Das dritte Tablet von Apple bietet äußerlich kaum Neues

Apple-Fans haben das neue iPad mit Spannung erwartet – inklusive Über­nachtung vor dem Apple Store und Schlan­gestehen. Auf den ersten Blick fällt auf: Es ist etwas dicker als sein Vorgänger und auch schwerer. test.de sagt, ob sich das Schlan­gestehen trotzdem lohnt.

Außen wenig Neues

Wenn Apple ein neues Produkt auf den Markt bringt, dann ist das für einge­fleischte Fans wie Weih­nachten und Ostern zusammen. Da macht es auch wenig, wenn das Objekt der Begierde, wie jetzt das neue iPad, fast genauso aussieht, wie das Vorgängermodell. Das könnte immerhin ein Grund sein, warum das neueste Apple-Tablet nicht wie erwartet „iPad 3“ heißt, sondern schlicht „iPad“. Eine äußerliche Änderung gibt es aber dann doch: Das neue iPad hat mit Vergleich zum Vorgänger iPad 2 zugenommen. Es ist 0,5 Milli­meter dicker und in der von uns getesteten UMTS-Variante ist es 70 Gramm schwerer. Das liegt vermutlich am etwas größeren Akku. Den braucht das Tablet für sein neues hoch­auflösendes Display und dem neuen Prozessor. Der Test zeigt: Der dickere Akku lohnt sich. Beim gemütlichen Surfen im Netz und beim Filmgu­cken (mit ausgeschaltetem WLan) hält der Akku 11 bis 12 Stunden. Das ist deutlich länger als beim Vorgänger. Das neue Gerät braucht mit 8 Stunden 20 Minuten aber auch fast doppelt so lange, bis er wieder voll ist.

Neuer Prozessor, scharfes Display

Schärferes Display heißt: Mehr Komfort beim Lesen von E-Books.

Schärferes Display heißt: Mehr Komfort beim Lesen von E-Books.

A5X heißt der neue Motor im neuen iPad. Der Prozessor kommt mit zwei Zylindern, sprich Prozessorkernen, und zusätzlichen vier Grafikkernen daher. Im normalen Betrieb reagiert das iPad flott – aber nicht deutlich schneller als der Vorgänger. Zudem konnten wir fest­stellen, dass das iPad etwas warm wird. Im Test hat es Temperaturen bis zu 40 Grad erreicht. Die wohl auffälligste Neuig­keit ist das neue Retina-Display. Es hat eine Auflösung von 2048x1536 Pixeln, bringt also 3,1 Millionen Bild­punkte auf den Schirm. Das sind mehr Pixel als bei einem Full-HD-Fernseher. Auch den Vergleich mit der Tablet-Konkurrenz braucht es nicht scheuen.

Display über­zeugt durch Farb­treue und großen Blick­winkel

Die Vergrößerung zeigt: Das iPad 3 hat eine höhere Pixeldichte als das Sam­sung Galaxy Tab 10.1.

Displays im Vergleich: links das neue iPad 3, rechts das Samsung Galaxy Tab 10.1. In 75-facher Vergrößerung ist die höhere Pixeldichte beim iPad deutlich zu erkennen.

Eines der bisher besten Displays in unseren Tests von Tablet-PCs hatte das Samsung Galaxy Tab 10.1. Das Retina-Display im neuen iPad ist noch stärker. Im Labor über­zeugte es besonders durch seine Farb­treue und seinen großen Blick­winkel. Bilder wie Schrift stellt das Retina-Display gestochen scharf dar. Leichte Abzüge gibt es für die Darstellung der Farben Schwarz und Weiß. Der Schwarz­wert könnte besser sein, dann wäre auch der Kontrast höher, das erleichtert das Lesen. In dunkler Umge­bung ist außerdem zu erkennen, dass die Hintergrund­beleuchtung seitlich herein­scheint. In der Praxis dürfte das aber höchs­tens beim Filmgu­cken auffallen. Das Weiß wirkt etwas vergilbt. Auch die Helligkeits­verteilung ist gut, aber nicht ganz optimal. Im unteren Bild­schirm­bereich ist das Display etwas dunkler als im oberen. Wie bei vielen Tablets üblich, spiegelt auch das Display des neuen iPads. Bei direkter Sonnen­einstrahlung erkennt der Nutzer daher wenig.

iPad 3 mit besserer Kamera

Bei der Kamera hat Apple ebenfalls aufgerüstet. Statt wie bisher mit 0,7 Megapixel kommt die neue Kamera mit nun 5,0 Megapixeln daher. Gelegentliche Schnapp­schüsse gelingen zufrieden­stellend, auch bei schwachen Licht­verhält­nissen. Wie beim Vorgänger auch, steht eine zweite Kamera mit nied­riger Auflösung zur Video­telefonie zu Verfügung. Die hatte beim aller­ersten iPad noch gefehlt, gehört aber mitt­lerweile zum guten Tabletstan­dard.

Diktier­funk­tion statt Siri

Das kleine Mikrofon-Symbol zeigt, ob die Diktier­funk­tion zur Verfügung steht.

Ein Fingertipp auf das kleine Mikrofon, links neben der Leertaste, startet die Diktier­funk­tion. Die funk­tioniert nur mit Internet­verbindung.

Auch über die Software-Ausstattung des iPads hat die Fach­welt im Vorfeld viel spekuliert, zum Beispiel über Sprach­assistentin Siri. Die Plaudertasche, die auch auf Fragen antworten kann oder auf Wunsch den nächsten Termin heraus­sucht, bleibt aber weiterhin Nutzern des iPhone 4S vorbehalten. Nur eine Diktier­funk­tion ist von Siri übrig geblieben. Nutzer können damit zum Beispiel E-Mails einsprechen, anstatt sie zu tippen. Diese Funk­tion steht allerdings nur zur Verfügung, wenn das Tablet mit dem Internet verbunden ist. Zu erkennen ist das am kleinen Mikrofon neben der Leertaste. Ist die Internet­verbindung schwach, kann es schon mal dauern, bis das gesprochene Wort auf dem Bild­schirm erscheint. Ist das Gerät nicht mit dem Netz verbunden, erscheint das kleine Mikrofon erst gar nicht. Die Diktier­funk­tion ist auf Software­ebene die einzige nennens­werte Über­raschung. Ansonsten trifft der Nutzer auf das Betriebs­system iOS 5. Das ist bereits vom iPhone 4S bekannt und steht auch Nutzern von iPad2 und iPhone 4 als Update zur Verfügung.

Schneller Daten­funk nicht in Deutsch­land

Wir haben das neue iPad in der Version mit 16 Gigabyte-Speicher und UMTS getestet. Die Internet­verbindung kommt entweder über WLan oder unterwegs über das UMTS-Netz zu Stande. Erst­mals unterstützt ein Apple-Tablet auch den schnellen Daten­funk LTE (Long Term Evolution). Der US-Konzern wirbt fleißig mit „ultra­schnellen mobilen Daten“. Für deutsche Kunden hat die Sache allerdings einen Haken: Nicht nur weil das LTE-Netz sich in Deutsch­land gerade im Aufbau befindet, müssen sie auf die neue Technik vor­erst verzichten. Das von Apple verbaute LTE-Modul funkt auf Frequenz­bereichen, die in Deutsch­land nicht für LTE genutzt werden. Zudem ist die Über­tragungs­geschwindig­keit immer von der Auslastung der Netze abhängig. So kann es in großen Ballungs­räumen zu Geschwindig­keits­einbußen kommen, wenn viele Nutzer gleich­zeitig mobil surfen.

iPad 2 bleibt gute Alternative

Im Vergleich zum Vorgänger hat Apple noch einmal eine Schippe draufgelegt. Nicht nur deshalb hat es die Android-Konkurrenz zukünftig schwerer – auch das ebenfalls gute iPad 2 bleibt im Handel ist ist nun deutlich preis­werter. In der güns­tigsten Ausführung (16 GB ohne UMTS) kostet es noch 400 Euro, in der zu unserem Testgerät vergleich­baren Version (16 GB mit UMTS) 520 Euro. Der ebenfalls vergleich­bare Testsieger aus dem vergangenen Tablettest, das Samsung Galaxy Tab 10.1, kostet derzeit zirka 460 Euro.

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