App-Stores

Interview: Apps sind unkontrollier­bar

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App-Stores - Wenig Daten­schutz

Dr. Alexander Dix, der Berliner Beauftragte für Daten­schutz und Informations­freiheit, rät Nutzern zu Vorsicht und Wach­samkeit, bevor sie Apps auf ihr Smartphone herunter­laden.

App-Stores Testergebnisse für 10 App-Stores 08/2011

Warum sind viele Apps aus Daten­schutz­gründen bedenk­lich?

Vernetzte Smartphone­dienste bergen immer die Gefahr, dass personenbezogene Daten Dritten zugäng­lich werden. Die Funk­tionalitäten der Apps können von den Nutzenden nicht kontrolliert werden. Im Gegen­satz zum Smartphone-Betriebs­system kommen viele der Apps aus weniger bekannten und teil­weise weniger seriösen Quellen.

Wozu werden die persönlichen Daten von wem benutzt?

Personenbezogene Daten können sowohl bei dem Betreiber des App-Stores als auch – je nach tech­nischer Ausgestaltung der App – bei dem Anbieter der App anfallen. Insbesondere bei werbe­finanzierten Angeboten können im Einzel­fall auch zahlreiche weitere Unternehmen welt­weit personenbezieh­bare Daten der Nutzer erhalten.

Wie können sich Verbraucher davor schützen, dass miss­bräuchlich persönliche Daten von ihnen erhoben werden?

Bei der Installation einer App ist immer Vorsicht geboten: Gründliches Informieren über das Angebot und den Anbieter – auch über dessen Firmensitz und das in diesem Land geltende Daten­schutz­recht – sowie das Lesen der jeweiligen allgemeinen Geschäfts­bedingungen und Daten­schutz­erklärungen sind Pflicht. Eine App sollte nur die Rechte erhalten, die sie für ihr Funk­tionieren nach­voll­zieh­bar benötigt. Das Smartphone-Betriebs­system sollte dazu Einstellungs­möglich­keiten bereit­stellen.

App-Stores Testergebnisse für 10 App-Stores 08/2011

Massenhafter Daten­miss­brauch ist kein neues Phänomen. Entsteht durch die vermehrte Nutzung von Apps auf Smartphones eine neue Dimension des Daten­miss­brauchs?

Wahr­scheinlich werden Smartphones in Zukunft verstärkt Angriffs­ziele für troja­nische Pferde und andere Schad­programme sein. Es ist nicht erkenn­bar, dass die im Internet bestehenden Daten­sicher­heits­probleme für Smartphones gelöst sind. Dies ist deswegen bedenk­lich, da Smartphones und damit auch manche Apps durch­gehend aktiv sind und fort­laufend Aufenthalts­informationen der Nutzer generieren. Wenn diese Daten in falsche Hände geraten, können detaillierte Bewegungs­profile der Nutzer erstellt und mit anderen Nutzungs- und Inhalts­daten verknüpft werden.

Was muss auf politischer Ebene getan werden, um den Miss­brauch von Kunden­daten so weit wie möglich zu minimieren?

Die Politik muss die recht­lichen Voraus­setzungen dafür schaffen, dass der Schutz der Privatsphäre bereits von vorn­herein in die Technologien einge­baut wird. Bislang richten sich die Gesetze vor allem an die Anwender von Technologien, weniger an deren Entwickler. Dies wird für einen wirk­samen Schutz der Privatsphäre in Zukunft nicht mehr ausreichen.

Kann man sagen, welche Betriebs­systeme beziehungs­weise App-Stores aus daten­schutz­recht­licher Sicht die bedenk­lichsten sind?

Viele App-Stores verlangen eine personenbezogene Registrierung, obwohl das für die Erbringung des Dienstes in der Regel nicht erforderlich ist. Darauf sollten Nutzer achten und sich gegebenenfalls unter einem Pseudonym registrieren. Einige bieten entgegen den in Deutsch­land geltenden gesetzlichen Bestimmungen keine anonymen oder zumindest pseudonymen Bezahl­verfahren an. Falls möglich, sollte man besser anonyme Gutscheine nutzen.

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mgraeble am 04.05.2012 um 15:47 Uhr
Zugriff der Apps auf Daten und Internet regeln

Ich habe mittlerweile 5 Smartphones/Tablets mit Android OS, hatte schon beim ersten Bedenken wegen meiner Daten und hatte über die im Kernel integrierte IPTables Firewall den Anwendungen die Rechte, aufs Internet zuzugreifen genommen (lässt sich seit geraumer Zeit mit DroidWall sehr einfach verwalten).
Vor ein oder zwei Monaten habe ich jedoch das App LBE entdeckt, bei dem sich die Zugriffe auf Telefonbuch, SMS, Position, IMEI... für jede App einzeln einstellen lassen. Man kann für die meisten Zugriffe auch sagen, dass man gefragt werden möchte - greift eine App dann zu, geht ein Popup auf. Im Log kann man überprüfen, wer wann wo zugreifen wollte.
Ebenso kann man bei jeder App einstellen, ob sie aufs Internet zugreifen darf - und das für WLAN und Handynetz getrennt. LBE selbst ist in der Liste der Applikationen auch enthalten und kann entsprechend eingeschränkt werden.
Netter Nebeneffekt - keine Werbeeinblendungen mehr, wenn die App nicht ins Netz darf.
Nachteil: Root Rechte notwe

GermanArcher am 27.03.2012 um 14:10 Uhr
Datenschutz im Apple iTunes Store mangelhaft

Und zwar so sehr, daß es offenbar problemlos möglich ist, mit gestohlenen Kreditkartendaten im iTunes- Appstore von Apple Umsätze zu tätigen - und zwar auf eine völlig andere Apple-ID als die, mit welcher die Kreditkartendaten bereits verknüpft sind. Es erfolgt keinerlei Rückversicherung beim Kreditkarteninhaber. Um eine Sperre des betrügerischen Accounts und die Sperre der Kreditkarte für weitere Umsätze bei Apple einzurichten, war in meinem Fall erst die Kontaktaufnahme mit Apple erforderlich. Daß meine Kreditkartendaten mißbraucht wurden, fiel mir erst beim Bezahlen an einer Tankstelle auf, als meine Bank die Karte verdachtsweise gesperrt hatte. Erst auf Anfrage bei meiner Bank wurden mir die betrügerischen Buchungen bei Apple überhaupt bekannt.
Apple sträubt sich übrigens trotz mehrfacher Aufforderung dagegen, den betrogenen Account des rechtmäßigen Kreditkarteninhabers zu löschen.
Fazit: Hauptsache Umsatz, woher das Geld kommt, ist erst einmal Wurscht.

Profilbild Stiftung_Warentest am 17.08.2011 um 13:53 Uhr
Palm

@averto: Die Stiftung Warentest wählt ihre Testprodukte nach der Marktbedeutung aus. Den Store von Palm haben wir wegen des geringen Marktanteils nicht mit getestet.

Profilbild Stiftung_Warentest am 17.08.2011 um 13:52 Uhr
Blackberry

@halsbandschnaepper: Unseres Wissens nach nicht.

halsbandschnaepper am 30.07.2011 um 10:46 Uhr
Nutzt Blackberry RIM nicht WebOS??

kwt