Arag Verkehrs­rechts­schutz Schnelltest

Nach einem Rotlicht­verstoß droht Fahr­verbot? Ihr Unfall­gegner leugnet seine Schuld? Wer jetzt eine Rechts­schutz­versicherung hat, ist gut dran. Sie über­nimmt die Kosten eines Rechts­beistands und die Prozess­kosten. Für jene, die zum Unfall­zeit­punkt keine Versicherung abge­schlossen hatten, bietet der Versicherer Arag jetzt den „Verkehrs­rechts­schutz Sofort“. Die Police kann sogar nach­träglich noch abschlossen werden. Hier lesen Sie, was Sie von dem Angebot erwarten dürfen.

Eine Police mit klassischem Verkehrs­rechts­schutz...

Die Police „Verkehrs­rechts­schutz Sofort“ des Anbieters Arag beinhaltet zunächst einmal eine ganz normale Verkehrs­rechts­schutz­versicherung, so wie sie jeder Rechts­schutz­versicherung im Angebot hat. Das heißt: Sie über­nimmt die notwendigen Anwalts-, Gerichts- und Gutachter­kosten, wenn es im Leben eines Auto- oder Motor­radfahrers nach Abschluss der Versicherung zu recht­lichen Problemen kommt. Versichert ist dann etwa recht­licher Ärger nach einem Auto­unfall aber auch Zoff mit der Auto­werk­statt oder mit einem Auto­verkäufer. Der Versicherungs­nehmer ist grund­sätzlich auch als Radfahrer oder Fußgänger versichert, wenn er sich im öffent­lichen Verkehr bewegt und daraus Rechts­probleme entstehen.

Tipp: Auf test.de finden Sie einen großen Vergleich von Verkehrsrechtsschutzversicherungen.

... und mit „Verkehrs­rechts­schutz nach­träglich“

In zwei Situationen hebt sich der „Verkehrs­rechts­schutz Sofort“ von der Konkurrenz ab. Er gewährt Versicherten auch Rechts­schutz in Fällen, die vor dem Versicherungs­abschluss liegen:

  • Verkehrs­recht­liche Ordnungs­widrigkeit. Nach­träglich abge­schlossen werden kann die Versicherung, wenn dem Verkehrs­teilnehmer eine verkehrs­recht­lichen Ordnungs­widrigkeit vorgeworfen wird. Dazu zählt etwa ein Tempo­verstoß, das Fahren mit Handy am Steuer oder das Über­fahren eines Stopp­schilds. Wichtig: Unfall­flucht ist keine Ordnungs­widrigkeit, sondern eine Straftat. Hier gibt es keinen nach­träglichen Rechts­schutz – wie auch beim Vorwurf „Trunkenheit im Verkehr“.
  • Schaden­ersatz oder Schmerzens­geld. Ebenfalls versicher­bar sind Fälle, in denen der Versicherte nach einem Verkehrs­unfall Schaden­ersatz oder Schmerzens­geld vom Unfall­ver­ursacher durch­setzen will.

Anwalt selbst auswählen – oder sparen

Nach­träglicher Schutz können Verkehrs­teilnehmer nur bekommen, wenn der Unfall oder der Verkehrs­verstoß zum Abschluss der Versicherung noch nicht länger als drei Monate zurück liegt. Zudem gewährt die Arag den nach­träglichen Rechts­schutz maximal einmal während der gesamten Vertrags­lauf­zeit von drei Jahren.

Wichtig: Den rück­wirkenden Rechts­schutz bekommt nur, wer sich noch keinen Anwalt für sein Verkehrs­problem genommen hat. Im Versicherungs­fall sind 150 Euro der Anwalts­kosten vom Kunden selbst zu bezahlen. Dieser Selbst­behalt entfällt allerdings, wenn der Kunde mit seinem Problem zu einem Part­ner­anwalt der Arag geht, also auf das Recht auf freie Anwalts­wahl verzichtet (Die Versicherungsbedingungen der Arag im Wortlaut).

Eine Police zum üppigen Preis

Der Preis von „Verkehrs­rechts­schutz Sofort“ ist üppig. Er hängt von den versicherten Personen ab und der Zahl der versicherten Fahr­zeuge. Eine Familie mit einem Auto etwa zahlt pro Jahr 229 Euro, bei jähr­licher Zahl­weise. Für Familien, die Monats­beiträge zahlen, sind pro Jahr insgesamt 245 Euro fällig. Da die Police erst zum Ende des dritten Versicherungs­jahres gekündigt werden kann, zahlt eine Familie für die drei Jahre insgesamt also 687 Euro, bei monatlicher Zahl­weise insgesamt 735 Euro.

Arag behält sich die Ablehnung von Fällen vor

Für viele Unfall­opfer könnte ein nach­träglicher Rechts­schutz sehr hilf­reich sein. Denn gerade nach heftigen Unfällen mit Personenschäden müssen die Geschädigten oft mit der Versicherung des Unfall­ver­ursachers zum Teil über Jahre und mehrere Gerichts­instanzen ums Geld streiten. Da geht so manchem vorher finanziell die Puste aus. Die neue Arag-Police könnte für diese Personengruppe genau richtig sein. Es gibt nur eine Hürde: die Risiko­prüfung der Arag. Während bei der Kfz-Haft­pflicht­versicherung (Vergleich Autoversicherung) ein Versicherer Kunden nicht ablehnen darf, ist das bei der Rechts­schutz­versicherung sehr wohl möglich. Die Versicherungs­experten der Stiftung Warentest haben sich den Online-Antrag der Arag angeschaut: Dort muss der Kunde allgemeine Angaben zum Unfall­hergang machen und seine Telefon­nummer angeben. „Diese Angaben benötigen wir im Rahmen der Risiko­prüfung“ heißt es am Ende.

Das bedeutet: Die Arag wird sich die Fälle näher anschauen, bevor sie nach­träglichen Rechts­schutz gewährt. Teure Fälle mit einem hohen Kostenrisiko könnten so möglicher­weise ausgesiebt werden. test.de hat bei der Arag nachgefragt und wollte wissen, nach welchen Kriterien Antrag­steller akzeptiert oder abge­lehnt werden? Leider haben wir keine Antwort erhalten. [Update 10.10.2018] Nach Veröffent­lichung unseres Schnell­tests hat sich die Arag doch noch gemeldet. Der Versicherer bestätigt, dass bei nach­träglichem Rechts­schutz für Verkehrs­unfall­sachen eine Risiko­prüfung durch­geführt werde, um „völlig aussichts­lose Fälle“ auszusortieren. Das sei im Sinne des Kunden, sonst würde er den „Verkehrs­rechts­schutz Sofort“ abschließen, ohne die von ihm erwartete Gegen­leistung zu erhalten. In Bußgeldsachen hingegen gelte die Einschränkung nicht. Dort würden keine Erfolgs­aussichten geprüft. Wie die Arag weiter mitteilt, habe der Verkehrs­rechts­schutz Sofort inzwischen schon über 8 500 Kunden weiterhelfen können. [Ende Update]

Diese Fälle sind nicht vom klassischen Rechts­schutz erfasst

Von den recht­lichen Problemen, die auf einen Versicherungs­nehmer nach Abschluss der Versicherung zukommen können, ist nicht alles versichert. Der herkömm­lich Verkehrs­rechts­schutz in der „Sofort“-Police der Arag beinhaltet zum Beispiel folgende wichtige Ausschlüsse:

  • Park- und Halte­verstöße sind nicht versichert, solange es dafür keine Punkte in Flens­burg gibt.
  • Widerrufs­fälle. Ebenso sind Auto­finanzierungs­fälle nicht versichert, sofern der Kredit­vertrag vor der Rechts­schutz­versicherung abge­schlossen worden ist. Das betrifft jene Fälle, in denen ein Fehler in der Widerrufs­belehrung der Bank dem Käufer noch Jahre später die Rück­abwick­lung eines bank­finanzierten Auto­kaufs möglich macht (Autofinanzierung: Kreditwiderruf bringt Chance auf Rückgabe).
  • Für Verkehrs­recht­liche Vergehen aus dem Strafgesetz­buch wie „Alkohol am Steuer“ oder Unfall­flucht hat ein Versicherungs­nehmer zwar grund­sätzlich Rechts­schutz. Dieser entfällt aber nach­träglich, wenn ein Gericht rechts­kräftig eine Tat mit Vorsatz fest­stellt. Das heißt: Der Versicherungs­nehmer muss das bis dahin von der Rechts­schutz­versicherung gezahlte Geld für Anwalt und Verfahren erstatten. Allein der Straf­verteidiger in einem solchen Verfahren kostet in der Regel ungefähr 1 000 Euro.
  • Freiberufler und sons­tige Selbst­ständige. Selbst­ständige können mit dem “Verkehrs­rechts­schutz Sofort“ zwar ihre privaten verkehrs­recht­lichen Probleme abdecken. Sobald das Rechts­problem aber im Zusammen­hang mit einer selbst­ständigen Tätig­keit entstanden ist, besteht kein Versicherungs­schutz.

Nichts für Stan­dard­fälle – aber ein Strohhalm für Unfall­opfer

Für alle, die herkömm­lichen Rechts­schutz suchen, gilt: Der besondere Arag-Schutz ist teuer. Wie unser Vergleich von Verkehrsrechtsschutzversicherungen zeigt, ist eine Police bei der Konkurrenz für deutlich weniger Geld zu haben.

Unfall­opfer mit gravierenden Verletzungen. Vor allem Opfer, die bei einem Auto­unfall gravierende Körperschäden erlitten haben, aber zum Zeit­punkt des Unfalls ohne Rechts­schutz­versicherung waren, können den rück­wirkenden Rechts­schutz der Arag sehr gut gebrauchen. Wir haben allerdings Zweifel, ob die Arag solche Fälle nimmt. Die Zahlungs­bereitschaft des Versicherers hat in der Vergangenheit bei vielen zu erheblichem Ärger geführt (Rechtsschutzversicherung im Test). Es könnte durch­aus sein, dass sich die Arag beim nach­träglichen Rechts­schutz über­wiegend die Rosinen heraus­pickt – also diejenigen Fälle, die sicher gewonnen und dann vom Prozess­gegner bezahlt werden. Diese Befürchtungen sollten aber kein Unfall­opfer daran hindern, einen Antrag auf nach­träglichen Rechts­schutz zu stellen. Der Versuch kostet nichts.

Blech­schäden. Die Arag-Police wegen eines einfach gelagerten Verkehrs­unfalls, also etwa wegen eines Auffahr­unfalls mit Blech­schaden, nach­träglich abzu­schließen, ist über­flüssig. Ein Unfall­opfer darf sich in solchen Fällen nach der Recht­sprechung sowieso einen Anwalt nehmen, den die Gegen­seite zu bezahlen hat. Alternativ können Geschädigte auch Dienst­leister wie „Unfall­helden“ in Anspruch nehmen, die Betroffenen kostenfrei Hilfe anbieten. Eine Einschät­zung des Dienstes bietet unser Schnell­test Unfallhelden.de: Anwalt, Gutachter, Autowerkstatt – Hilfe aus einer Hand.

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