center in Berlin.

Institute wie das Nordic Training & Job Center in Flensburg oder das Baltic Training Center in Rostock bereiten deutsche Arbeitslose zum Beispiel auf einen Arbeitsaufenthalt in Nordeuropa, den Niederlanden und Irland vor.

Sie bieten nicht nur Sprachkurse, sondern vermitteln auch Kenntnisse über die Kultur des Ziellandes. Bestandteil der mehrwöchigen Fortbildung ist außerdem ein Praktikum in einem ausländischen Unternehmen.

Formalitäten erledigen

Bürger der Europäischen Union haben ein allgemeines Aufenthaltsrecht in allen Mitgliedstaaten. Jeder kann deshalb in der EU arbeiten, wo er möchte.

Trotzdem ist ein Auslandsjob mit Formalitäten verbunden. Die Eures-Berater helfen dabei.

EU-Bürger, die länger als drei Monate in einem anderen EU-Land bleiben, brauchen zum Beispiel aus formellen Gründen eine Aufenthaltserlaubnis.

Für diejenigen, die bereits einen Arbeitsvertrag haben, ist diese Erlaubnis meist nur eine Formsache. Denn nach Artikel 39 des EG-Vertrags haben EU-Bürger einen Anspruch darauf. Eine einmal ausgestellte Aufenthaltsgenehmigung gilt in der Regel für fünf Jahre.

Sozialversicherung im Ausland

Natürlich ist auch in Deutschland einiges zu erledigen, bevor ein Auswanderer Abschied nehmen kann. Er muss sich zum Beispiel beim Ordnungsamt und bei seiner Krankenkasse abmelden. Denn jeder ist dort versichert, wo er wohnt und arbeitet. Es sei denn eine deutsche Firma entsendet einen Mitarbeiter ins Ausland für weniger als zwölf Monate.

Weil die Leistungen der Krankenversicherung in Europa unterschiedlich sind, ist es ratsam, sich vorher über das soziale Netz des Ziellandes bei der Deutschen Verbindungsstelle Krankenversicherung Ausland ( www.dvka.de, Telefon 02 28/9 53 00) zu erkundigen.

Die Rente ist insofern sicher, als die hier gezahlten Beiträge nicht verloren gehen. Im Rentenalter bekommen Auswanderer jeweils Teilrenten aus den Ländern, in denen sie gearbeitet haben.

Unerheblich ist bei der Rentenberechnung, ob Auswanderer vorher die in Deutschland übliche Versicherungszeit von fünf Jahren für Rentenansprüche erfüllt haben. Die deutschen und ausländischen Versicherungszeiten werden nämlich zusammengerechnet.

Jedes Land kann jedoch ein eigenes Renteneintrittsalter haben. Um Versorgungslücken rechtzeitig aufzuspüren, sollten Auswanderer deswegen vorher einen Rentenberater konsultieren (Adressen unter www.rentenberater.de, Telefon 02 21/2 40 66 4 2).

Eine besondere Gruppe der Auslandstätigen sind die rund 200 000 Grenzgänger, die im Ausland arbeiten und weiter in Deutschland wohnen. Für diese Berufspendler gelten zum Teil Sonderregeln.

Wer etwa in Lüttich verdient und täglich nach Aachen zurückfährt, zahlt ausnahmsweise nicht in Belgien Steuern, sondern in Deutschland.

Oft weniger Gehalt

Die Klientel der Eures-Berater ist gemischt. Vom 30-jährigen Abenteurer bis zum 50-jährigen Arbeitslosen ist alles dabei. Christina Busch arbeitet beim Raphaels-Werk Berlin, einem Fachverband der Caritas, der auch Auswanderer berät. Sie schätzt, dass bei 50 Prozent der Auswanderer berufliche Gründe eine Rolle spielen.

Der 49-jährige Dieter Lange gehört eher zu den Frust-Auswanderern. „Hier laufen die Menschen aneinander vorbei, ohne sich anzuschauen“, sagt er. Deswegen zieht er nach Griechenland.

Auf Kreta beginnt er neu: als Touristenführer. Er wird dort weniger Gehalt bekommen als hier Arbeitslosengeld. Das Land und die Menschen gleichen den finanziellen Verlust aus.

Viele Auswanderer verdienen im Ausland weniger als zu Hause, weil das Gehaltsniveau in Deutschland vergleichsweise hoch ist. „Ich verdiene rund 500 Euro weniger“, erzählt Harald Manz, der mit seiner finnischen Frau vor zwölf Jahren nach Finnland ausgewandert ist und seitdem dort als Ingenieur arbeitet.

Der Krankenpfleger Detlev Möller ist eine Ausnahme. Er bekommt mehr als in Deutschland, weil Krankenpfleger in Norwegen ein Studium brauchen. Deshalb werden sie auch besser bezahlt.

Doch nicht nur das Geld macht Norwegen für den Familienvater Detlev Möller attraktiv. Er und seine Frau konnten dort von Anfang an Beruf und Familie vereinbaren. „Kinder haben in Norwegen ab dem ersten Lebensjahr Anspruch auf einen Kindergartenplatz.“

Eine Rückkehr nach Deutschland kommt für Detlev Möller deswegen nicht infrage.

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