Interview: Apps sind unkontrollierbar

App-Stores Test

Dr. Alexander Dix, der Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, rät Nutzern zu Vorsicht und Wachsamkeit, bevor sie Apps auf ihr Smartphone herunterladen.

Warum sind viele Apps aus Daten­schutz­gründen bedenk­lich?

Vernetzte Smartphone­dienste bergen immer die Gefahr, dass personenbezogene Daten Dritten zugäng­lich werden. Die Funk­tionalitäten der Apps können von den Nutzenden nicht kontrolliert werden. Im Gegen­satz zum Smartphone-Betriebs­system kommen viele der Apps aus weniger bekannten und teil­weise weniger seriösen Quellen.

Wozu werden die persönlichen Daten von wem benutzt?

Personenbezogene Daten können sowohl bei dem Betreiber des App-Stores als auch – je nach tech­nischer Ausgestaltung der App – bei dem Anbieter der App anfallen. Insbesondere bei werbe­finanzierten Angeboten können im Einzel­fall auch zahlreiche weitere Unternehmen welt­weit personenbezieh­bare Daten der Nutzer erhalten.

Wie können sich Verbraucher davor schützen, dass miss­bräuchlich persönliche Daten von ihnen erhoben werden?

Bei der Installation einer App ist immer Vorsicht geboten: Gründliches Informieren über das Angebot und den Anbieter – auch über dessen Firmensitz und das in diesem Land geltende Daten­schutz­recht – sowie das Lesen der jeweiligen allgemeinen Geschäfts­bedingungen und Daten­schutz­erklärungen sind Pflicht. Eine App sollte nur die Rechte erhalten, die sie für ihr Funk­tionieren nach­voll­zieh­bar benötigt. Das Smartphone-Betriebs­system sollte dazu Einstellungs­möglich­keiten bereit­stellen.

Massenhafter Daten­miss­brauch ist kein neues Phänomen. Entsteht durch die vermehrte Nutzung von Apps auf Smartphones eine neue Dimension des Daten­miss­brauchs?

Wahr­scheinlich werden Smartphones in Zukunft verstärkt Angriffs­ziele für troja­nische Pferde und andere Schad­programme sein. Es ist nicht erkenn­bar, dass die im Internet bestehenden Daten­sicher­heits­probleme für Smartphones gelöst sind. Dies ist deswegen bedenk­lich, da Smartphones und damit auch manche Apps durch­gehend aktiv sind und fort­laufend Aufenthalts­informationen der Nutzer generieren. Wenn diese Daten in falsche Hände geraten, können detaillierte Bewegungs­profile der Nutzer erstellt und mit anderen Nutzungs- und Inhalts­daten verknüpft werden.

Was muss auf politischer Ebene getan werden, um den Miss­brauch von Kunden­daten so weit wie möglich zu minimieren?

Die Politik muss die recht­lichen Voraus­setzungen dafür schaffen, dass der Schutz der Privatsphäre bereits von vorn­herein in die Technologien einge­baut wird. Bislang richten sich die Gesetze vor allem an die Anwender von Technologien, weniger an deren Entwickler. Dies wird für einen wirk­samen Schutz der Privatsphäre in Zukunft nicht mehr ausreichen.

Kann man sagen, welche Betriebs­systeme beziehungs­weise App-Stores aus daten­schutz­recht­licher Sicht die bedenk­lichsten sind?

Viele App-Stores verlangen eine personenbezogene Registrierung, obwohl das für die Erbringung des Dienstes in der Regel nicht erforderlich ist. Darauf sollten Nutzer achten und sich gegebenenfalls unter einem Pseudonym registrieren. Einige bieten entgegen den in Deutsch­land geltenden gesetzlichen Bestimmungen keine anonymen oder zumindest pseudonymen Bezahl­verfahren an. Falls möglich, sollte man besser anonyme Gutscheine nutzen.

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